Lufthansa : Piloten-Streik geht weiter

Wieder fallen Lufthansa-Flüge aus: Da vor allem Langstrecken- und Frachtflüge betroffen sind, halten sich die Folgen für Hamburg in Grenzen.

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04. Dezember 2014, 13:08 Uhr

Frankfurt | Lufthansa-Passagiere müssen sich weiter in Geduld üben. Noch bis Mitternacht läuft die jüngste Streikwelle. Sie betrifft Langstrecken- und Frachtflüge. „Betroffen sind die Flughäfen in Frankfurt, München und Düsseldorf“, sagte ein Sprecher der Lufthansa am Donnerstagmorgen.

Die Lufthansa hat im Internet eine Liste mit den gestrichenen Passagierflügen veröffentlicht. Flüge von und nach Hamburg sind demnach nicht betroffen. Die Hälfte der Langstreckenflieger solle trotz des Streiks abheben, teilte das Unternehmen mit. Lufthansa Cargo will neun von 15 Frachtflügen ab Frankfurt starten lassen.

Wo kann ich sehen, ob mein Flug gestrichen ist?

Die Lufthansa veröffentlicht den aktuellen Flugstatus online.
Erste Ansprechpartner an Streiktagen sind Reiseveranstalter und Fluggesellschaft. Weiterhin bietet die Lufthansa auf ihrer Website aktuelle Informationen zu An- und Abflügen von allen deutschen Flughäfen. Bei Daten aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Wann darf ich einen Flug aufgrund eines Streiks kostenlos stornieren?

Um ihren Flug kostenlos stornieren zu können, müssen Fluggäste sich zunächst an die Airline wenden: „Sie muss Gelegenheit bekommen, eine Ersatzbeförderung zu organisieren“, erläutert Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. Sie ist dazu verpflichtet, diese schnellstmöglich anzubieten. Erst wenn sie das nicht tut, kommt eine kostenlose Stornierung in Betracht. „Wichtig ist jedoch, dass die Kunden diese Aufforderung belegen können, wenn sie später stornieren wollen oder auf eigene Faust eine Ersatzbeförderung organisieren.“ Daher fordern Betroffene diese am besten schriftlich ein. Kümmert sich die Airline nicht, sei das anhand eines E-Mail-Verkehrs leichter zu belegen als bei einem Telefonat. Bei einem Gespräch am Schalter kommt auch eine schriftliche Bestätigung durch die Mitarbeiter in Betracht.

Wie lange muss ich am Flughafen auf eine Ersatzbeförderung warten?

Grundsätzlich müssen Fluggäste in Kauf nehmen, dass es auch bei der Ersatzbeförderung zu einer Verzögerung kommt, so Degott. Allerdings müsse die im Verhältnis zur Flugdauer stehen. Auf ein Ende des Streiks sollten sich Flugreisende am Freitag jedenfalls nicht vertrösten lassen. Wem das Warten auf eine angekündigte, aber nicht erfolgte Ersatzbeförderung zu lang wird, kann nach einer angemessenen Frist immer noch seinen Flug stornieren. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. Und ob die Gäste auf eigene Faust schneller oder zum gleichen Preis ans Ziel kommen, ist keineswegs sicher. Organisiert die Airline hingegen die Ersatzbeförderung, muss sie auch eventuelle Mehrkosten übernehmen.

Welche Ansprüche habe ich, wenn ich am Flughafen strande?

Die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. Das ist für den Ausstand morgen jedoch nicht zu befürchten.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtsprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks grundsätzlich der Fall.

 

Die Vereinigung Cockpit (VC) hält am dem Ausstand fest, obwohl die Lufthansa am Mittwoch eine Schlichtung in dem Dauerstreik angeboten hat. In dem Tarifkonflikt geht es um die von Streichung bedrohten Übergangsrenten von rund 5400 Piloten bis zum Ruhestand. Die Gewerkschaft will dieses Angebot aber erst in der kommenden Woche prüfen.

Die Streiks der Flugkapitäne kommen die deutsche Wirtschaft nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung teuer zu stehen. Alexander Schumann, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), erklärte, der Schaden könne sich nach einigen Streiktagen auf bis zu 25 Millionen Euro täglich belaufen.

Die Streikwelle der Piloten läuft bereits seit April. Die mittlerweile neunte Streikrunde ging erst am Dienstag zu Ende. Von rund 1400 Flugausfällen waren laut Lufthansa 150.000 Passagiere betroffen. Cockpit kündigte an, nach den Streiks am Donnerstag seien weitere Arbeitsniederlegungen mit Ausnahme der Weihnachtsfeiertage möglich.

Trotz der Streiks hatte die Lufthansa am Mittwoch einen massiven Ausbau ihres Billigangebots auf den Weg gebracht. Damit will der Konzern im harten Preiskampf anderen europäischen Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet die Stirn bieten. Der Aufsichtsrat des Unternehmens billigte am Mittwoch ein Konzept von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Dabei setzt der Konzern komplett auf die Marke Eurowings. Die bereits bestehende Tochtergesellschaft erhält größere Flugzeuge und soll künftig kostengünstige Direktflüge sowohl innerhalb Europas als auch auf der Langstrecke anbieten.

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