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Rote Karte für die „Drosselkom“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gericht legt umstrittenen Pläne zur Einschränkung von Surfgeschwindigkeiten vorläufig auf Eis / Telekom will voraussichtlich Berufung einlegen

Der Aufschrei war groß, als die Deutsche Telekom im Frühjahr Internetnutzern einen Bremsklotz vor die Füße warf. Ab einem bestimmten Datenvolumen wollte das Unternehmen bei Flatrate-Tarifen im Festnetz die Surfgeschwindigkeit drosseln. Fortan war das Unternehmen als „Drosselkom“ verschrien. Die Verbraucherzentrale NRW klagte gegen die Pläne – und hatte jetzt Erfolg. Die vieldiskutierte Vertragsklausel sei unzulässig, die Kunden würden unangemessen benachteiligt, erklärte die 26. Zivilkammer des Kölner Landgerichts. Wo Flatrate draufsteht, muss auch Flatrate drin sein.

Die Telekom zeigte sich in einer ersten Stellungnahme wortkarg: „Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen und ... werden voraussichtlich Berufung einlegen“, hieß es knapp. Für den scheidenden Chef René Obermann, der den Konzern am Jahresende verlässt, endet die Telekom-Karriere mit einer Riesenschlappe. Gerade der Vorstandschef hatte die Drosselpläne zuletzt immer wieder verteidigt.

Die Begründung für die Tempo-Einschränkung bei den Flatrates ist aus Sicht der Telekom klar: Internetnutzer wollen immer mehr Multimedia-Inhalte abrufen, dazu braucht es ein schnelles Netz. Der Netzausbau kostet Geld, die Telekom steckt Milliardensummen hinein. Wer über einen Pauschaltarif viel surfe, so der Gedanke, sollte ab einem bestimmten Verbrauch abgebremst werden – oder ein Datenpaket hinzubuchen müssen. Zugleich solle es auch weiterhin „echte“ Flatrates ohne Tempobremse geben – aber eventuell teurer.

Schützenhilfe erhielt die Telekom gestern vom Bundesverband Bitkom: Das Urteil sei für die meisten Kunden gar nicht gut. „Der Wenig-Surfer subventioniert faktisch den Viel-Surfer, und genau das möchte die Telekom ändern“, sagte Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Die Unternehmen müssten zur Finanzierung des Breitbandausbaus die Möglichkeit haben, Kunden, die viel Leistung verlangten, stärker zur Kasse zu bitten.

Tatsächlich investiert kein Telekommunikationsunternehmen in Deutschland so viel in seine Infrastruktur wie es die Telekom tut. Obermann-Nachfolger Timotheus Höttges: „Wir nehmen allein 6 Milliarden Euro in die Hand, um 24 Millionen Haushalten ein Übertragungstempo von bis zu 100 Megabit anzubieten“. Die Milliardensummen müssten zurückverdient werden.

Für Internetnutzer dagegen sei das Abbremsen ärgerlich, ist sich die Verbraucherzentrale NRW sicher, etwa lange Wartezeiten beim Seitenaufruf oder dem Herunterladen von Daten. Qualitätseinbußen drohten beim Musikhören, Telefonieren über das Internet oder beim Anschauen von HD-Filmen.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 00:31 Uhr

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