Antwort des Tages : Sind Winterreifen nun Pflicht oder nicht?

Auch wenn es zur Zeit noch nicht danach aussieht. Schon bald könnte der Wechsel zu Winterreifen fällig sein.

Auch wenn es zur Zeit noch nicht danach aussieht. Schon bald könnte der Wechsel zu Winterreifen fällig sein.

Seit 2017 gibt es neue Regelungen zur Winterreifenpflicht. Eine Umfrage zeigt gefährliche Unkenntnis bei Autofahrern.

shz.de von
24. November 2018, 17:36 Uhr

Osnabrück | Bei Verstößen gegen die Winterreifenpflicht kann der Gesetzgeber sogar doppelt zur Kasse bitten: Wenn Halter und Fahrer nicht identisch sind, muss nicht nur der Fahrer, sondern auch der Fahrzeughalter ein Bußgeld zahlen. Diese und andere Regelungen sind bereits 2017 in Kraft getreten. Wie eine Umfrage zeigt, sind sie aber vielen Autofahrern nicht bekannt.

So haben drei Viertel der Befragten (73 Prozent) einer von dem Marktforschungsinstitut Insa – Consuler durchgeführten Untersuchung von dem doppelten Bußgeld bei Verstößen gegen die Winterreifenpflicht noch nichts gehört. Und nur jeder Zehnte weiß, dass mit der am 1. Juni 2017 in Kraft getretenen Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften zum Beispiel Motorradfahren bei winterlichen Straßenverhältnissen nur dann erlaubt ist, wenn sich das Fahrtziel anders nicht erreichen lässt.

Doppeltes Bußgeld

35 Prozent der Befragten bezeichneten das doppelte Bußgeld bei Verstößen gegen die Winterreifenpflicht als unverschämt: Das zusätzlich eingeführte Strafgeld für den Halter, der die Inbetriebnahme ohne die erforderliche Bereifung anordnet oder zulässt, beträgt 75 Euro. Außerdem muss er mit einem Punkt im Flensburger Fahreignungsregister rechnen.

Der einfache Verstoß wird weiterhin mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro geahndet. Außerdem wird ein Punkt im Verkehrszentralregister eingetragen. Bei zusätzlicher Behinderung beträgt das Bußgeld 80 Euro. Auch hier kommt ein Punkt im Zentralregister hinzu. Passiert ein Unfall, kann das zu erheblichen Leistungskürzungen der Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit führen. Auch in der Haftpflichtversicherung hat die Benutzung von Sommerreifen auf Schnee erhebliche Auswirkungen, da sie zu einer Mithaftung des Geschädigten führen kann.

Gefährliche Unkenntnis

Auf gefährliche Unkenntnis stießen die Meinungsforscher auch bei der Frage, was einen Winterreifen ausmacht. Demnach weiß nicht einmal jeder Zweite (43 Prozent), dass als Winterreifen nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol gelten. Dieses zeigt sich als dreigezacktes Bergpiktogram mit einer Schneeflocke in der Mitte.

Eine Ausnahme wird bei „M+S Reifen“, die bis zum 31.12.2017 hergestellt wurden, gemacht. Sie dürfen auch bei winterlichen Bedingungen noch bis zum 30.09.2024 weiter verwendet werden. Diese sehr lange Übergangsregelung wurde eingeführt, um finanzielle Härten zu vermeiden.

Von Oktober bis Ostern 

An den bisherigen Regelungen zur situationsbedingten Winterreifenpflicht ändert sich durch die Vorgaben auf den ersten Blick nichts. Weiterhin gilt, dass es eine generelle Winterreifenpflicht, die an ein bestimmtes Datum anknüpft nicht gibt. Ein Zeitraum wie zum Beispiel von Oktober bis Ostern ist nicht vorgeschrieben. Es bleibt bei einer situativen Winterreifenpflicht.

Diese Vorschrift betrifft alle Kraftfahrzeugführer und -halter, also auch solche mit im Ausland zugelassenen Fahrzeugen. Die Regelung läuft auf ein Benutzungsverbot für Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen hinaus. Wer aber zum Beispiel sein Fahrzeug bei Schnee und Eis mit Sommerreifen lediglich parkt, muss keine Konsequenzen befürchten. Nur, wenn das Fahrzeug auch gefahren wird droht eine entsprechende Sanktion.

Situative Winterreifenpflicht

Einige Fahrzeuge zum Beispiel motorisierte Krankenfahrstühle oder einspurige Fahrzeuge wie Motorräder sind von der situativen Winterreifenpflicht ausgenommen, da es für sie keine Winterreifen gibt. Für diese Fahrzeuge wurde stattdessen eine besondere zusätzliche erhöhte Sorgfaltspflicht für das Fahren ohne Winterreifen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte in die StVO aufgenommen.

In der Praxis bedeutet das, dass der Fahrer in diesen Fällen vor Antritt der Fahrt prüfen muss, ob es erforderlich ist, die Fahrt durchzuführen, weil zum Beispiel das Ziel mit anderen Verkehrsmitteln nicht erreichbar ist. Zusätzlich muss der Fahrer während der Fahrt einen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug von mindestens der Hälfte der gefahrenen Geschwindigkeit in Meter einhalten (halber Tachowert) und hat nicht schneller als 50 km/h zu fahren, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. Diese Neuregelung kann unter Umständen Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben, wenn man zum Beispiel auf einem Motorrad mit Sommerreifen einen Unfall hat.

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