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Umsatzrückgänge : Sinkende Umsätze: Karstadt kommt nicht aus der Krise

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Gewerkschaft Verdi fordert stärkere Anstrengungen von Eigentümer Nicolas Berggruen für die Sanierung der Wahrenhauskette Karstadt. Angestellte protestieren gegen Gehaltseinbußen.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 08:44 Uhr

Essen | Für fünf Millionen Euro kaufte der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen den Karstadt-Konzern vor nicht einmal drei Jahren - und wurde als Retter gefeiert. Doch trotz eines harten Sanierungsprogramms scheint es mit der Traditionskaufhaus-Kette immer weiter bergab zu gehen. Auch im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 muss Karstadt nach Informationen des "Handelsblatts" weiter mit Umsatzrückgängen kämpfen. Bis Ende April habe der Konzern einen Umsatzrückgang um zehn Prozent im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum hinnehmen müssen, berichtete die Zeitung gestern unter Berufung auf Zahlen aus Unternehmenskreisen. In den ersten sieben Monaten des laufenden Geschäftsjahres habe der Umsatz bei 1,8 Milliarden Euro gelegen. Im Gesamtjahr 2011/12 sei ein Umsatz von 3,1 Milliarden Euro erzielt worden. Aktuelle Zahlen zur Ergebnisentwicklung seien nicht bekannt.
Ein Karstadt-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte die Betriebsräte des Unternehmens erst in der vergangenen Woche auf die weiter schwierige Situation im deutschen Einzelhandel hingewiesen. Die Verjüngung von Karstadt sei eine "harte und herausfordernde Reise", heißt es in Auszügen des Redemanuskripts. Das Warenhausunternehmen habe im Rahmen seines Programms "Karstadt 2015" bislang bereits gute Erfolge erzielt und mehr als 40 Prozent seines "Marathons" zurückgelegt, so Jennings, der im August 2012 eine "Herbstoffensive" angekündigt hatte. Deren Erfolg lässt indes weiterhin auf sich warten. Angesichts dessen stehen Beobachter und Branchenkenner Karstadts Zukunft zunehmend skeptisch gegenüber. Rainer Bartle von der Handelsberatung BBE sieht dem "Handelsblatt" zufolge kaum Überlebenschancen. "Ich gehe davon aus, dass es bald zum Zusammenschluss zwischen Karstadt und Kaufhof kommt", zitiert das Blatt den Experten.

Enttäuschung bei den Angestellten


Karstadt war 2009 in die Pleite geschlittert und im Herbst des darauffolgenden Jahres von Berggruen übernommen worden. Der Plan des Investors sah vor, die Kaufhäuser der Kette neu auszurichten. Im Rahmen eines Sparprogramms wurden dafür im Juli vergangenen Jahres 3000 Mitarbeiter an die Luft gesetzt. Doch am Ende waren die Sparpläne damit offenbar noch nicht. Vergangenen Monat erst kündigte Karstadt eine zweijährige "Tarifpause" für die rund 20.000 Beschäftigten an.
Die Angestellten des Konzerns sind angesichts massiver Gehaltseinbußen in der Vergangenheit und den neuerlichen Schritten des Konzerns zunehmend enttäuscht - nicht zuletzt von Berggruen. Gestern haben Mitarbeiter des Warenhauses im Main-Taunus-Zentrum im hessischen Sulzbach nach Angaben der Gewerkschaft Verdi vorübergehend die Arbeit niedergelegt. An der Aktion beteiligten sich nach Angaben eines Verdi-Sprechers rund 40 Beschäftigte. Der Karstadt-Sprecher wies darauf hin, dass das Warenhaus "ganz normal" geöffnet habe. Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen vor, durch den Ausstieg aus der Tarifbindung den bestehenden Tarifkonflikt im Einzelhandel "unnötig" verschärft zu haben. Der Warenhauskonzern soll durch den Tarifausstieg in zwei Jahren geschätzte 36 Millionen Euro sparen.

Zwei Milliarden Dollar Eigenkapital


In einem Flugblatt fordert Verdi den Karstadt-Investor Berggruen auf, seine "Schatulle" zu öffnen und endlich in das Unternehmen zu investieren. So soll Berggruens Holding auch laut "Handelsblatt" kaum bis kein Geld in den Konzern investieren, wenngleich seine Holding mehr als zwei Milliarden Dollar Eigenkapital besitzt.
Nach der Übernahme der Warenhauskette in 2010 sagte Berggruen: "Jetzt sehe ich mich als Arbeiter für Karstadt." In den vergangenen Monaten sorgte der Investor aber vor allem mit seiner politischen Stiftung und einem Buchprojekt für Schlagzeilen.
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