Strafzölle : Solar, Wein, dann Airbus?

Peking macht Wein-Importe zum Druckmittel: EU-Staaten exportierten 2012 Wein im Wert von 763 Millionen Euro nach China.
Peking macht Wein-Importe zum Druckmittel: EU-Staaten exportierten 2012 Wein im Wert von 763 Millionen Euro nach China.

EU und China setzen mit Strafzöllen und Dumping-Ermittlungen auf Provokation. Berlin warnt unterdessen vor einem Handelskrieg.

Avatar_shz von
06. Juni 2013, 10:36 Uhr

Peking/Berlin | Es ist ein gefährliches Kräftemessen. Brüssel hat mit den Strafzöllen auf chinesische Solar-Importe ein Zeichen gesetzt. Und Peking reagiert mit einem Anti-Dumping-Verfahren gegen Weinimporte aus der EU. Es sei ein riskantes Spiel, warnen Experten. "China hat mehr in der Hinterhand, als die EU denkt", sagt Wirtschaftsprofessor Huang Weiping von der Volksuniversität in Peking. Zum Beispiel könne die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt mit ihren Airbus-Bestellungen Druck ausüben. Ein Staatsunternehmen hatte jüngst eine Absichtserklärung zum Kauf von 60 Airbussen unterschrieben. Eine Eskalation der Situation "wäre für keine Seite gut".
Brüssel und Peking ermitteln gegenseitig wegen Dumpingverdachts. Sie werfen sich Billigverkäufe zu nicht kostendeckenden Preisen vor. Und die Liste der umstrittenen Branchen ist lang. Neben Solar ermittelt die EU-Kommission auch zu Dumping bei chinesischen Netzwerkausrüstern sowie Telekommunikationsunternehmen. China hat seinerseits Verfahren gegen Dumping beim Import legierter Stahlrohre und spezieller Chemieprodukte eingeleitet. Mit Untersuchungen gegen europäische Weine machte das Handelsministerium in Peking am Mittwoch die Liste um einen Punkt länger.

"Die europäische Wirtschaft ist im Moment schwach"

Wirtschaftsexperten sehen in den Schritten eine riskante Taktik. "Die EU möchte damit ihre Verhandlungsposition stärken", sagt Wirtschaftsprofessor Liu Yuanchun, ebenfalls von der Volksuni Peking. China verfolge mit den Ermittlungen zu Wein das gleiche Ziel. Es gebe aber auch Zeichen gegen eine weitere Eskalation. "Die europäische Wirtschaft ist im Moment schwach. Ein Handelskrieg wäre nicht hilfreich für Europa", sagt Liu. "Ich denke, dass derzeit beide Seiten nicht das Risiko eines Handelskriegs eingehen können."
Die Bundesregierung will sich indes intensiv für einen Kompromiss einsetzen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sei sich mit Chinas Führung einig, dass eine einvernehmliche Lösung anzustreben sei "und dass es nicht im Sinne Europas, Deutschlands oder Chinas ist, eine handelspolitische Auseinandersetzung anzustreben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kritisierte die Strafzölle und warnte vor einem Handelskrieg. Das müsse verhindert werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen