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Hans Dieter Pötsch : Porsche-Chef weist Vorwürfe der Marktmanipulation zurück

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Auf der Hauptversammlung der Finanzholding Porsche SE ist auch Ferdinand Piëch erstmals seit 2014 wieder anwesend.

Stuttgart | Nach dem Beginn von Ermittlungen gegen führende Manager der VW-Dachgesellschaft Porsche SE im Zuge des Dieselskandals hat deren Chef die Vorwürfe zurückgewiesen. „Die Porsche SE ist davon überzeugt, dass keines ihrer Organmitglieder gegen kapitalmarktrechtliche oder strafrechtliche Vorschriften verstoßen hat“, sagte der Vorstandschef der Porsche SE (PSE), Hans Dieter Pötsch, am Dienstag in Stuttgart auf der Hauptversammlung der Finanzholding.

Mit dem Dieselskandal hatte VW das Vertrauen vieler Kunden verspielt. Nun gerät der Konzern erneut in Erklärungsnot. Bei nachgewiesener Marktmanipulation droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine hohe Geldstrafe.

Pötsch bezog sich auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart, die vor etwa drei Wochen bekanntgeworden waren. Pötsch selbst sowie PSE-Vorstandsmitglied und VW-Vorstandschef Matthias Müller werden der Marktmanipulation an der Börse verdächtigt. Dies wird auch dem früheren Chef der PSE und von VW, Martin Winterkorn, vorgeworfen. Die Manager sollen im Sommer 2015 nicht schnell genug über den VW-Dieselskandal informiert haben, so der Verdacht.

Die PSE hält als Hauptaktionär die Mehrheit der Stimmrechte am Autobauer VW. Näheres über die Ermittlungen sei der PSE nicht bekannt, sagte Pötsch, der auch Aufsichtsratsvorsitzender beim Autobauer VW ist.

Zu dem Stuttgarter Aktionärstreff kam auch der frühere VW-Konzernlenker Ferdinand Piëch. Der 80-Jährige sitzt noch im Aufsichtsrat der PSE. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit seinem Abgang bei Volkswagen vor gut zwei Jahren. 2015 begann der Familienknatsch - Piëch äußerte sich überraschend kritisch über den damaligen VW-Konzernboss Martin Winterkorn, seine Verwandten des Porsche-Familienzweiges gaben ihm keine Rückendeckung. Piëch grollte, der Groll wurde größer. Er blieb den Porsche-SE-Versammlungen 2015 und 2016 fern.

Hintergrund: Ferdinand Piëch, Aktienverkäufe und die Familie

Piëch darf als Aufsichtsrat der PSE bei der Hauptversammlung Platz nehmen, um sich in dieser Funktion bestätigen zu lassen. Theoretisch ginge die Wiederwahl auch in Abwesenheit. Der frühere Auto-Patriarch bleibt bei der Stuttgarter Beteiligungsholding also an Bord - vorerst zumindest.

Denn klar ist auch: Den Stuhl als Porsche-Kontrolleur, auf dem er schon seit 1981 sitzt, wird Piëch bald räumen. Schließlich hat er vor kurzem fast sein komplettes Aktienpaket an Verwandte verkauft. 14,7 Prozent hielt er an der mächtigen Beteiligungsholding, die 52,2 Prozent der Stimmrechte am Autobauer Volkswagen hält. Marktwert seines Pakets: gut 1,1 Milliarden Euro. Ferdinand Piëch verkaufte seine allermeisten Aktien an seinen Bruder Hans Michel Piëch, der wiederum einen Teil davon an den Porsche-Zweig weiterreichte.

Wieviel, ist unklar - der Piëch-Stamm in dem mächtigen Autoclan soll aber auch künftig mehr als 25 Prozent an der PSE halten und somit die Sperrminorität haben. Diese Balance, das hat Familiensprecher Wolfgang Porsche beteuert, soll erhalten bleiben.

Bis spätestens Frühjahr 2018 dürften Finanzbehörden dem Aktiendeal zugestimmt haben. Wenn das grüne Licht kommt, soll auch der Auto-Patriarch außer Diensten, Piëch, sein Mandat niederlegen - und den Platz freimachen für einen jüngeren Verwandten.

Der Übergang der Macht von der dritten auf die vierte Generation - also von den Enkeln des Autogenies Ferdinand Porsche auf dessen Urenkel - lässt zwar noch etwas auf sich warten. Für den Autoexperten Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach ist das aber nur eine Frage der Zeit. „Wir werden den Generationswechsel in den nächsten Jahren erleben - da wird es einige Veränderungen geben.“ Die Zeiten, in denen der Autoclan streng unterscheide zwischen Porsche- und Piëch-Zweig, neigten sich dem Ende entgegen. Aus Sicht von Bratzel ist der Abgang von Piëch auch eine Chance, den familieninternen Graben zu überwinden.

Der dritten Generation bei den Porsche/Piëchs gehören sechs Familienmitglieder an, darunter Ferdinand Piëch, sein Bruder Hans Michel sowie deren Cousin Wolfgang Porsche. Zur vierten Generation wiederum zählen 34 Verwandte. Hier ist noch nicht absehbar, wer künftig vor allem in den Fokus rückt. Es ist aber naheliegend, dass es Nachfahren sein werden, die ohnehin schon in der Pflicht stehen und schon jetzt Aufsichtsratsposten im VW-Reich haben.

Da wäre zum Beispiel Ferdinand Oliver Porsche, Jahrgang 1961, Neffe von Wolfgang Porsche. Der Jurist sitzt ohnehin schon im Aufsichtsrat der PSE, von VW und Audi - damit hat er in der vierten Generation den meisten Einfluss. Da wäre zudem der Sohn von Familiensprecher Wolfgang, Christian Porsche, Jahrgang 1974 - der Mediziner mit Praxis in Salzburg sitzt im Aufsichtsrat der VW-Lastwagentöchter MAN und Scania. Peter Daniell Porsche, ebenfalls Neffe von Wolfgang, hat eine Beteiligungsholding mit Verlagen und kleinen Industrieunternehmen - er ist im Kontrollgremium der VW-Tochter Skoda.

Hinzu kommen andere Kandidatinnen: etwa Julia Kuhn-Piëch, Jahrgang 1981, Tochter von Hans Michel Piëch - sie ist im Aufsichtsrat bei MAN und Audi. Die im Jahr 1957 geborene Louise Kiesling sitzt im VW-Aufsichtsrat. Eigentlich gehört sie zum Piëch-Zweig, doch sie brachte ihre Aktien ein in eine Stiftung auf der Porsche-Seite. So hat Kiesling schon vor Jahren den familieninternen Graben überwunden.

Dieser Graben war einst so tief, dass die Familienzweige 1971 eine harte Entscheidung fällen mussten: Sie einigten sich darauf, dass kein Verwandter mehr operativ das Sagen haben durfte beim Sportwagenbauer Porsche. Auch Ferdinand Piëch musste damals gehen - und machte später Karriere bei Audi und Volkswagen. Seine Wiederwahl als Porsche-Aufsichtsrat am Dienstag könnte das letzte Kapitel einläuten, in dem Zugehörigkeit zu einem der Familienzweige noch eine große Rolle spielt - bevor jüngere Nachfahren das Zepter übernehmen, egal von welchem Zweig. Eins ist für Autofachmann Bratzel sicher: „Einen so starken Einfluss auf die Autobranche ausüben wie Ferdinand Piëch wird keiner der jüngeren Familienangehörigen.“

Die Familien Porsche und Piech.

Die Familien Porsche und Piech.

Foto: dpa

Auch sonst hat die VW-Dachgesellschaft Porsche SE Probleme. So tut sie sich trotz einer gut gefüllten Kasse weiterhin schwer, Investitionspläne zu verwirklichen. Man habe in den vergangenen Jahren 1200 Beteiligungen geprüft, sich bei der Abwägung von Chancen und Risiken aber oft gegen den Einstieg entschieden, sagte der für Beteiligungen zuständige Porsche-Vorstand Philipp von Hagen am Dienstag. Eine einzige Beteiligung wurde verwirklicht – 2013 kaufte die Porsche SE (PSE) zehn Prozent der Verkehrsdaten-Firma Inrix für 41 Millionen Euro. Gelohnt hat sich das bisher nicht: Kürzlich musste die PSE den Wert dieser Beteiligung auf 21 Millionen herunterstufen. Als Nettoliquidität verfügt die PSE über rund 1,3 Milliarden Euro. Dieses Geld könnte investiert werden, es geht auf den Komplettverkauf des Autobauers Porsche AG an VW im Jahr 2012 zurück.

Bei der Hauptversammlung äußerten Kleinaktionäre Kritik daran, dass nicht längst umfassend investiert wurde. Mit Blick auf den Inrix-Anteil sagte der Kleinaktionär Christian Strenger, das sei „eine nur mikroskopisch zu sehende Beteiligung“. Aus seiner Sicht rechtfertige so eine Mini-Leistung nicht, dass die Porsche SE ein eigenes, teures Ressort für Beteiligungen habe. Eher spöttisch forderte Daniel Jenderek von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz eine höhere Dividende: „Schütten Sie aus, Sie wissen ja sowieso nichts mit dem Geld anzufangen.“

Zudem kritisierten Kleinaktionäre die personellen Verflechtungen zwischen der Porsche SE und der Volkswagen AG. PSE-Vorstandschef Hans Dieter Pötsch ist zugleich VW-Aufsichtsratsboss, VW-Konzernchef Matthias Müller wiederum ist PSE-Vorstandsmitglied. Aus Sicht der Kleinaktionäre ist durch solche Verflechtungen nicht gewährleistet, dass der Abgasskandal komplett aufgeklärt werden kann. „Es ist ein Dieselskandal und keine Dieselthematik, wie Sie es nennen“, sagte Jenderek mit Blick auf die PSE-Führungsriege auf dem Podium der Stuttgarter Porsche-Arena. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück.

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erstellt am 30.Mai.2017 | 12:08 Uhr

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