Falschgeld im Internet : „Reich“ per Mausklick: Wie Geldfälscher ihre Blüten unters Volk bringen

Gefälschte Geldscheine werden im Internet angeboten.
Gefälschte Geldscheine werden im Internet angeboten.

Mal einfache Farbkopie, mal professionelle Massenproduktion: Geldhüter versuchen das Problem einzudämmen – mit Erfolg?

shz.de von
26. Januar 2018, 13:28 Uhr

Frankfurt/Main | „Reich werden mit Falschgeld – jetzt kaufen“ – man muss nicht einmal in die dunklen Kanäle des Internets abwandern, um fragwürdige Angebote wie dieses zu finden. Unverblümt werden Blüten im Netz angeboten. Und Tipps, wie Kunden das illegale Treiben verschleiern können, liefern die Anbieter gleich mit: Natürlich sei es strafbar Falschgeld zu bestellen, zu besitzen und/oder in Verkehr zu bringen, heißt es auf einer Webseite, aber: „Werdet ihr erwischt (was aufgrund der guten Qualität eine Seltenheit ist) solltet ihr nicht mehr als 1 Note dabei haben. Bei einer Note kann man noch glaubhaft vertreten, dass man diese von jemand anderem bekommen hat. In 99 Prozent der Fälle kommt man dabei mit einem blauen Auge davon.“

Mit ein paar Klicks gefälschte Banknoten bestellen oder sich glitzernde Hologramm-Sticker besorgen, um billige Farbkopien zu veredeln – so mancher lässt sich von der Aussicht auf schnelles Geld verlocken. „Wir waren neugierig und wollten wissen, wie das funktioniert. Wir wollten es einfach mal ausprobieren“, zitierte die „Südwestpresse“ Aussagen von Angeklagten in einem Prozess vor dem Amtsgericht Reutlingen im November. Der Vorwurf gegen die drei Männer Anfang 20: gemeinschaftliche gewerbsmäßige Geldfälschung.

„Es ist erstaunlich, wie offen für Falschgeld auch im Internet geworben wird“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele und warnt: „Wir können nur jedem raten, diese Wege nicht zu beschreiten, denn Falschgeld in Verkehr bringen ist ein Verbrechen und wird hart bestraft.“ Das Problem für die deutschen Ermittler sei, dass die Anbieter meist im Ausland säßen.

In seinem jüngsten Lagebericht zum Thema Falschgeld stellt das Bundeskriminalamt (BKA) fest: „Die Ressourcen zur Herstellung von Falschgeld sind für die Täter leicht zugänglich. Spezialwissen ist nicht vonnöten. Dies führt dazu, dass nunmehr auch in Deutschland vermehrt Falschgeld hergestellt und international verbreitet wird.“

Thiele erklärt: „Professionelle Fälscherwerkstätten in Deutschland sind nach wie vor Einzelfälle. Aber es ist auch für nicht-professionelle Fälscher einfacher geworden, an die Zutaten heranzukommen.“ Dennoch sind die Falschgeldzahlen in Deutschland gesunken: Knapp 72.900 Blüten wurden nach Angaben der Bundesbank im vergangenen Jahr entdeckt. 2016 waren es 82.200. Der Schaden belief sich 2017 auf 4,1 (2016: 4,2) Millionen Euro. Weltweit zogen Polizei, Handel und Banken 694.000 (684.000) gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr. Der Schaden sank trotz der leicht gestiegenen Stückzahl auf rund 36 (40) Millionen Euro - 2016 hatte es besonders viele 500-Euro-Fälschungen gegeben.

So erkennt man Falschgeld
  • Fühlen: Auf der Vorderseite von echten Banknoten sind Teile des Druckbildes etwas erhaben und können gefühlt werden. Bei der ersten Euro-Serie ist dies der Schriftzug „BCE ECB EZB EKT EKP“ am oberen Rand. Bei der neuen Europa-Serie ist der erweiterte Schriftzug „BCE ECB E?? EZB EKP EKT EKB BCE EBC“ erhaben, zusätzlich gibt es Striche am rechten und linken Rand.
  • Sehen: Wird eine echte Banknote gegen das Licht gehalten, ist das Wasserzeichen im unbedruckten Bereich als Schattenbild zu sehen. Im oberen Bereich des Hologrammstreifens befindet sich bei der Europa-Serie außerdem ein transparentes Fenster, durch das sich das Porträt der Frauenfigur „Europa“ erkennen lässt.
  • Kippen: Wenn Bankkunden Euro-Geldscheine kippen, verändern sich die Hologrammelemente. Auf der Rückseite der ersten Serie kann bei vielen Banknoten durch das Kippen auch der Farbwechsel der rechten Wertzahl von Rot nach Grün geprüft werden. Die Banknoten der neuen Serie weisen auf der Vorderseite links die sogenannte Smaragdzahl auf: Beim Kippen verändert sich die Farbe, und ein heller Balken wandert auf- beziehungsweise abwärts.
 

Im vergangenen Jahr war jede zweite Euro-Blüte (52,5 Prozent), die auftauchte, ein Fünfziger. In Deutschland lag der Anteil der orange-braunen Scheine am Falschgeldaufkommen sogar bei 65 Prozent. Doch die Währungshüter sind zuversichtlich, dass sich die Geldfälscher an den Sicherheitsmerkmalen der runderneuerten 50-Euro-Scheine, die seit April 2017 im Umlauf sind, die Zähne ausbeißen werden.

„Die Qualität der Fälschungen der neuen Euro-Banknotenserie ist in den meisten Fällen bescheiden“, urteilt Stefan Hardt, Leiter des Zentralbereichs Bargeld bei der Bundesbank. „Das Porträtfenster hat sich bewährt, das schafft bisher keiner.“

Und so behilft sich mancher Gelegenheitsfälscher mit billigen Farbkopien, die dann auch noch dilettantisch zusammengeklebt sind. Auf Weihnachtsmärkten werden dann selbst solche Blüten bisweilen erfolgreich unters Volk gebracht. „Da helfen die besten Sicherheitsmerkmale nichts, wenn im Dunklen mit Handschuhen Geldscheine auf Echtheit geprüft werden“, sagt Hardt.

Etwas professioneller ließen es zwei Mittzwanziger im Emsland angehen: Ihr schwunghafter Handel mit 50-Euro-Blüten von einem Hof nahe der niederländischen Grenze aus fiel erst auf, weil der Besitzer des Gutshofes die beiden wegen Stromklaus anzeigte. Bei einer Durchsuchung entdeckte die Polizei nicht nur jede Menge Falschgeld, sondern auch eine Hanfplantage. Im vergangenen September sprach das Landgericht Osnabrück das Urteil gegen die Männer: sechs Jahre und drei Monate beziehungsweise vier Jahre und drei Monate Haft.

Die Strafen sind noch milde, wie ein Blick in die Historie lehrt: Schon auf der ältesten Banknote der Welt, einem chinesischen Kuan aus dem 14. Jahrhundert, ist ein Warnhinweis aufgedruckt: „Wer falsches Geld herstellt, wird mit dem Tode bestraft. Wer Fälscher anzeigt oder den Behörden überliefert, erhält 250 Taels Silber als Belohnung und außerdem das Vermögen des Verbrechers.“

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