Schweiz stimmt über Chefgehälter ab

Das Volk entscheidet: Soll ein Manager in einem Monat mehr verdienen als ein „normal“ bezahlter Mitarbeiter im ganzen Jahr?

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21. November 2013, 00:34 Uhr

Die Schweiz stimmt am kommenden Sonntag per Referendum über „1:12 – Initiative für gerechte Löhne“ ab. Danach soll kein Chef in einem Monat mehr verdienen als sein am geringsten bezahlter Mitarbeiter im ganzen Jahr – ein maximaler Lohnabstand von eins zu zwölf: Das soll die Zukunft der Schweiz sein – wenn genügend Schweizer der Initiative von Jungsozialisten, Sozialdemokraten, Grünen und Gewerkschaften zustimmen. In aktuellen Umfragen ist die Zustimmung allerdings auf nicht ausreichende 36 Prozent gesunken. Glückwünsche im Voraus gab es von der deutschen Millionärsinitiative „Vermögende für eine Vermögensabgabe“: „Wir beglückwünschen die Schweizer Bevölkerung, dass sie über einen solchen Vorschlag abstimmen darf“, schreiben die wirtschaftskritischen Millionäre. „Der Abstand zwischen dem Einkommen von Managern und normalen Mitarbeitern ist in vielen Unternehmen geradezu obszön“, sagt der Gründer des Bundes, Dieter Lehmkuhl. „Wir brauchen dringend eine vergleichbare Debatte in Deutschland, um auch hier die Lohnunterschiede wieder auf ein vertretbares Maß zurückzuführen.“

Ein Schweizer Top-Manager verdient im Schnitt 73 Mal mehr als seine am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter, so die Abstimmungs-Initiatoren. Verhältnisse, die auch in Deutschland normal sind, wie eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Errechnet wurde der Lohnabstand der Dax-Vorstände zum Durchschnittseinkommen ihrer Angestellten: Er beträgt das 53-fache. VW ist mit einer Lohnspreizung von 1:170 Spitzenreiter.

VW-Vorstand Winterkorn verdiente allein 2012 rund 14,5 Millionen Euro. „Auf so viel kommen viele Menschen in ihrem ganzen Leben nicht“, sagt Studienautorin Marion Weckes. „Solche Abstände können eine Gesellschaft spalten und haben auch nichts mit leistungsgerechter Bezahlung zu tun.“

Auch Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin sieht deutschen Nachholbedarf bei den Lohnabständen. „Sie ist insgesamt viel zu hoch“, sagt Grabka. Zudem hat der Wirtschaftsforscher beobachtet, dass der Trend stagniert und es schwieriger geworden ist, eine niedrige Einkommensstufe wieder zu verlassen. „Gesetzlich vorgeschriebene Lohnabstände helfen aber nicht“, findet Grabka. „1:12 heißt ja nicht, dass der Niedrigverdiener mehr bekommt.“

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