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Rekord-Anstieg und „Versorgungslücke“ : Rentenerhöhung 2016: Fragen und Antworten

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Es könnte die größte Rentenanpassung seit der Jahrhundertwende werden. Doch langfristig droht immer mehr Rentnern eine sogenannte Versorgungslücke.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2015 | 11:41 Uhr

Würzburg | Bei der Rente läuft zurzeit alles besser, als die Experten vor Jahresfrist befürchtet haben. Im kommenden Jahr steigt sie so stark wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Die Rentenkasse ist noch gut gefüllt, die Renten steigen deutlich stärker als die Inflationsrate. Der Vorsitzende der Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel, stellte den rund 21 Millionen Rentnern in Deutschland für 2016 eine Erhöhung ihrer Bezüge um vier bis fünf Prozent in Aussicht. Endgültig wird die Rentenanpassung im kommenden Frühjahr festgelegt. In diesem Jahr sind die Altersbezüge um 2,1 Prozent im Westen und 2,5 Prozent im Osten Deutschlands erhöht worden. Doch langfristig droht immer mehr Rentnern die sogenannte „Versorgungslücke “ – das betrifft vor allem die Arbeitsnehmer von heute.

Wie ist der Rekordanstieg bei den Renten zu erklären?

Zunächst einmal mit den günstigen Konjunkturdaten. Zudem kommt mit rund 42 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten so viel Geld in die Sozialkassen wie schon lange nicht mehr. Auch stiegen die Einkommen in den vergangenen Jahren stetig. 2016 wird eine Steigerung von rund drei Prozent erwartet. Da die Durchschnittslöhne der zentrale Faktor für die Berechnung sind, waren die Renten, nach etlichen Nullrunden im vergangenen Jahrzehnt, seit 2011 wieder gewachsen - zuletzt deutlich schneller als die Inflationsrate. Die Rentner hatten also tatsächlich „mehr“ in der Tasche. Und sie werden im kommenden Jahr sogar die Arbeitnehmer beim Zuwachs überholen.

Gibt es Sondereffekte?

Ja, 2016 kommen noch zwei Sondereffekte dazu. Durch eine Revision der Berechnung der Durchschnittslöhne fiel die Rentenanpassung 2015 um rund einen Prozentpunkt niedriger aus. Dieses Manko wird nun wieder ausgeglichen. Zudem wurden Anfang des Jahres die Beiträge zur Rentenversicherung um 0,2 Punkte auf 18,7 Prozent gesenkt, was bei der Rentenanpassung mit knapp 0,3 Prozentpunkten positiv zu Buche schlägt. Zum 1. Juli waren die Renten im Westen um 2,1 Prozent und im Osten um 2,5 Prozent gestiegen.

Wie wirkt sich die sich abzeichnende Erhöhung in Euro aus?

Nimmt man eine monatliche Rente von 1200 Euro an, dann steigt sie bei fünf Prozent brutto um 60 Euro, bei vier Prozent um 48 Euro. Bei einer Rente von 1800 Euro liegt der Anstieg bei 90 beziehungsweise 72 Euro.

Wird sich die positive Entwicklung fortsetzen?

Mit Nullrunden muss so schnell keiner rechnen. Die Bundesregierung geht mittelfristig von Anhebungen zwischen 2,0 und 2,5 Prozent aus. Doch die Wirtschaft warnt, dass rein rechnerisch bis 2030 rund sechs Millionen erwerbsfähige Menschen fehlen - und damit auch Beitragszahler. Der demografische Faktor schlägt immer schneller durch. Nach Rekordrücklagen von bis zu 35 Milliarden Euro in der Rentenversicherung oder knapp zwei Monatsausgaben, zeichnet sich ab, dass die Defizite zunehmen und das Finanzpolster bis Ende 2021 auf die gesetzliche Untergrenze von 0,2 Monatsausgaben abschmilzt. Im Gegenzug sind damit Beitragserhöhungen programmiert: bis 2030 stufenweise auf 21,8 Prozent vom Bruttogehalt.

Wirkt sich der starke Flüchtlingszuzug auf die Renten aus?

Vorerst noch nicht. Sobald die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden, zahlen sie Beiträge in die Rentenversicherung und entlasten damit die Rentenkasse. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) weist - bei aller Vorsicht - auf das große Potenzial hin: 70 Prozent der Flüchtlinge sind unter 30 Jahre und 50 Prozent unter 25. Die Arbeitgeber erhoffen sich von den Flüchtlingen zumindest eine Abmilderung des Fachkräftemangels.

Warum warnen Finanzberater dennoch vor einer „Versorgunglücke“?

Eine Versorgungslücke entsteht, wenn die Rente das Netto-Gehalt so stark unterschreitet, dass der Lebensstandard nicht gehalten werden kann. Als ausreichende Versorgung im Ruhestand gelten zwei Drittel des letzten Bruttoeinkommens.

Hinzu kommt, dass die Rente nicht komplett auf dem Konto landet – für heute junge Menschen gilt das mehr als für Ältere. Seit 2005 gilt bei Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung die sogenannte Rentensteuer. Wie viel Steuern man tatsächlich zahlen muss, hängt ausschließlich vom Jahr des Renteneintritts ab.

  • Wer 2005 und früher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern;
  • ab 2006 sind 52 Prozent der Rente steuerpflichtig;
  • ab 2007 sind es 54 Prozent;
  • ab 2010 sind es 60 Prozent;
  • ab 2014 sind es 68 Prozent;
  • ab 2015 sind es 70 Prozent;
  • ab 2040 wird jeder Rentner seine Rente zu 100 Prozent versteuern müssen.
Wie hoch wird meine gesetzliche Rente?

Die persönliche Rente hängt ab vom Gehalt, Renteneintritt, Geschlecht und ob man im Osten oder Westen lebt. Im Internet lässt sich die Rente berechnen.

 
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