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Spar-Tipps Teil 2 : Sparen auf den letzten Drücker

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Es sind nur noch wenige Wochen bis Jahresende. Höchste Zeit also, Geldangelegenheiten anzugehen, um Steuern und Abgaben zu sparen.

Wer seinen Jahresurlaub 2015 noch nicht (voll) genommen hat, der sollte sich sputen: Urlaubsjahr ist das Kalenderjahr. Mit dem Arbeitgeber kann zwar eine Übertragung auf 2016 vereinbart werden. Doch muss er darauf nur unter Bedingungen eingehen, zum Beispiel weil sein Arbeitnehmer wegen einer Krankheit seinen Urlaub nicht nehmen konnte oder weil der Chef wegen vieler Aufträge eine Urlaubssperre verhängt hatte.

Im Grundsatz müsste also der Urlaub bis spätestens Ende Dezember 2015 genommen, nicht nur angetreten sein. (Im öffentlichen Dienst sowie in manchen Tarifverträgen gelten längere Fristen.) Arbeitnehmer, die ihre Beschäftigung erst im Laufe des Jahres 2015 aufgenommen haben, können verlangen, dass ihr Teilurlaubsanspruch auf 2016 übertragen wird. Das Verfalldatum – etwa der 31. März 2016 – gilt bei ihnen nicht.

Riester-Rente 

Rentenpflichtversicherte oder Ehepartner einer/eines solchen Versicherten können über eine private Rentenversicherung, einen Fonds- oder Banksparplan beziehungsweise eine betriebliche Altersvorsorge sowie einen Bausparvertrag riestern. Entsprechendes gilt für Beamte. Sobald für das Jahr 2015 vier Prozent der Vorjahresbruttobezüge auf einen solchen Vertrag eingezahlt wurden, steht ihnen die maximale staatliche Zulage von 154 Euro sowie für jedes kindergeldberechtigte Kind 185 Euro zu (für nach 2007 geborene Kinder je 300 Euro).

Erfreulich: Eigener Beitrag und Zulagen zählen zusammen, um den vierprozentigen Maximalbeitrag zu ermitteln. Unter 25-Jährige bekommen einen 200 Euro-Startbonus. Die Höchsteinzahlung beträgt 2100 Euro im Jahr und kann steuerlich mehr einbringen als die Zulagen.

Das Finanzamt prüft dann im Jahresausgleich, ob die Berücksichtigung der Beiträge als Sonderausgabe eine höhere Vergünstigung bringt als die Staatszulagen. Auch wichtig: Ist für das Jahr 2014 die Zulage noch nicht beantragt, so ist dafür noch bis Silvester 2015 Zeit. Zugleich sollte ein „Dauerzulagenantrag“ gestellt werden. Bank oder Versicherung erledigen die Anträge dann künftig automatisch.

Beispiel für die Errechnung des „Mindesteigenanteils“ von Eheleuten, die beide riestern (maximal 4 Prozent):

 Gesamt-Jahresarbeitsverdienst brutto im Vorjahr   52 500 Euro

 4 Prozent davon;                                         2100 Euro

 Minus Zulagen für das Ehepaar;                       308 Euro

 Minus Zulage für ein (nach 2007 geborenes) Kind;     300 Euro

 Mindest-Eigenbeitrag                              1492 Euro

Rürup-Rente

Vor allem Selbstständige und gut verdienende Arbeitnehmer können rürupen: in Form einer privaten Rentenversicherung. Die höchste steuerliche Vergünstigung für 2015 ergibt sich bei einer Einzahlung von 22.172 (für Ehepaare: 44.344) Euro. 80 Prozent davon (beim Höchstsatz also 17.737 Euro für einen Single, 35475 Euro für Verheiratete) können 2015 vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Geringere Einzahlungen bringen geringere Förderungen.

Scheidung/Versöhnungsversuch

Ehepartner, die schon seit Jahresbeginn 2015 getrennt leben, weil die Scheidung läuft, können für 2015 nicht mehr das steuerlich vorteilhafte Splittingverfahren wählen. Wird jedoch nachgewiesen, dass in 2015 zumindest ein einmonatiger „Versöhnungsversuch“ gemacht wurde (also die beiden wieder zusammengezogen sind), dann rettet das den sogenannten Ehegatten-Tarif für 2015. Daran ändert sich nichts, wenn es bei dem Versuch bleiben sollte, also die Scheidung bevorsteht...

Sparerfreibetrag 

Wer seinen Geldinstituten, bei denen seine Ersparnisse liegen, keinen „Freistellungsauftrag“ eingereicht hat, dem wird die Abgeltungssteuer vom ersten Zins-Euro an den Fiskus überwiesen. Einen Teil davon kann er sich über den Steuerjahresausgleich zwar wieder zurückholen. Einfacher aber ist es, den Freistellungsauftrag über 801 (für Verheiratete: 1602) Euro jährlich seinen Banken abzugeben. Dann werden nur die darüber hinaus-gehenden Zinserträge mit der Abgeltungssteuer (25 Prozent + Solidaritätszuschlag + gegebenenfalls Kirchensteuer) belegt.

Spenden 

Großzügigkeit gegenüber Notleidenden oder gemeinnützig Tätigen honoriert der Fiskus großzügig: Milde Gaben können bis zu 20 Prozent vom „Gesamtbetrag der Einkünfte“ (im Regelfall: Bruttoverdienst minus Werbungskosten) das steuerpflichtige Einkommen reduzieren. Von 60.000 Euro Jahreseinkommen kann also das steuerpflichtige Einkommen auf 48.000 Euro gedrückt werden – entsprechende Spendierfreude unterstellt. Wer noch tiefer in die Spendentasche gegriffen hat, der kann den überschießenden Betrag noch mit den nächsten Steuererklärungen geltend machen. Empfänger der Spenden können der Lieblingssportverein ebenso sein wie Kirchen oder die Deutsche Krebshilfe, aber auch Wohlfahrtsorganisationen und Universitäten. Wichtig: Ohne Vorlage von Belegen – Spendenbescheinigungen der Begünstigten – zeigen sich die Finanzämter im Regelfall stur. Bei Beträgen bis 200 Euro sind sie aber meist nicht kleinlich: Es reichen die Überweisungsträger.

Steuererklärung 

Wer für das Jahr 2011 noch keine Steuererklärung abgegeben hat, der kann das noch bis Ende dieses Jahres nachholen. Das gilt für diejenigen, die nicht verpflichtet sind, sich dem Finanzamt gegenüber zu erklären – die aber auf eine Steuerrückzahlung hoffen. Das kann zum Beispiel wegen größerer Lohnschwankungen im Laufe des Jahres der Fall sein – oder weil, etwa wegen eines Umzugs, höhere Werbungskosten als vorhergesehen entstanden sind.

Steuerfreibetrag 

Übersteigen die steuerlichen Werbungskosten 2016 voraussichtlich 1600 Euro, so kann durch die Eintragung eines Freibetrages auf der Steuerkarte erreicht werden, dass der Arbeitgeber weniger Steuern abzieht als ohne. Beantragt werden können zum Beispiel 30 Cent pro Kilometer für die einfache (im Regelfall kürzeste) Entfernung für die Wege zur Arbeitsstelle.

Steuerklassen-Wechsel 

Steht eine Kündigung und damit Arbeitslosigkeit ins Haus, so lohnt sich möglicherweise ein Wechsel der Steuerklassen zum 1. Januar 2016. Und zwar könnte der betreffende Ehegatte, der sich in der Steuerklasse IV oder V befindet, in die Klasse III wechseln, weil dann das Arbeitslosengeld wesentlich höher ist als in IV oder V.

Entsprechendes gilt für das Elterngeld, für dessen Berechnung allerdings komplette zwölf Monate angesetzt werden, was eine längerfristige Planung nahelegt. Die für den anderen Partner dann ungünstigere Steuerklasse wird mit der Steuererklärung im folgenden Jahr ausgeglichen. Wichtig: Das Elterngeld wird auf Basis der Steuerklasse berechnet, die mindestens sieben Monate vor der Geburt des Kindes auf der Lohnsteuerkarte eingetragen war. Schnelles Reagieren nach Kenntnis von der Schwangerschaft kann also lohnen.

Unterhaltsleistungen 

Wer an seinen geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten Unterhalt zu leisten hat, der kann diese Beträge bis 13.805 Euro (gegebenenfalls plus Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, die zusätzlich übernommen wurden) steuermindernd geltend machen. Jetzt sollte geprüft werden, ob die Grenze bereits erreicht und der Steuervorteil damit ausgeschöpft ist.

Verjährung 

Wer noch Schulden aus dem Jahr 2012 zu begleichen hat, etwa für den Kauf eines Fernsehgerätes, der kann darauf hoffen, dass sein Gläubiger die Frist, die am 31. Dezember 2015 abläuft, verstreichen lässt. Andererseits muss sich derjenige, der noch Geld zu bekommen hat, beeilen, will er seinen Anspruch noch durchsetzen. Dafür genügt weder eine telefonische Erinnerung noch eine schriftliche Mahnung. Maßgebend sind allein ein gerichtlicher Mahnbescheid (der noch vor Neujahr 2016 zugestellt werden müsste) oder direkt eine Klage. Mit einem solchen Titel kann dann noch 30 Jahre lang die Forderung geltend gemacht werden.

Weihnachtsfeier 

Arbeitgeber können ihren Aufwand für eine Weihnachtsfeier als Betriebsausgabe steuerwirksam ansetzen, wenn sie Maß halten – das heißt: pro Beschäftigtem maximal 110 Euro ausgeben, auch dann, wenn die Partner dabei sein dürfen.

Weihnachtsgeschenk 

Wo keine Weihnachtsfeier ansteht, kann es auch ein Geschenk sein, der Mitarbeitern Freude macht – und dem Chef Steuern sparen hilft. Bis zu 60 Euro darf die Gabe kosten, soll sie steuerwirksam sein – und nicht in bar gegeben werden.

Werbungskosten 

Arbeitnehmern, die im Jahr 2015 – etwa mit der Pauschale von 30 Cent für jeden Entfernungskilometer für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstelle – bereits bei 1000 Euro angelangt sind, hilft jeder Euro, der zusätzlich für Werbungskosten ausgegeben wird, Steuern zu sparen. Das können zum Beispiel Fachbücher sein (Achtung: Das Finanzamt verlangt meist die Angabe des Titels auf der Quittung!) oder Material für das häusliche Arbeitszimmer. Die vorbehaltslose Anerkennung der auf das eigentliche Arbeitszimmer entfallenden Kosten (Miete, Abschreibung) ist zwar per Gesetz abgeschafft worden. Nachdem der Bundesfinanzhof diese rigorose Streichung für Arbeitnehmer, die im Betrieb nicht über einen eigenen Arbeitsplatz verfügen, dafür aber zu Hause betrieblich wirken, beanstandet hat, können die dadurch Begünstigten ihren Aufwand bis zu 1250 Euro im Jahr steuerlich geltend machen.  Freiberufler und andere Selbstständige, die den „wirtschaftlichen Schwerpunkt“ ihrer Arbeit zu Hause haben, können den Aufwand für das (die) entsprechende(n) Zimmer voll steuerlich geltend machen.

Auch eine berufliche Fortbildungsveranstaltung kann Steuern sparen helfen. Nicht vergessen werden sollten Gewerkschaftsbeiträge.

Zahnersatz

Gesetzlich Krankenversicherte können ihren Grundanspruch auf einen Zuschuss zum Zahnersatz um bis zu 30 Prozent steigern, wenn sie wenigstens einmal pro Jahr rein vorsorglich den Zahnarzt aufsuchen. Der Grundanspruch beträgt 50 Prozent des sogenannten Festbetrages, den Zahnärzte und Krankenkassen für die jeweilige Leistung des Zahnarztes sowie des Dentallabors ausgehandelt haben. Dieser am Festbetrag orientierte Zuschuss steigt im Jahr 2016 um zehn Punkte, also um 20 Prozent auf 60 Prozent, wenn Zahnersatz benötigt wird und seit 2011 bis einschließlich 2015 mindestens einmal jährlich vorsorglich der Zahnarzt aufgesucht wurde. 15 Punkte plus auf die generellen 50 Prozent (= 30 Prozent tatsächlich) mehr gibt es, wenn der regelmäßige Zahnarztbesuch bereits seit 2006 lückenlos nachgewiesen werden kann. Ein 2016 angefertigter Zahnersatz, für den ein Festbetrag von 6000 Euro existiert, kann also als Kassenzuschuss 3000 Euro, 3600 Euro oder 3900 Euro einbringen – je nach Intensität der vorsorglichen Zahnarztbesuche.

Wichtig: Sollte nur in einem Jahr der Zahn-Doktor nicht vorsorglich konsultiert worden sein, so beginnen die fünf beziehungsweise zehn Jahre neu zu laufen.

Teil 1 „Was Sie bis Silvester noch für Ihr Geld tun sollten“ unseres Spar-ABC's lesen Sie hier.

 

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erstellt am 29.Nov.2015 | 12:14 Uhr

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