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Höhere Preise : Preisrunde bei der Bahn – Wen es stark trifft und wen nicht

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Aus der Onlineredaktion

Die Bahn bleibt mit ihrer Preiserhöhung diesmal unter der Inflationsrate. Für schnelleres Ankommen auf der Linie Berlin-München muss man deutlich mehr zahlen.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 18:09 Uhr

Berlin | Der neue Fahrplan der Bahn kommt Mitte Dezember – und mit ihm höhere Preise. Fernverkehrstickets zum Vollpreis werden teurer, die Sparpreise dagegen nicht. Diesmal ändert sich aber auch an den Verbindungen viel. Das liegt vor allem an der Neubaustrecke Berlin-München, für die Fahrgäste deutlich mehr zahlen müssen.

 

Wie viel müssen Bahnkunden jetzt mehr hinblättern?

Das kommt darauf an, welches Ticket man kauft. Sparpreise sollen weiterhin bei 19,90 Euro anfangen. Fahrkarten zum vollen Preis – dem sogenannten Flexpreis – werden dagegen im Schnitt um 1,9 Prozent teurer, in der ersten Klasse um 2,9 Prozent. Die Bahncards 25 und 50, für die es 25 und 50 Prozent Rabatt auf das jeweilige Ticket gibt, kosten so viel wie bisher. Für eine Platzreservierung für die zweite Klasse sind unverändert 4,50 Euro zu zahlen. Die Bahn rechnet all diese Veränderungen zusammen – und kommt zum 10. Dezember auf eine Preiserhöhung im Fernverkehr von durchschnittlich 0,9 Prozent.

Wen treffen die Erhöhungen besonders?

Wer kurzfristig in den Zug steigt, zahlt oft mehr, weil er keinen Sparpreis nutzen kann. Die Bahncard 100, mit der häufig Geschäftsleute pauschal alle Züge ein Jahr nutzen können, kostet in der zweiten Klasse 4270 Euro (plus 80 Euro).

Die Deutsche Bahn hat die bisher größte Fahrplanumstellung vor sich. Zum 10. Dezember tut sich vor allem auf der Strecke Berlin-München viel. Die Änderungen im Überblick:

 

VON HAMBURG RICHTUNG SÜDEN

Bisher hat die Bahn ihre neuen Schnellzüge getestet, nun wechseln sie vom Probebetrieb regulär in den Fahrplan. Zehn mal am Tag fährt zwischen Hamburg-München und Hamburg-Stuttgart ein neuer ICE 4. Das soll mehr Platz bringen.- BADEN-WÜRTTEMBERG: Die Menschen im Südwesten kommen öfter mit dem Intercity Richtung Schweiz. Pro Tag soll es zwischen Stuttgart, Singen und Zürich 20 zusätzliche Fahrten mit dem IC geben. Zudem gibt es - wie bereits beschrieben - nun zum Beispiel eine ICE-Direktverbindung nach Leipzig.

BERLIN-MÜNCHEN

Bahnfahrer sparen bald bis zu zwei Stunden. Das „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8“ ist eines der wichtigsten Bahnvorhaben vergangener Jahre. Sprinterzüge brauchen künftig 3:55 Stunden, von Berlin nach Nürnberg 2:51 Stunden. Es soll täglich 10 000 Sitzplätze mehr geben als bisher. Von dem Ausbau profitieren laut Bahn rund 17 Millionen Menschen in verschiedenen Regionen.

THÜRINGEN

Bei den Städten hat es allen voran Erfurt gut getroffen: Dort sollen künftig deutlich mehr Fernzüge halten. Einige Regionen müssen aber auch Abstriche machen: In Weimar halten schon länger keine ICE mehr, auch von Jena und zum Beispiel Saalfeld gibt es nun keine ICE-Direktverbindungen mehr.

SACHSEN-ANHALT

Die neue Strecke bringt laut Bahn auch kürzere Fahrtzeiten für Halle, Magdeburg, Bitterfeld und Lutherstadt Wittenberg. Von Wittenberg sollen Züge jetzt jede Stunde nach Erfurt und alle zwei Stunden nach Eisenach, Frankfurt/Main und Stuttgart fahren. Vom Saaletal aus gibt es dagegen keine direkte ICE-Verbindung mehr, aber noch eine IC-Anbindung und Umsteigemöglichkeiten.

SACHSEN

Von Leipzig fahren im Zwei-Stunden-Takt Züge direkt nach Stuttgart und Mannheim los. Von Dresden kommt man eine Stunde schneller nach Nürnberg (3:30 Stunden) und München (4:45 Uhr).

WEITERES BAYERN

In Nürnberg hält künftig der Sprinterzug, der von Berlin nach München fährt. Auch im oberfränkischen Coburg halten künftig ICE-Züge, Berlin und München werden schneller erreicht. Die neue Strecke bringt auch für andere Städte eine bessere Anbindung nach Nordost, etwa für Augsburg, Donauwörth und Bamberg.

FRANKFURT-BERLIN

Hier fahren künftig zwei ICE pro Stunde, bisher war es einer Richtung Hauptstadt. Das Ganze hat aber auch einen kleinen Haken für Reisende und Pendler, wie die Bahn einräumt: Einige Sprinterzüge brauchen mit 3:50 Stunden nun zehn Minuten länger.

AUSLAND

Züge nach Wien brauchen von Nürnberg und Frankfurt bald 25 Minuten weniger. Auch nach Prag geht es von Dresden 10 Minuten und von Berlin 20 Minuten schneller, weil Bauarbeiten beendet sind und Loks nicht mehr gewechselt werden müssen. Es gibt auch neue Direktverbindungen nach Mailand von Frankfurt und Freiburg und von Köln nach Luxemburg.

Wer zahlt eigentlich den vollen Preis?

Nach Angaben der Bahn lediglich etwa 10 Prozent aller Fahrgäste. Die anderen 90 Prozent haben entweder eine Bahncard oder kaufen sich ein Ticket im Sonderangebot, das bei der Bahn Sparpreis heißt. Auch 2018 will die Bahn mit Sparpreis-Aktionen locken. Seit Sommer 2016 hat sie 10,5 Millionen solcher verbilligten Tickets auf den Markt geworfen, auch um gegen die Fernbus-Konkurrenz zu bestehen. Vor allem Schüler und Studenten seien umgestiegen, sagt Fernverkehrschefin Birgit Bohle.

Was zahle ich künftig auf meiner Strecke?

Auch hier kommt es darauf an. Die neue Strecke München-Berlin etwa wird deutlich teurer: 150 statt 132 Euro mit dem Flexpreis – ein Plus von 13,6 Prozent. Dafür sind die Züge auch bis zu zwei Stunden schneller. Die Fahrt Hamburg-Berlin soll 81 Euro kosten (plus 2,5 Prozent). Bahnkunden zwischen Karlsruhe und Basel dagegen zahlen nicht mehr – eine Entschädigung dafür, dass die Rheintalbahn nach einer Panne beim Tunnelbau wochenlang gesperrt war.

Warum geht es so viel schneller von München nach Berlin?

Die Strecke wurde für 10 Milliarden Euro über Jahre ausgebaut. Die Sprinterzüge mit nur drei Stopps schaffen die Strecke nun in knapp vier Stunden, mit Tempo 300 durch Thüringen. Die Bahn will so die Leute für sich gewinnen, die dafür normalerweise ins Flugzeug gestiegen wären. „Wir rechnen mit einer Verdopplung unser Fahrgastzahlen auf 3,6 Millionen reisen pro Jahr“, erklärt Bohle. Von der neuen Strecke profitieren auch Menschen an vielen anderen Orten in der Region.

Die Bahn hat ein Jahr getestet, dass Tickets zum Beispiel vor Feiertagen mehr kosten. Was ist daraus geworden?

Die Idee der Bahn: Gerade vor Feiertagen sollen nicht alle an einem Tag fahren, sondern einige dank des Preisanreizes vielleicht schon früher oder später. Die Bahn will das noch ausbauen. Künftig sollen Tickets an manchen Tagen 4,9 Prozent günstiger oder teurer sein, bisher waren es 2,9 Prozent. Denn am Ostermontag oder am Freitag vor dem Einheitswochenende in diesem Jahr zum Beispiel waren die Fernzüge viel zu voll. Im kommenden Jahr soll es etwa an 60 der 365 Tage Preisabweichungen nach oben und unten geben.

Darf die Bahn eigentlich so oft die Preise erhöhen wie sie möchte?

Was den Fernverkehr betrifft: Im Prinzip ja. Denn diesen betreibt sie anders als den Regionalverkehr auf eigene Rechnung. Die Deutsche Bahn AG ist ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen, gehört aber zu 100 Prozent dem Bund. Im Aufsichtsrat sitzen entsprechend auch Vertreter aus der Politik. Auch Bundesländer und Regionen nehmen auf vielfältige Weise Einfluss auf Bahn-Entscheidungen wie etwa Streckenführungen und Haltepunkte. Im Wettbewerb mit Privatauto, Fernbus und Flugzeug muss die Bahn darauf achten, nicht aus dem Preisgefüge zu fallen.

Viele beschweren sich über die Bahn – aber es fahren mehr Menschen damit, oder?

Die Bahn erwartet in diesem Jahr wieder einen Rekord bei den Fahrgastzahlen. Bis September waren es 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es läuft auf 141 bis 142 Millionen Fahrten mit ICE oder Intercitys hinaus. Viele sind auf die Bahn angewiesen – Urlauber, Pendler oder Paare in Fernbeziehungen. Klagen gibt es immer wieder über Zugausfälle, Verspätungen oder ausgefallene Klimaanlagen. Die Bahn ist zuletzt pünktlicher geworden. Ob sie ihr Ziel für 2017 von höchsten 20 Prozent verspäteter Fernzüge in diesem Jahr erreicht, ist offen. In den vergangenen fünf Monaten hat sie dieses Ziel verfehlt. Im September waren nach eigener Statistik 21,1 Prozent der ICE und Intercitys verspätet, das heißt mindestens sechs Minuten nach Plan am Ankunftsort.

Bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) sind die Beschwerdezahlen über Reisen mit der Deutschen Bahn und ihren Konkurrenten drei Jahre in Folge gesunken. Das ist zumindest ein Indiz dafür, dass die Unternehmen großzügiger beim Umgang mit Kunden geworden sind.

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