Schleswig-Holstein sorgt für  Windkraft-Boom in Deutschland

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29. Januar 2015, 14:08 Uhr

Vor allem wegen Rekordzahlen in Schleswig-Holstein hat die deutsche Windkraftbranche das von der Bundesregierung vorgesehene Ausbauziel von 2500 Megawatt letztes Jahr deutlich übertroffen: 1766 neue Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 4750 Megawatt stellte die Branche bundesweit an Land auf. Das entspricht ungefähr der Kapazität von drei Atomkraftwerken und ist so viel wie noch nie – die bisherige Jahresbestmarke lag bei 3250 Megawatt. Allein in Schleswig-Holstein wurden 455 Anlagen mit einer Leistung von gut 1300 Megawatt errichtet. Das sind doppelt so viele wie im zweitplatzierten Niedersachsen, dreimal so viele wie im Vorjahr und mehr als ein Viertel aller neuen Anlagen in Deutschland. „Das hohe Ausbautempo in Schleswig-Holstein liegt vor allem an der Verdoppelung der Eignungsflächen nach dem Atomunfall in Fukushima“, lobte gestern in Berlin der Präsident des Bundesverbands Windenergie, der Husumer Hermann Albers.

Für 2015 erwartet Albers erneut einen Zubau auf hohem Niveau. Bundesweit geht er von 4250 Megawatt aus, für Schleswig-Holstein von „um die 1000“. Weil das Oberverwaltungsgericht Schleswig die Begrenzung des Ausbaus auf die ausgewiesenen Eignungsflächen für rechtswidrig erklärt hat, wäre im nördlichsten Bundesland theoretisch sogar ein noch stärkerer Ausbau als bisher möglich. Doch sowohl Albers als auch der grüne Kieler Energieminister Robert Habeck warnten vor einem unkontrollierten Wachstum. „Die Erfolgsgeschichte des Windkraftausbaus in Schleswig-Holstein besteht nicht nur darin, dass wir immer mehr günstigen Windstrom produzieren, sondern auch, dass es eine breite Akzeptanz gibt“, sagte Habeck. Der Ausbau der Windenergie müsse daher „für Mensch und Umwelt verträglich sein“. Albers plädierte für einen „runden Tisch“, um alle Betroffenen einzubinden.

Einen immer größeren Anteil am Windkraftboom hat im Norden die Modernisierung von Anlagen, das sogenannte „Repowering“: Jedes vierte neu aufgestellte Windrad ersetzte 2014 in Schleswig-Holstein ein altes, kleineres. Im Bundesdurchschnitt ist die Quote nur etwas geringer. „Das Repowering ist ein Milliardenmarkt geworden“, stellte Lars Bondo Krogsgaard fest, Chef des Branchenverbands VDMA Power Systems. Insgesamt investierten die Windparkbetreiber 6,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Energie. Ein Grund für die hohe Investitionsbereitschaft beruhe „auf einem Vorzieheffekt“, erklärte Albers: Weil die Bundesregierung die Ökostromförderung nach 2017 ändern und Windparks ausschreiben statt mit festgelegten Sätzen subventionieren will, würden viele Investoren noch rasch zu den Bedingungen des bisherigen Modells bauen.

Einbußen müssen aber auch sie hinnehmen: Da der Windradzubau letztes Jahr selbst nach Abzug aller abgerissenen Anlagen deutlich über dem gesetzlich neuerdings festgelegten 2500-Megawatt-Deckel lag, verringert sich die Förderung. Ab Anfang 2016 sinkt die Vergütung jedes Quartal um 1,2 Prozent – bis Jahresende also um 4,8 Prozent. Allzu traurig schien Windpräsident Albers darüber aber nicht zu sein. Vielmehr hob er den Vorteil für die Verbraucher hervor, die die Windkraftförderung über die Ökostromumlage bezahlen: „Der Strompreis kann dann sinken.“

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