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Halbjahresbilanz : Schiffskredite – Klotz am Bein der HSH Nordbank

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Halbjahresbilanz: Die HSH Nordbank erwirtschaftet 91 Millionen Euro Gewinn. Für Jubel ist es aber noch viel zu früh. "Wir sehen bei der Schifffahrt noch keinen Silberstreif am Horizont", sagt Vorstandschef Constantin von Oesterreich.

Hamburg | Die Zwischenbilanz liest sich nicht schlecht – doch die Existenzängste bei der HSH Nordbank sind noch längst nicht gebannt. Weiterhin wirkt die anhaltende globale Schifffahrtskrise wie ein Klotz am Bein der HSH-Sanierer um Vorstandschef Constantin von Oesterreich. „Wir sehen bei der Schifffahrt noch keinen Silberstreif am Horizont. Eine nachhaltige Erholung ist nicht vor 2015 zu erwarten“, sagte der Vorstandschef gestern bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Hamburg.

Demnach weist die Landesbank von Schleswig-Holstein und Hamburg für die ersten sechs Monate des Jahres ein Plus von 91 Millionen Euro aus, 37 Millionen mehr als im Vergleichszeitraum 2012. Am Ende des Jahres freilich werde keine schwarze Zahl stehen, bekräftigte von Oesterreich frühere Prognosen. „Wir erwarten für das Gesamtjahr einen Konzernverlust.“ In welcher Höhe, ließ er offen. Die Bilanzsumme sank planmäßig um zehn auf 121 Milliarden Euro. Weil die Nordbank während der Bankenkrise mit staatlichen Milliarden gerettet wurde, muss sie sich auf Geheiß der EU-Kommission nun von etlichen Geschäftsfeldern trennen. So geht auch der Retailbereich mit 10 000 Privatkunden zum 1. Januar an die Sparkassen.

Zu dem vermutlichen Verlust am Jahresende wird außer den Schrottpapieren aus Zeiten der Finanzkrise vor allem der maritime Sektor wesentlich beitragen. Noch stehen bei der HSH Schiffskredite von 27 Milliarden Euro in den Büchern, die meisten davon gelten als kritisch. Da die Fracht- und Charterraten in der Branche auf unterstem Niveau verharren, können viele Reeder der HSH weder Zinsen noch Tilgung zahlen. Diese muss die Kredite entweder abschreiben – in diesem Jahr vermutlich rund eine Milliarde Euro – oder die Pleiteschiffe nach Möglichkeit versilbern. Zuletzt gelang das mit dem Verkauf von zehn Containerfrachtern. Erlös: 130 Millionen Euro.

Auch drücken die Kosten für die jüngste Hilfsaktion der öffentlichen Hand auf die Bilanz. Hamburg und Schleswig-Holstein hatten die Zweitverlustgarantie um drei auf zehn Milliarden Euro aufgestockt, was die Nordbank im zweiten Halbjahr zusätzlich 130 Millionen Euro an Gebühren kostet. Nach jetzigen Berechnungen wird die Landesbank 1,3 Milliarden Euro dieses Schutzschildes ab 2019 tatsächlich zum Verlustausgleich in Anspruch nehmen müssen. Die Garantieausweitung war vor allem nötig, um die Kernkapitalquote zu stärken. Laut Finanzvorstand Stefan Ermisch ist diese durch die Maßnahme von 9,9 auf nun zwölf Prozent gestiegen.

Mut macht den Managern und den Landespolitikern der Blick auf die übrigen HSH-Aktivitäten. Immobilien, Firmenkredite und erneuerbare Energien hätten ein „unauffälliges Risikoprofil“, so der Vorstandschef. Und: Das neue Geschäftsmodell funktioniere. Bis Juli stünden Neuabschlüsse von 3,7 Milliarden Euro in den Büchern – mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von Oesterreich: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

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erstellt am 30.Aug.2013 | 16:41 Uhr

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