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Rodbertus steigt bei Prokon aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Firmengründer zieht sich nach außergerichtlicher Einigung mit dem Insolvenzverwalter zurück – dafür keine Schadenersatz-Klage

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 16:01 Uhr

Der Streit ist beendet. Carsten Rodbertus, Gründer des insolventen Windkraftunternehmens Prokon, und Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin haben sich geeinigt. Eine Schadenersatz-Klage gegen Rodbertus wird es nicht geben, dafür zieht er sich bei Prokon komplett zurück. Penzlin veröffentlichte gestern eine Mitteilung, parallel äußerte sich auch Rodbertus auf seiner Internetseite als „ehemaliger geschäftsführender Alleingesellschafter der Prokon Regenerative Energien GmbH“. Nach der außergerichtlichen Einigung mit Penzlin gibt der 53-Jährige seine Anteile an dem Unternehmen ab und legt die Geschäftsführung nieder, von der ihn der Insolvenzverwalter im Frühjahr abberufen hatte. Ansprüche von Prokon erkennt Rodbertus an – weitere Details wurden nicht mitgeteilt, diese unterliegen der „strikten Vertraulichkeit“. Zudem überlässt der Firmengründer seinem nun ehemaligen Unternehmen alle Markenrechte und „darf in keiner Form mehr in Sachen Prokon tätig werden oder öffentliche Erklärungen abgeben“, so Penzlins Mitteilung. Darüber hinaus muss Rodbertus sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Auch diese Verpflichtung ist durch „hohe Vertragsstrafen“ abgesichert.

Monatelang hatten Firmengründer und Insolvenzverwalter um die Zukunft des Unternehmens gerungen. Dieses hatte von 75 000 Anlegern 1,4 Milliarden Euro Genussrechtskapital eingesammelt, war dann aber in Nöte geraten, als viele Anleger ihr Geld zurückwollten. In der Insolvenz will Penzlin die Kernbereiche Windparks und Stromversorgung fortführen, Rodbertus hatte die Zerschlagung des Unternehmens gefürchtet und viele Stimmen für seinen konkurrierenden Weg gesammelt. Diese waren bei der Gläubigerversammlung für ungültig erklärt worden.

Auf Kosten der Firma bereichert habe er sich nie, hatte Rodbertus immer wieder betont und von seiner bevorstehenden Privatinsolvenz gesprochen. Die Vermögenslosigkeit des früheren Geschäftsführers sei auch der Grund für die Vereinbarung, so Penzlin: „Bei dieser Sachlage hätte eine gerichtliche Anspruchsdurchsetzung die Insolvenzmasse mit erheblichen Kosten belastet.“ Das laufe seiner Aufgabe zuwider. Die Einigung sei nun ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Neustart, „auf den sich alle Beteiligten des Sanierungsprozesses jetzt noch stärker fokussieren können“. Wie berichtet, sollen die Genussrechtsinhaber zu Eigentümern von Prokon werden können. Alternativ wird der Verkauf der Anteile an einen Investor vorbereitet. Anfang 2015 soll Klarheit über den Weg bestehen. Als neuer Geschäftsführer begleitet ihn für den Übergang Diplom-Betriebswirt Kai Peppmeier, der seit 1. Mai kaufmännischer Leiter war. Eine dauerhafte Unternehmensleitung sucht die Personalberatung Russell Reynolds.

Rodbertus hofft, dass die Genussrechtsinhaber, wie von Penzlin geplant, zu Eigentümern werden. „Ich wünsche Prokon für den laufenden Sanierungsprozess und für den Neustart von Herzen alles Gute“, schrieb er auf seiner Internetseite, die er Ende des Jahres abschalten will. Zuletzt hatte er die PmK – Projekte mit Konzept für eine lebenswerte Zukunft GmbH als Berater unterstützt. Diese wollte Prokon-Ziele weiterführen und sprach auch Anleger an. Das darf Rodbertus nun nicht mehr. „Ich werde mich mit Sicherheit aus dem Finanzsektor zurückziehen“, sagte er gegenüber unserer Zeitung, ohne näher auf seine Pläne einzugehen. Es gebe viele Schadenersatz-Klagen von Anlegern: „Das ist natürlich eine Geldmaschine für Anwälte.“ Für ihn sei die Vereinbarung ein Neuanfang, aber es sei offen, ob dieser in Schleswig-Holstein stattfinde. Fest steht: „Der Fall Prokon ist für mich abgeschlossen.“


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