Hamburger Hafenkonzern HHLA : Schwarze Zahlen und das Hoffen auf das Ende der Krise der Seefahrt

Ein Containerschiff fährt in den Hafen ein. Die Frachtschifffahrt befindet sich im Umbruch. /Symbolfoto

Ein Containerschiff fährt in den Hafen ein. Die Frachtschifffahrt befindet sich im Umbruch. /Symbolfoto

Die Schifffahrt hat das schwerste Jahrzehnt ihrer Geschichte hinter sich. Jetzt zeichnet sich auch an den Häfen die Wende ab.

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25. März 2018, 10:24 Uhr

Hamburg | Die internationale Schifffahrt ist in den vergangenen Jahren kräftig durchgerüttelt worden. Nach mehr als neun Jahren Branchenkrise, ausgelöst durch die weltwirtschaftlichen Schockwellen des Jahres 2008, ist fast die Hälfte der 20 weltweit größten Reedereien durch Fusion oder Pleite verschwunden. Die verbliebenen Unternehmen haben sich in drei großen Allianzen zusammengefunden und treten gegenüber den Häfen gemeinsam als Nachfrager auf.

Trotz der Milliardenverluste der vergangenen Jahre kommen immer größere Schiffe in Fahrt und setzen die Häfen unter Druck, ihre Infrastruktur auszubauen. Der technische Fortschritt und der harte Konkurrenzkampf zwingen die Reedereien zu immer größeren Einheiten.

Die Konsolidierung auf den Märkten ist noch nicht zu Ende, wird sich aber verlangsamen. Diese Position vertraten sowohl Angela Titzrath, die Chefin des Hamburger Hafenkonzerns HHLA, als auch Rolf Habben Jansen, Vorstandsvorsitzender der größten deutschen Linienreederei Hapag-Lloyd, jüngst bei einer gemeinsamen Podiumsdiskussion. Beide legen am kommenden Mittwoch (28.3.) die Bilanzen ihrer Unternehmen für 2017 vor. Und beide haben wohl gute Nachrichten zu verkünden.

HHLA-Chefin Titzrath gehört zu den Gewinnerinnen bei der Neuordnung der Schifffahrtsallianzen. Der Containerumschlag im Hamburger Hafen insgesamt stagniert, aber mehrere Kunden wechselten vom kleineren Konkurrenten Eurogate zur HHLA. So wuchs 2017 der Containerumschlag an den drei Hamburger Terminals laut vorläufigen Ergebnissen um 8,3 Prozent auf 6,9 Millionen Standardcontainer (TEU). Die Konkurrenz büßte in gleicher Größenordnung Umschlag ein. Der Umsatz der HHLA wuchs um sechs Prozent auf 1,25 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) kletterte um über fünf Prozent auf 173 Millionen Euro. Das ist angesichts der Branchensituation ziemlich gut.

Auch Habben Jansen kann wieder schwarze Zahlen vorlegen, nachdem Hapag-Lloyd zeitweise durch ein Tal der Tränen ging und ohne Hilfe von außen heute wohl nicht mehr als eigenständiges Unternehmen existieren würde. Der Konzern erreichte 2017 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von zehn Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (Ebit) von 411 Millionen Euro. Damit ist Habben Jansen noch nicht dort, wo er hinwill, aber auf einem guten Weg. Noch ist der Zusammenschluss mit der arabischen Reederei UASC nicht komplett umgesetzt, nicht alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft. Und Habben Jansen rechnet damit, dass die Transportpreise für Container im nächsten Jahr höher ausfallen werden. „Die Branche steht heute viel besser da als noch vor einigen Jahren“, meint der Niederländer.

Bevor Titzrath und Habben Jansen ihre Einschätzungen zur Zukunft abgeben, hat noch die Wissenschaft das Wort. Henning Vöpel, der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) stellt am Dienstag gemeinsam mit Experten der Berenberg Bank eine Studie zur Entwicklung der Schifffahrt vor. Dabei geht es um Digitalisierung, Big Data, unbemannte Schiffe und die Vernetzung von Schiffen und Häfen sowie den Einfluss von digitalen Systemen auf die globalen Wertschöpfungsketten. Das Papier dürfte in der Branche große Aufmerksamkeit finden.

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