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Negativ-Zins für Kredite : Schritthalten mit dem Euro: Wie Dänemark um die Krone kämpft

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Aus der Onlineredaktion

Schreckensszenario: Der Eurokurs rauscht in den Keller, und die Krone gewinnt massiv an Wert. Durch das aggressive Gelddrucken der EZB müssen die dänischen Währungshüter kreativ sein, sonst droht Deflation.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 15:04 Uhr

Kopenhagen/Brüssel | Dänemark ist in Alarmbereitschaft: Durch Niedrigzinspolitik und das gigantische Staatsanleihen-Kaufprogramm erhöht die Europäische Zentralbank (EZB) drastisch die Geldmenge des Euro. Dieser verliert im Vergleich mit anderen Währungen an Wert. Eine der Folgen der Anti-Deflationspolitik in Brüssel ist, dass Anleger und Spekulanten lieber in die verbliebenen nationalen Währungen der wirtschaftlich stärkeren Länder Europas investieren. Wie am Schweizer Franken gesehen, geraten die Volkswirtschaften durch die hohe Nachfrage nach ihrer Währung zum Teil enorm ins Schwimmen. Denn Aufwertungen bringen zahlreiche Wettbewerbsnachteile nach sich, die Waren werden teurer und unattraktiv. Schlimmstenfalls droht ihnen ein deflationärer Schock.

Deflation: Schreckensszenario für die Wirtschaft

Sie schreckt noch mehr als die Inflation: die Deflation, also anhaltend fallende Preise. Was für Verbraucher auf den ersten Blick positiv aussieht, kann eine ganze Volkswirtschaft lähmen. Das wäre möglich, wenn Haushalte Anschaffungen in der Hoffnung auf immer niedrigere Preise verschieben - und sich Unternehmen bei Investitionen ähnlich verhalten. Ergebnis: Die Wirtschaft friert ein. Die Europäische Zentralbank als Währungshüter sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp 2 Prozent gewahrt. Zuletzt lag sie unter null. (dpa)

Auch der dänischen Krone, die in ihrem Wert dauerhaft mit dem Zentralkurs 7,46038 zu 1 an den Euro gebunden ist, droht eine Aufwertung. Die Dänen kämpfen für den Erhalt des bestehenden Kurses, doch als nationale Währung innerhalb der EU haben sie es schwer. Die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung würde vieles erleichtern, doch die Bevölkerung stellt sich mehrheitlich dagegen.

Schon seit 30 Jahren ist die Krone an andere Währungen gekoppelt, zunächst an die D-Mark, dann an den Euro. Spekulationen zufolge könnte der Wert der Krone bald so groß werden, dass die Landeswährung sich – wie in der Schweiz geschehen – von der Euro-Kopplung verabschieden müsste. Der Schweizer Franken hatte sich nach der Entkopplung um rund zwanzig Prozent verteuert. Für eine Volkswirtschaft wie Dänemark wären die wirtschaftlichen Konsequenzen verheerend. Insgeheim gilt Dänemark unter Experten jedoch als „heimliches Mitglied“ des Euroraums. Anders als bei der Schweiz ist die Anbindung vertraglich festgeschrieben.

Die Kopplung ermöglicht den Dänen lediglich eine Schwankungsbandbreite von 2,25 Prozent nach oben und unten. Um diese einzuhalten, muss die Dänische Notenbank massiv gegensteuern und den Zufluss von ausländischem Anlagekapital senken. In der Praxis beträgt die Schwankung eher 0,5 Prozent in beide Richtungen. Allein im Januar verkaufte die Notenbank eine Rekordsumme von 100 Milliarden Kronen, um die eigene Währung zu schwächen.

In den letzten zwei Wochen wurde vier Mal die Leitzinsen gesenkt, um der Attraktivität der Krone entgegenzuwirken. Wie die Zentralbank am Donnerstag mitteilte, fällt der Zins für Bankeinlagen bei der Notenbank um weitere 0,25 Punkte auf minus 0,75 Prozent. Spekulatives Anlagegeld soll so fern gehalten werden.

Während die anderen Notenbanken massiv Geld drucken und die Nachfrage nach den jeweiligen Staatsanleihen erhöhen, geht Kopenhagen einen umgekehrten Weg. Gedeckt durch den Haushaltsüberschuss aus dem vergangenen Jahr und andere Devisenreserven konnten die Dänen sich erlauben, die Ausgabe von Staatsanleihen einzustellen. Dieser Verzicht auf neue Schulden solle den Einfluss ausländischen Anlagekapitals weiter begrenzen, heißt es aus dem Finanzministerium.

Angesichts der niedrigen Zinsen greift die schwedische Nordea-Bank in Dänemark derweil zu einem kurios anmutenden Mittel: Sie bietet Hypotheken-Kredite mit einem Negativ-Zinssatz von 0,03 Prozent an. Geldleiher müssen für ihren Baukredit nach einem Jahr also weniger Geld zurückzahlen, als sie bekommen haben. Nach zwölf Monaten wird der Hypothekenzins den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Der Leitzins in Dänemark liegt wie in der Euro-Zone bei plus 0,05 Prozent.

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