Schäuble warnt vor Immobilienblase

shz.de von
19. Juni 2014, 13:53 Uhr

Die Sorgen vor einer Blase auf Deutschlands Wohnungsmarkt wächst: Inzwischen sieht auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Lage auf dem Immobilienmarkt angesichts von Mini-Zinsen und hohen Preisen mit zunehmender Sorge. Im Immobiliensektor gebe es Anzeichen für Preisentwicklungen, „die gefährlich sind“, sagte Schäuble gestern in Berlin nach einem Gespräch mit US-Finanzminister Jacob Lew. Die Warnungen der Bundesbank nehme er sehr ernst. „In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase“, hatte Bundesbank-Chef Jens Weidmann am Wochenende in einem Interview gesagt. Vor allem die niedrigen Zinsen auf auf das Geld auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten machen Immobilien aus Sicht vieler Deutsche zunehmend als Geldanlage attraktiv.

Bereits im Frühjahr hatte die Bundesbank eingeräumt, dass es regional eine Blasenbildung gebe, aber eine bundesweite Immobilienblase ausgeschlossen. Als Indikator für eine Überhitzung des Marktes gilt, wenn die Kaufpreise schneller steigen als die Mieten. Nach Berechnungen des Portals Immobilienscout24 war dies zuletzt auch in Schleswig-Holstein zum Teil der Fall. Ab einer Differenz von 20 Prozent sprechen Experten von Überhitzung. In Kiel legten die Kaufpreise zwischen 2007 zu 2014 um 25,3 Prozent mehr zu als die Mietpreise, auf Sylt waren es 30,5 Prozent.

Die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten einen Zeitgewinn gebracht, seien aber kein dauerhafter Ersatz für notwendige Strukturreformen. Europas Politiker müssten nun diesen Spielraum nutzen, den die Geldpolitik geschaffen habe. „Auf die Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig“, so Schäuble.

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