Rätselraten um die Bahn-Card

Beliebte Rabattkarte: Nach Bahn-Angaben wurde in diesem Jahr erstmals die Marke von fünf Millionen überschritten.
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Beliebte Rabattkarte: Nach Bahn-Angaben wurde in diesem Jahr erstmals die Marke von fünf Millionen überschritten.

Hessischer Rundfunk: Die Rabattkarte wird in aktueller Form abgeschafft / Bahnchef Grube: Völliger Quatsch

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04. Dezember 2014, 17:48 Uhr

Aufregung um die Bahn-Card: Nach einem Bericht des Hessischen Rundfunks will die Deutsche Bahn ihre Rabattkarte abschaffen. Der Sender berief sich dabei auf ein Papier der Bahn, das als Vorlage für die nächste Aufsichtsratssitzung der Bahn am 10. Dezember dienen soll. Dem widersprach umgehend Bahnchef Rüdiger Grube: „Es gibt kein Abschaffen der Bahncard, das ist völliger Quatsch.“ Vielmehr sei die Bahn in der Pflicht, angesichts des härter werdenden Wettbewerbs durch die Fernbusse über die Preisstruktur zu diskutieren. Beschlüsse im Aufsichtsrat stünden nicht an. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte, die Bahncard stehe nicht zur Disposition. „Sie ist beliebt, hat sich bewährt und wird Bestand haben“, sagte der Minister für den Bund als Eigentümer des Konzerns. Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg erklärte, dass die Bahn ihr Preissystem überprüfe. Wie Grube betonte aber auch er, dass es die Bahncards 25 und 50 „weiter in bisheriger Form geben“ werde. Aber nicht alle Kunden fänden das System attraktiv. Bei der Bahncard müssen sie in Vorleistung gehen und vor der ersten Fahrt eine größere Summe für das Recht auf Rabatt bezahlen. Deshalb denke man darüber nach, ergänzende Rabattangebote zu machen. Die Bahncard 25 gewährt 25 Prozent Ermäßigung und kostet für die 2. Klasse 62 Euro pro Jahr. Mit der Bahncard 50 gibt es das Standardticket zum halben Preis. Sie kostet 255 Euro.

Trotz des Dementis hielt der Hessische Rundfunk an der Darstellung seines Mitarbeiters Carsten Jens fest: „Wir halten die Quelle für zuverlässig.“ In dem Radiobericht hieß es zudem, es seien weitere Änderungen im Fernverkehr geplant, um die Kosten der Bahn bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro zu senken. Dazu gehöre die Trennung von unrentablen Strecken. Auch ICE-Verbindungen sollten gestrichen werden, unter anderem von und nach Kiel, sagte Jens in einem Interview. Eine Reaktion der Bahn war gestern nicht zu erhalten.

Im ersten Halbjahr 2014 war der Fernverkehr der Bahn um 2,8 Prozent zurückgegangen. In einem Bahn-Zwischenbericht werden nach dpa-Informationen stichwortartig und auf Schaubildern verschiedene Szenarien für Änderungen an der Preisstruktur und am Zugangebot dargestellt. Der Bahn-Vorstand habe demnach den Auftrag, bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März 2015 einen Abschlussbericht mit konkreten Vorschlägen zu erarbeiten. Laut Hörfunkbericht steht in dem Papier, dass die Bahncard zum „Kundenkonto“ werden könnte, das Rabatte nur noch für Großkunden und Vielfahrer und gemäß der Auslastung eines Zugs einräumt. Homburg sagte, solche Rabatte würden, wenn man sich dafür entscheide, zusätzlich eingeführt.

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