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Schleifspuren im Außenhandel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Außenhandel zeigen sich die Spuren der Ukraine-Krise: Die norddeutsche Branche wächst langsamer – nur Schleswig-Holstein kann bei den Umsätzen zulegen.

Hamburg/Wiesbaden | Die Ukraine-Krise und der Handelskonflikt mit Russland hinterlassen deutliche Spuren in den Auftragsbüchern des norddeutschen Außenhandels. Und nicht nur das: Krisenstimmung und konjunktureller Abschwung machen den Unternehmen zu schaffen. Nur in Schleswig-Holstein trotzt die Branche derzeit noch dem Abwärtssog. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Umfrage des Verbands des norddeutschen Groß- und Außenhandels (AGA) hervor, die dem sh:z. Demnach legten die Umsätze im dritten Quartal dieses Jahres insgesamt gerade einmal noch um 0,1 Prozent zu – im zweiten Quartal hatte unter dem Strich noch ein Plus von 1,2 Prozent gestanden. Jedes vierte Unternehmen (26,6 Prozent) im Verbandsgebiet bezeichnet seine Gewinnsituation demnach als negativ, mehr als jedes fünfte (22,4 Prozent) beklagt weniger Umsatz, fast jedes dritte (32,8 Prozent) erwartet sinkende Gewinne – ihr Anteil hat sich gegenüber dem Vorquartal damit fast verdoppelt (16,9 Prozent).

War Ende April noch in 58 Prozent der Unternehmen die Stimmung positiv, konnten dies jetzt nur noch 41 Prozent behaupten – am optimistischsten zeigten sich dabei unter den nach eigenen Angaben 3500 Unternehmen des AGA in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein jene, die im nördlichsten Bundeslands beheimatet sind.

Kein Wunder: Sie halten derzeit sprichwörtlich die Fahne hoch und konnten sich laut Umfrage mit einem Umsatzwachstum von 2,2 Prozent im letzten Quartal noch am besten behaupten. Schleswig-Holstein war damit das einzige Bundesland, in dem Groß- und Außenhändler im dritten Quartal ein stärkeres Umsatzwachstum als im Vorquartal verzeichnen konnten. Zum Vergleich: In Bremen hingegen halbierte sich das Wachstum (zwei Prozent), in Niedersachsen ging es von 4,4 auf 1,3 Prozent zurück, in Hamburg schrumpften die Umsätze um 1,7 Prozent, nachdem sie im Vorquartal noch stabil geblieben waren. Dabei sind es nicht zuletzt die Russland-Sanktionen, die der Branche zu schaffen machen.

Nach Angaben des AGA ist fast jedes vierte Unternehmen des Verbands von den Sanktionen gegen Russland betroffen. „Bei rund 15 Prozent der tangierten Firmen ist das Russlandgeschäft komplett zum Erliegen gekommen“, teilt der Verband mit. Bei immerhin jeder elften betroffenen Firma sank der Umsatz durch die Sanktionen um mehr als 30 Prozent. „Das große Problem ist die Langfristigkeit“, erklärt AGA-Sprecher Martin Schnitker auf Anfrage.

Wie tiefgreifend sich der Handelsstreit zwischen Russland und der Europäischen Union auf Deutschlands Außenhandel auswirkt, zeigen dann auch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden. Den dortigen Experten zufolge brachen die Ausfuhren der Bundesrepublik in die Föderation im August um 26,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ein. Russland verlor damit nochmals an Bedeutung, rutschte von Platz elf der wichtigsten Handelspartner in den ersten acht Monaten auf Platz 13. Der Außenhandel der Bundesrepublik insgesamt ging im August um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Am 7. August hatte Moskau vor dem Hintergrund des Ostukraine-Konflikts ein Einfuhrverbot für verschiedenste Produkte aus der EU verhängt.

Wichtigste Exportgüter in den ersten acht Monaten 2014 waren laut Wiesbaden Maschinen mit einem Anteil von 22,6 Prozent an den gesamten deutschen Exporten nach Russland, Autos und Autoteile (19,0 Prozent) sowie chemische Erzeugnisse (10,0 Prozent). Unter diesen Gütern war der Ausfuhrrückgang mit 27 Prozent bei den Kraftwagen am höchsten. Die Maschinenexporte sanken um 17 Prozent zum Vorjahr. Für die deutschen Maschinenbauer ist Russland der viertwichtigste Absatzmarkt. Nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft trifft dieser Rückgang vor allem viele Mittelständler, die teilweise schon Kurzarbeit eingeführt haben.

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erstellt am 29.Okt.2014 | 14:08 Uhr

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