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Hauptversammlung beim Start-Up-Entwickler : Rocket Internet will mehr auf Profit achten

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Die Start-Ups schreiben nach wie vor rote Zahlen. Drei der größten Unternehmen sollen Ende 2017 endlich Gewinne machen.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2016 | 13:11 Uhr

Berlin | Der Start-up-Entwickler Rocket Internet will bei weiterhin hohem Wachstumstempo stärker auf die Profitabilität achten. „Wir haben das Ziel, dass im vierten Quartal 2017 mindestens drei unserer größeren Unternehmen break-even sind“, also die Gewinnschwelle überschreiten, sagte Vorstandschef Oliver Samwer auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Berlin. Zu möglichen Börsengängen von Firmen, an denen Rocket beteiligt ist, wollte Samwer keine konkreten Aussagen machen.

Rocket Internet hat es zwar im ersten Quartal geschafft, einige ihrer Firmen näher an die Gewinnzone zu bringen. Dem Berliner Unternehmen steckt aber noch das verlustreiche Jahr 2015 in den Knochen: Die Firma verbuchte ein Minus von fast 200 Millionen Euro.

Rocket Internet baut junge Unternehmen auf, die eine innovative Idee und Internet-Bezug haben, vor allem im Handel und bei Dienstleistungen wie der Essenzustellung. Bekanntestes Beispiel ist der Online-Modehändler Zalando. Teilweise beteiligt sich Rocket an den Neugründungen, teilweise kümmert sich die Gesellschaft um eine Fremdfinanzierung. Samwer äußerte die Erwartung, dass Rocket Internet „auch in den nächsten Jahren“ mit Umsatzsteigerungen von 25 bis 40 Prozent wachsen werde.

Bei Rocket Internet verlor die Aktie seit Jahresbeginn rund 30 Prozent ihres Werts, die Start-ups unter dem Dach der Holding schreiben nach wie vor rote Zahlen. Um den Aktienkurs mache er sich keine Gedanken, sagte Samwer am Mittwoch auf der Internet-Konferenz Axel Springer Noah Berlin. „Man steht mal in einer Warteschlange und spielt mit seinem Telefon herum - dann sieht man ihn.“ Den Rest der Zeit sei er damit beschäftigt, an dem Geschäft zu arbeiten. „Auf lange Sicht glauben wir, dass jede Menge unserer Firmen hochprofitabel sein werden“, versicherte er wie bisher. „Wir werden auch oft scheitern“, fügte Samwer hinzu. Europa habe mehrere „Mini-Disney-Silicon-Valleys“, sagte der für markige Worte bekannte 43-Jährige.

Rocket Internet war es zu Jahresbeginn gelungen, einige der Beteiligungen etwas näher an die Gewinnzone heranzubringen, auch wenn das zum Teil mit langsamerem Wachstum einherging. Bei einzelnen der 13 wichtigsten Rocket-Beteiligungen stiegen die Verluste jedoch weiter. So sprang beim Kochboxen-Versender HelloFresh der Umsatz binnen eines Jahres von 45,4 auf 141,4 Millionen Euro hoch - aber auch der Ebitda-Verlust stieg von 7,3 auf 27,3 Millionen Euro.

HelloFresh sollte im vergangenen Jahr an die Börse gehen, doch die Aktienplatzierung wurde abgesagt, weil der angepeilte Preis nicht zu erreichen war. Die schwedische Risikokapitalgesellschaft und Großaktionärin Kinnevik will ihre Beteiligung an Rocket Internet nun in einigen Jahren auf den Prüfstand stellen.

Die Samwer-Brüder stecken abseits ihrer Start-up-Fabrik aber auch Geld in weitere junge Unternehmen. In diesem Jahr hätten sie sich an rund 25 Firmen beteiligt, sagte Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer am Mittwoch auf der Internet-Konferenz Axel Springer Noah Berlin. Es gehe um Beträge von 100.000, 200.00, vielleicht eine Million Euro im frühen Stadium der Entwicklung. „Das Ökosystem hat sich verändert, und es gibt viele Chancen außerhalb von Rocket“, erklärte Samwer. Solche Investitionen liefen über den Samwer-Fonds Global Founders Capital.

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