Statistik : So viele Wohnungen und Wohnfläche wie nie

Neu gefertigte Eigentumswohnungen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.
Neu gefertigte Eigentumswohnungen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

Im Durchschnitt hat jeder Mensch in Deutschland 46,5 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Doch das reicht nicht, denn viele Wohnungen sind nicht dort, wo die Menschen leben wollen.

shz.de von
26. Juli 2018, 13:10 Uhr

Trotz aller Klagen über die Wohnungsnot in den Ballungszentren gibt es in Deutschland so viel Wohnraum wie noch nie.

Zum Jahresende 2017 ist die Zahl der Wohnungen auf knapp 42 Millionen gewachsen. Dies berichtete das Statistische Bundesamt. Das waren 3,7 Prozent mehr als im Jahr 2010.

Zusammen boten die Wohnungen annähernd 3,9 Milliarden Quadratmeter Wohnfläche. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner wuchs damit seit 2010 um 3,3 Prozent auf jetzt 46,5 Quadratmeter. Auf eine Wohnung kommen ziemlich exakt zwei Bürger.

Trotzdem sind sich Wohnungswirtschaft, Politik und Sozialverbände weitgehend einig, dass in Deutschland zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden muss.

Die Koalition aus Union und SPD hat sich für die laufende Legislaturperiode 1,5 Millionen neue Wohnungen vorgenommen. Unter anderem der Deutsche Städtetag hält den Neubau von rund 400 000 Wohnungen pro Jahr für erforderlich.

Nach Einschätzung des Branchenverbands GdW sind zwischen 2009 und 2017 rund 1,1 Millionen Wohnungen zu wenig gebaut worden. Neben dem Drang vor allem jüngerer Leute in die Ballungsräume hätten auch Zuwanderung und eine wachsende Bevölkerung zu einem höheren Bedarf geführt.

Insbesondere in größeren Städten entstünden nur zwei Drittel des nötigen Neubaus, hatte GdW-Präsident Axel Gedaschko vor einigen Tagen kritisiert. Der wachsende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum könne nur auf dem Land befriedigt werden, denn in den großen Städten gebe es zu wenig Fläche.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt forderte am Donnerstag die Bundesregierung auf, den Bau von bezahlbaren Wohnungen und Sozialwohnungen stärker voranzutreiben. Man brauche einen Masterplan, der alle Instrumente zusammenführt, erklärte IG-BAU-Chef Robert Feiger. Er wies auf die schwache Entwicklung der Aufträge für den Wohnungsbau hin. Die Lücke zwischen Bedarf und fertig gestellten Wohnungen liege bei 30 Prozent und drohe weiter zu wachsen.

Die IG BAU fordert insbesondere die Förderung des sozialen Wohnungsbaus mit mindestens vier Milliarden Euro jährlich durch Bund und Länder sowie Mittel für die Errichtung von 60 000 bezahlbaren Wohnungen pro Jahr in Höhe von zwei Milliarden Euro. Notwendig seien zudem höhere steuerliche Anreize bei der Abschreibung von Wohninvestitionen.

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