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Studie : Privatvermögen auf Rekordhöhe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Deutschen häufen wegen hoher Aktienkurse so viel Geld an wie noch nie. Niedrigzins belastet jedoch die Sparer, während Krisenländer profitieren.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 13:30 Uhr

Frankfurt am Main | Kursgewinne an den Börsen haben das Geldvermögen der privaten Haushalte in aller Welt auf ein Rekordniveau getrieben. Nicht nur die Deutschen waren 2012 mit einem Brutto-Geldvermögen von 4939 Milliarden Euro (plus 4,9 Prozent) so reich wie nie, wie der Versicherungskonzern Allianz bei der Vorstellung des „Global Wealth Reports“ mitteilte. Allerdings habe die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) deutschen Sparern milliardenschwere Verluste beschert.

Weltweit kletterte das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Aktien oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum lag weit über dem Durchschnitt der Zeit von 2001 bis 2012 von 4,6 Prozent pro Jahr. Es war das stärkste seit sechs Jahren und übertraf das Plus von 7,1 Prozent im Jahr 2010 und 2,5 Prozent 2011. Immobilien sind in der Statistik nicht enthalten.

Der Geld-Vermögensbestand summierte sich nach den Angaben rund um den Globus auf das Rekordniveau von 111,2 Billionen Euro. Treiber war die gute Entwicklung an den Aktienmärkten: Das in Wertpapieren gehaltene Vermögen erreichte mit einem Plus von 10,4 Prozent das beste Ergebnis seit der Finanzkrise. Auch die Ansprüche der Haushalte gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen wuchsen 2012 kräftig um 7,4 Prozent.

Unter den drei großen Anlageklassen schnitten die Bankeinlagen mit plus 6,7 Prozent am schwächsten ab. Da aufgrund der extrem niedrigen Zinsen in vielen Ländern kaum Wertsteigerungen im Portfolio anfielen, sei dieses Wachstum auf „frische“ Anlagegelder zurückzuführen. Zum Zuwachs der Geldvermögen trugen alle Regionen bei: Am höchsten fiel das Plus mit knapp 16 Prozent in Asien (ohne Japan) aus, auch Lateinamerika und Osteuropa wuchsen zweistellig. Dank boomender Börsen erzielten auch Nordamerika und das krisengeplagte Westeuropa mit 8,3 Prozent beziehungsweise 5,3 Prozent noch deutliche Zuwächse.

Wermutstropfen für die Sparer hierzulande war die Krisenpolitik der EZB. Weil die deutschen Banken relativ gut durch die Krise kamen, konnten sie die Mini-Zinsen anders als Finanzinstitute in Spanien oder Italien an ihre Kunden weiterreichen, sagte Studienautor Arne Holzhausen. Die Folge: Milliardenschwere Zinsverluste. Hingegen hätten die Privathaushalte im Euroraum 2012 insgesamt beträchtlich von der Krisenstrategie des billigen Geldes profitiert, sagte Heise. Denn Schuldnern spielen niedrige Zinsen in die Karten, während Gläubiger die Verlierer sind.


Die Vorliebe der Deutschen fürs Sparbuch rächt sich


Die Allianz stellte die „entgangenen“ Zinsen auf der Einlagenseite den weniger gezahlten Zinsen für Kredite gegenüber. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Während die Menschen in Deutschland im Saldo 5,8 Milliarden Euro verloren (71 Euro pro Kopf), wurden die Bürger im übrigen Euroraum um knapp 34 Milliarden Euro (134 pro Kopf) entlastet. Vor allem in den Krisenländern Italien und Spanien half die Politik der Währungshüter: Dort lagen die Netto-Zinsgewinne bei 12,5 beziehungsweise 11,5 Milliarden Euro. Pro Kopf hätten die deutschen Kreditnehmer von den Zinsgewinnen etwa gleich stark profitiert wie die Menschen in anderen Euroländern. Hingegen räche sich auf der Einlagenseite die Vorliebe der deutschen Sparer fürs Sparbuch oder Tagesgeldkonto, weil die Einlagenzinsen meist unter der Inflation liegen, und die Teuerung damit Ersparnisse auffrisst. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise warnte: „Je länger die Phase der extrem niedrigen Zinsen anhält, desto größer dürften diese Unterschiede werden.“ Denn höhere Zinsbindungen laufen aus – sie müssen durch niedriger verzinste Anlagen ersetzt werden.

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