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Wirtschaft

17. Oktober 2017 | 21:48 Uhr

Praktiker wird abgewickelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

5300 Angestellte bangen um ihren Arbeitsplatz / Tochter-Kette Max Bahr darf auf neue Zukunft hoffen

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Aus und vorbei: Die Hamburger Baumarktkette Praktiker wird endgültig abgewickelt. In den verbliebenen 130 Filialen in ganz Deutschland beginnt Ende kommender Woche der Abverkauf der letzten Warenbestände. 5300 Mitarbeiter müssen nun akut um ihre Jobs bangen, 1780 davon geringfügig Beschäftigte. Dagegen können die etwa 6600 Mitarbeiter der Tochterfirma Max Bahr auf eine Zukunft hoffen. Laut Insolvenzverwalter Christopher Seagon gibt es ein „starkes Interesse an der Übernahme“ des Hamburger Traditionsunternehmens, das 2007 von Praktiker geschluckt worden war. Dagegen seien alle Versuche gescheitert, für die überschuldete Konzernmutter einen Käufer zu finden. „Für die Übernahme der Baumarktkette Praktiker gibt es keine Angebote.“

Dennoch sieht Seagon Chancen, dass „zahlreiche“ Filialen unter anderen Marken fortgeführt und die Mitarbeiter übernommen werden könnten. Interesse an Dutzenden lukrativen Praktiker-Standorten haben sowohl die Konkurrenten OBI, Hornbach und Hagebau als auch andere Großfilialisten wie Elektronikmärkte und Tierfutter-Ketten angemeldet. Niemand aus diesem Kreis wolle jedoch die Warenbestände übernehmen, so der Insolvenzverwalter, weshalb es bereits kommende Woche zu Räumungsverkäufen kommen wird. Das gilt unter anderem in den Praktiker-Märkten in Rendsburg, Lübeck, Oldenburg/Holstein, Hamburg-Lurup, Hamburg-Rahlstedt sowie in Stade.

Vom Aus der Do-it-yourself-Kette ist Hamburg besonders betroffen. Erst im vorigen Jahr hatte Praktiker seinen Unternehmenssitz aus dem saarländischen Kirkel an die Elbe verlegt und seine Zentrale dort mit der von Max Bahr verschmolzen. Insgesamt sind knapp 800 Mitarbeiter in beiden Unternehmen mit zentralen Aufgaben wie Buchhaltung, Marketing und Einkauf befasst. Davon dürften schätzungsweise 300 Jobs in Hamburg direkt von der Praktiker-Insolvenz betroffen sein. Die mit 500 Millionen Euro verschuldete Praktiker AG und ihre Tochter Max Bahr hatten im Juli Insolvenz beantragen müssen. In seinen besten Zeiten war das Unternehmen die Nummer zwei der Branche in Deutschland und einer der fünf größten Anbieter in Europa. Die Ursachen für den Niedergang sehen Experten in einer Übersättigung des Baumarkt-Segments hierzulande sowie in der gescheiterten Strategie, sich als Discounter zu behaupten („20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“).

Während der Name des Mutterkonzerns nun vom deutschen Markt verschwinden wird, dürfte die Unternehmensperle weiterleben. Es gebe mehrere Angebote von strategischen Investoren und von Finanzinvestoren für eine Übernahme von Max Bahr, teilten Seagon und sein Kollege Jens-Sören Schröder mit. Schröder ist für die Insolvenzverwaltung der 78 ursprünglichen Max-Bahr-Märkte zuständig, Seagon für 54 ehemalige Praktiker-Filialen, die in Max Bahr umgeflaggt worden waren. Das Duo will die Verhandlungen mit potenziellen Investoren bis zum 1. Oktober abschließen. Die 132 Max-Bahr-Märkte würden unterdessen weiter mit Waren beliefert, der Verkauf gehe weiter.

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