zur Navigation springen

Prozess gegen Vergleichsportal : Provisionen: Check24 soll sich als Makler zeigen

vom

Check24 will den günstigsten Preis ermitteln. Doch auch Provisionen spielen dabei eine Rolle. Bis jetzt waren die versteckt.

München | Bis jetzt ahnte es mancher Verbraucher nur: Das Vergleichsportal Check24 ist nicht nur ein Dienstleister, der seinen Kunden den vermeintlich günstigsten Preis für ein Produkt sucht, sondern das Unternehmen kassiert dabei auch ordentlich mit. Das Landgericht München schafft am Mittwoch Klarheit: Check24 müsse seinen Kunden anzeigen, für welche Vermittlungen es Provisionen erhält. Das ist das Ergebnis eines Prozesses zwischen Check24 und Versicherungsvertretern.

Vergleichsportale wie Check24 schließen Verträge zum Beispiel mit Versicherern oder Reiseanbietern. Für die Vermittlung von Kunden kassieren sie Provisionen. Das sieht der Kunde aber nicht. Nun sollen ihm die Augen geöffnet werden, indem deutlicher auf Provisionen hingewiesen werden soll. Das Urteil könnte richtungsweisend auch für andere Vergleichsportale wie etwa Verivox oder toptarif sein.

Der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht, sagte die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer für Handelssachen, Barbara Clementi. Dies könne zum Beispiel durch ein Popup-Fenster erfolgen, das aufblinkt, sobald der Nutzer sich die Versicherungen ansieht.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat Check24 verklagt, weil er dem Portal eine Irreführung der Verbraucher vorwirft. Check24 stelle sich zwar als verbraucherfreundliches Preisvergleichsportal dar, arbeite in Wahrheit aber wie ein Makler, der Provisionen von den Anbietern kassiert. Dies müsse auch auf den ersten Blick für die Verbraucher erkennbar sein. „Wir wollen einheitliche Spielregeln für alle Marktteilnehmer“, sagte Verbandspräsident Michael Heinz. 

Auch Richterin Clementi sieht in der ersten Einschätzung Handlungsbedarf: Bislang erfolge der Hinweis auf die Maklertätigkeit nur in einer Fußzeile, die von vielen Verbrauchern wohl nicht gelesen werde, sagte die Richterin. „Es geht nicht darum, ob man es findet, wenn man es sucht.“ Eine endgültige Entscheidung will das Gericht am 11. Mai verkünden. Check24 kündigte Kooperation an. „Wenn sich Anpassungsbedarf ergibt, werden wir dem nachkommen“, sagte Christoph Röttele, Mitglied der Geschäftsführung. 

Zudem werfen die Versicherungsvertreter Check24 vor, den Kunden keine individuelle Beratung anzubieten. In diesem Punkt sah das Gericht aber zunächst keinen Anhaltspunkt für einen Gesetzesverstoß. Es könne zwar sein, dass die Intensität der Beratung bei einem Online-Anbieter nicht so hoch sei wie bei einem persönlichen Gespräch, sagte die Richterin. Wenn Check24 aber über eine Eingabemaske persönliche Informationen von dem Kunden abfrage, stelle auch dies eine individuelle Beratung dar. Check24 wertete diese Einschätzung als Erfolg: „Wir sehen uns darin bestätigt, dass wir den Beratungspflichten nachkommen“, sagte Röttele.

 

zur Startseite

von
erstellt am 24.Feb.2016 | 15:13 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen