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Piloten sagen kurzfristig Streik ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lufthansa wollte ursprünglich mit Ersatzpiloten an den Start gehen

Die Überraschung kam am Abend: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit teilte mit, sie habe den für heute geplanten Streik bei der Lufthansa abgesagt. Sie begründete das damit, sie peile neue Gespräche mit der Airline an. Die Lufthansa-Geschäftsleitung habe der Vereinigung Cockpit veränderte Forderungen zur Übergangsversorgung übermittelt. Die Tarifkommission der Pilotengewerkschaft habe daraufhin noch für diese Woche neue Gesprächstermine angeboten. Die Vereinigung Cockpit (VC) betonte, jederzeit einigungsbereit zu sein. „Ob es gelingt, die Arbeitskampfmaßnahmen dauerhaft abzuwenden, ist derzeit noch nicht absehbar“, hieß es weiter.

Lufthansa wollte die ursprünglich angekündigte Arbeitsniederlegung, die zwischen 9.00 und 17.00 Uhr Langstreckenflüge treffen sollte, ins Leere laufen lassen und sämtliche 40 Verbindungen anbieten. Lufthansa hatte bereits an vorangegangenen Streiktagen Piloten aus ihrem Management und Freiwillige in ungenannter Zahl eingesetzt. Diese sollten auch diesmal den Langstreckenflugplan aufrecht erhalten.

Die Lufthansa hatte bereits am Mittag ihr Angebot an die Pilotengewerkschaft konkretisiert. Sie legte komplexe Berechnungen vor, nach denen die einzelnen Piloten in den Vorruhestand treten könnten. Von ihren grundsätzlichen Forderungen nach einem späteren individuellen Eintritt (60 statt 55) sowie einer Anhebung des durchschnittlichen Eintrittsalters (von 58 auf 61) wich die Lufthansa laut ihrer Mitteilung aber nicht ab. Das Unternehmen begründete das ungewöhnliche Vorgehen damit, die Piloten direkt über die Pläne informieren zu wollen.

Die Pilotengewerkschaft will die Übergangsversorgung auf dem heutigen Stand beibehalten. Derzeit gehen die rund 5400 Piloten und Co-Piloten im Schnitt mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand – also sechs Jahre vor dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze. Einzelne können schon ab 55 in den Vorruhestand wechseln. Hintergrund des Arbeitskampfes ist auch die ablehnende Haltung der VC gegen weitere konzerninterne Billigfluggesellschaften in der sogenannten „Wings-Familie“.

In einem ähnlichen Konflikt legten gestern die Piloten der Air France die Arbeit nieder, was auch zu Flugausfällen in Richtung Deutschland führte. Die französischen Gewerkschaften kündigten verschärfte Streiks zur Wochenmitte an. Erst am vergangenen Mittwoch hatte die Vereinigung Cockpit das nach Frankfurt zweitgrößte Drehkreuz der Lufthansa in München bestreikt und 140 Europa-Flüge ausfallen lassen. Seit April hat die VC in vier Streikwellen bei Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings rund 4300 Flüge ausfallen lassen, die Reisepläne von über 480 000 Menschen durcheinandergebracht und dem Unternehmen Millionenverluste zugefügt.

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erstellt am 15.Sep.2014 | 20:16 Uhr

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