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Wirtschaft

23. Oktober 2017 | 12:22 Uhr

Reisestress

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2014 | 11:53 Uhr

Spitzenpolitikern kann man ja Vieles vorwerfen, aber mobil sind sie wirklich. Frühstück im Hause Merkel: Oh, schon sieben, ich muss los zur Queen, zum Abendessen bin ich wieder zurück. Oder auch bei Steinmeiers. Um drei klingelt der Wecker, um 4.30 Uhr Start nach Afghanistan, oder war heute Amerika? Jules Verne gönnte seinem Helden Phileas Fogg noch 80 Tage für die Reise um die Welt. Er musste sich dafür jedoch mächtig beeilen. Heute schaffen Minister oder Präsidenten mühelos drei Länder an einem Tag und erreichen am Abend nur mäßig außer Atem sogar noch die Sitzung des Koalitionsausschusses. Der normale Urlaubsreisende blickt voller Neid auf die Dienstfahrten der Mächtigen. Keine beschwerliche Anreise, keine Parkplatzsuche, kein Einchecken, keine Sicherheitskontrollen, Ankunft fünf Minuten vor dem Start. Wird es etwas später, wartet die Crew geduldig auf das Erscheinen des hohen Passagiers. Und an Bord ist es bequem wie im heimischen Arbeitszimmer. Statt Enge und Ryanair-Atmosphäre sorgen dienstbare Geister für Speis und Trank. Ist die Tour etwas länger, wird das Nachtlager gerichtet. In den Luftschiffen fuhr man einst ähnlich kommod. Aber für eilige Reisende viel zu langsam, dazu sehr gefährlich wie die Brandkatastrophe von Lakehurst 1937 bewies.

Sind Fernreisen nur noch schnell und bequem, verleiten sie allerdings zum Missbrauch: Ein FDP-Vorsitzender und Außenminister, der gerade in New York angekommen war, düste mal kurz zum Parteitag in die Heimat und meldete sich tags darauf atemlos bei der Uno-Vollversammlung zurück.

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