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#facesaofprostitution : Prostituierte kämpfen auf Twitter gegen das Opfer-Image

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Sie sehen sich als Sexworker und mögen ihren Job: Nach einem kritischen Artikel über den Kult-Film „Pretty Woman“ wehren sich Prostituierte gegen eine Stigmatisierung ihres Jobs.

Weltweit zeigen via Twitter unter den Hashtag #facesaofprostitution Prostituierte ihr Gesicht – Frauen wie Männer. Ihr Ziel: Sie wollen den Ruf ihres Berufs gegenüber gängigen Vorurteilen verteidigen. Sie nennen sich selbst „Sexworker“ und sehen Prostitution als normales Gewerbe, das viele freiwillig und gern ausüben. Zwangsprostitution, Drogensucht und Gewalt seien nicht die Regel. Auslöser für die Twitter-Aktion war ein Artikel zum 25 Jahre alten Kult-Film „Pretty Woman“, in dem die Autorin kritisiert, dass Prostitution entgegen der Filmgeschichte eine „tragische Horror-Story“ sei und keine „romantische Fanatasie“. Der Blog-Artikel wurde auf dem Portal „Mamamia“ zweitveröffentlicht, wo er mittlerweile nicht mehr aufrufbar ist.

Die gesellschaftliche Bewertung der Prostitution ist regional sehr unterschiedlich, unterliegt einem starken Wandel und wird von religiösen Vorstellungen beeinflusst. Präzise Angaben über Anzahl der Prostituierten gibt es nicht. In Deutschland gilt Prostitution seit dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes (ProstG) am 20. Dezember 2001 rechtlich nicht mehr als sittenwidrig. Frauenrechtlerin Alice Schwarzer reagierte darauf in der Zeitschrift „Emma“ mit einem „Appell gegen Prostitution“. Der Film „Pretty Woman“ zeigte 1990 die Liebesgeschichte zwischen einer Prostituierten und einem Geschäftsmann. Julia Roberts und Richard Gere wurden damit weltberühmt.

Die australische Prostituierte Tilly Lawless startete auf den Artikel hin die Kampagne gegen eine einseitige Sicht auf Prostitution – zunächst auf Instagram. Tausende folgten dem Beispiel via Twitter. Lawless ist Geschichtsstudentin und arbeitet nebenher als Prostituierte.

Die Sexworker geben in ihren Twitter-Botschaften an, oftmals mit den gleichen Vorurteilen konfrontiert zu werden, die auch in dem Beitrag zu „Pretty Woman“ deutlich werden. Dass nämlich Prostituierte stets Opfer von Ausbeutung und Unterdrückung seien.

Jade Thunderstorm zeigt ein Urlaubsfoto, „weil Huren keine gesunden Dinge tun“.

„Ich sehe überhaupt nicht wie Julia Roberts aus“, antwortet Christian Vega auf Mamamias „Hurenphobie“.

„Entgegen der Medienberichte kommen viele von uns aus gut situierten Familien, die uns lieben", sagt Erika.

„Ich liebe meinen Job“, schreibt Kim Cums. „Also ist hier meine Meinung zum Mamamia-Artikel.“

Die Aktion ruft aber auch Kritik hervor, da die Opfer von Zwangsprostitution keine Stimme bei Twitter haben.

Die Aktion kämpft aber weiter dagegen an, den Beruf auf diese Aspekte zu reduzieren. „Die Medien wollen, dass wir Opfer sind. Sehe ich wie ein Opfer aus?“ fragt eine Frau bei Twitter. Eine andere tut kund, „nicht versklavt und nicht jung“ zu sein.

„Deviant Eve“ sagt sogar, sie war nie glücklicher, bevor sie als Sexarbeiterin anfing. „Es finanziert meinen PhD-Abschluss und ich gehe viel ins Theater.“

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erstellt am 10.Apr.2015 | 14:29 Uhr

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