Prokon: Jetzt geht es um Schadenersatz

Gegner: Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin und Prokon-Gründer Carsten Rodbertus (r.) nach dem Insolvenzantrag.
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Gegner: Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin und Prokon-Gründer Carsten Rodbertus (r.) nach dem Insolvenzantrag.

Vor der Gläubigerversammlung im Juli verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen Insolvenzverwalter und Firmengründer

shz.de von
06. Juni 2014, 13:10 Uhr

Das Unternehmen ist insolvent, und doch entstehen neue Windparks: Diese Botschaft hat gestern Dr. Dietmar Penzlin verbreitet, Insolvenzverwalter der Prokon Regenerative Energien GmbH aus Itzehoe (Kreis Steinburg). Danach gehen demnächst in Sachsen-Anhalt und in Polen zwei Windparks mit insgesamt sieben Zwei-Megawatt-Anlagen ans Netz. An anderer Front sind die Nachrichten schlechter: Die Auseinandersetzung mit Prokon-Gründer Carsten Rodbertus, den Penzlin als Geschäftsführer frei gestellt hatte, wird immer schärfer.

Der Hamburger Jurist lässt Schadenersatzansprüche gegen Rodbertus prüfen. Seine Unternehmensführung habe bei den Gläubigern bisher Schäden in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht. Dabei gehe es um „unzureichend besicherte Darlehensvergaben“, aber auch zum Beispiel um den „Erwerb einer Cessna auf Firmenkosten für das von ihm privat betriebene Fallschirmspringen“. Dazu Rodbertus gestern Nachmittag gegenüber unserer Zeitung: „Was Herr Penzlin macht, nehme ich zurzeit alles nur zur Kenntnis.“ Der genannte Verlust gründe im Wesentlichen darauf, dass eine Zerschlagung des Unternehmens stattfinde.

Das sagt Rodbertus immer wieder – und Penzlin sieht darin „wiederholte Versuche“, Genussrechtsinhaber und Belegschaft zu verunsichern. Für ihn läuft eine Konzentration auf das Prokon-Kerngeschäft, die Sanierung nehme „weiter greifbare Formen an“. Rund 300 Arbeitsplätze würden langfristig erhalten in den Bereichen Windenergie – Projektentwicklung und Betriebsführung – sowie Stromversorgung. Niemandem sei gekündigt worden: 80 Angestellte hätten dies selbst getan, 20 Verträge liefen aus, 71 Mitarbeiter wechselten für acht Monate in eine Transfergesellschaft. Auch andere Geschäftsbereiche werden nach Penzlins Worten stabilisiert, zum Beispiel die Partnerschaft mit der Holzindustrie Torgau.

1,4 Milliarden Euro hatte Prokon bei 75 000 Genussrechtsinhabern gesammelt, im Mai eröffnete das Amtsgericht Itzehoe wegen Überschuldung das Insolvenzverfahren. Am 22. Juli findet in den Hamburger Messehallen eine Gläubigerversammlung statt, sie soll über das Konzept für einen Insolvenzplan befinden. Penzlin ging zuletzt von einer Quote von 30 bis 60 Prozent für die Gläubiger aus. Rodbertus’ Prokon-Anteile sollen „zumindest zu einem erheblichen Teil“ an die Genussrechtsinhaber übertragen werden. Geprüft werde der Einstieg eines strategischen Investors.

Rodbertus dagegen will eine „ehrliche Sanierung“, die Firma erhalten und ins Eigentum der Genussrechtsinhaber bringen. Nach einer Genossenschaft und einer Aktiengesellschaft hat er mit wenigen Mitstreitern dafür nun die Form der „Prokon Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft“ gewählt. Sie will Stimmvollmachten sammeln für die Gläubigerversammlung – inwieweit das gelingt, dazu schweigt Rodbertus. Aber er werde alles dafür tun, dass der Sanierungsplan in der Versammlung kritisch gewürdigt werde.

Penzlin sagt, er sei mit den wesentlichen Gläubigergruppen in einem „sehr sanierungsorientierten Austausch“. An einem seriös kalkulierten und nachhaltigen Angebot werde gearbeitet. Die mehr als 6000 Mitglieder starken Freunde von Prokon zum Beispiel ziehen mit und nehmen klar Stellung zu Rodbertus’ Plänen: „Das Chaos, das er uns im Unternehmen hinterlassen hat, würde sich fortsetzen, wenn er damit durchkäme.“

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