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Russland-Sanktionen belasten Häfen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während der Kieler Hafen vom Straßenbau in Schleswig-Holstein profitiert, bangt Lübeck um seine Verbindungen nach Osten

Unterschiedlicher könnte die Entwicklung kaum sein: Während der Lübecker Hafen massiv unter dem Russland-Embargo leidet und Fährlinien verliert, legt der Kieler Hafen kräftig zu. Wie Kiels Seehafenchef Dirk Claus mitteilte, wurden in der Landeshauptstadt in den ersten sechs Monaten des Jahres 3,24 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen und damit drei Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Auch im Passagierverkehr ist der Hafen weiter auf Wachstumskurs. Hier gingen bis Ende Juni 900 000 Passagiere an oder von Bord eines Fähr- oder Kreuzfahrtschiffes – ein Plus von 3,1 Prozent. „Träger des Wachstums waren einmal mehr die Fährverkehre, die vier Fünftel zum Gesamtumschlag beitrugen“, so Claus. Überdurchschnittlich verlief die Entwicklung dabei auf den Routen von und nach Skandinavien, während die Linien Richtung östliche Ostsee auf Vorjahresniveau rangieren. Ganz ohne Auswirkungen blieben die politischen Querelen aber auch auf den Kieler Hafen nicht. „Wir verzeichnen eine in der Gesamtbetrachtung positive Entwicklung, die allerdings durch die Handelsbeschränkungen gegenüber Russland belastet wird.“

Das sieht in Lübeck–Travemünde ganz anders aus. Weil Russlands Präsident Wladimir Putin einen Importstopp für Lebensmittel verhängt hat, ist das Güteraufkommen auf der bisherigen Fährroute Lübeck – Klaipeda zusammengebrochen. Vor allem die Kühllastzüge, die Fleisch, Gemüse und Milchprodukte befördern, blieben aus. Schon Ende Juli hatte die dänische Rederei DFDS Seaways deshalb die Frachtschiffe ausgetauscht und die „Botnia Seaways“ durch die kleinere „Anglia Seaways“ ersetzt. Doch Anfang der Woche wurde auch dieses Schiff, das bislang dreimal pro Woche auf der Route nach Litauen unterwegs war, wegen eines drastischen Einbruchs beim Ladungsaufkommen abgezogen. Große Sorge besteht jetzt an der Trave, dass Putin demnächst auch Neuwagen auf die Embargoliste setzt. Dann wird der Umschlag im Lübecker Hafen weiter einbrechen, sind sich Experten sicher.

Statt den Lübecker Hafen läuft die 150 Meer lange „Anglia Seaways“ jetzt den Kieler Ostuferhafen an. Damit bedient die dänische Rederei die Route nach Klaipeda mit sechs Abfahrten pro Woche in jeder Richtung. Bereits Anfang des Monats war nach kurzer Unterbrechung der Liniendienst zwischen Kiel und St. Petersburg wieder aufgenommen worden. Ausschlaggebend hierfür war die Nachfrage nach Tonnage für Importgüter. Weil der schwache Rubel die Kosten für Einfuhren aus Russland seit Monaten kräftig drückt, wird derzeit vor allem Holz massenhaft aus dem Baltikum eingeführt.

Positiv auf die Bilanz des Kieler Hafens wirkt sich zudem der Boom im Straßenbau aus. Weil derzeit in Schleswig-Holstein überall Fahrbahnbeläge ausgebessert oder erneuert werden, schnellt der Umschlag mit Split kräftig in die Höhe. Ein Ende dieses Booms ist noch nicht abzusehen: Die Sanierung der Autobahn 7 steht unmittelbar bevor. „Und dieser Ausbau der Autobahnen kommt wiederum dem Hafen zugute“, freut sich Claus. Gut entwickelt sich auch der kombinierte Ladungsverkehr, also der Weitertransport von Seegütern per Bahn. Im ersten Halbjahr wurden 12 245 Einheiten vom Schiff auf die Bahn verladen. Dies entspricht einem Plus von gut 1,8 Prozent. Derzeit bestehen Verbindungen über Hamburg-Billwerder ans bundesdeutsche Güterzugnetz sowie Direktzugverbindungen nach Duisburg-Ruhrort und Verona in Norditalien.

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erstellt am 28.Aug.2014 | 12:28 Uhr

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