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Ökostrom-Umlage soll sinken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experten: Milliarden-Rücklagen könnten EEG-Zuschlag um 0,4 Cent drücken

Torsten Albig (SPD) war beeindruckt. Mit einem Hubschrauber landete Schleswig-Holsteins Ministerpräsident gestern auf der Plattform eines Umspannwerkes – 70 Kilometer westlich von Sylt. Das Umspannwerk ist Teil des im Bau befindlichen Windparks DanTysk. Künftig soll er genug Strom für bis zu 400 000 Haushalte erzeugen. Die Arbeiten am Windpark trügen dazu bei, dass Deutschland sich von der Atomenergie lösen kann, sagte Albig.

Die Verbraucher, die in Zukunft diesen Strom beziehen sollen, sahen zuletzt jedoch vor allem die steigenden Kosten auf ihrer Stromrechnung durch die Ökostrom-Umlage. Erstmals könnte diese jetzt aber Berechnungen zufolge sinken. Das Öko-Institut und das Fachinstitut Agora Energiewende gingen bei der Kalkulation von den bisher zugrunde gelegten Eckpunkten aus. Sie kommen danach auf eine Umlage von netto 5,84 Cent je Kilowattstunde statt derzeit 6,24 Cent. Ein Haushalt müsste dann bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden nur noch 204 statt derzeit 218 Euro Umlage im Jahr über den Strompreis zahlen, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Die Umlage macht knapp 20 Prozent des Strompreises der Verbraucher aus. Auch für 2016 wird mit einer geringeren Umlage als heute gerechnet – Grund sei vor allem ein Milliardenüberschuss auf dem Umlagekonto, hieß es. Derzeit ist das Konto mit 1,8 Milliarden Euro im Plus, auch weil bei der aktuellen Umlage ein Puffer eingebaut worden war. Entscheidend für die Berechnung der Umlage ist aber der Kontostand am 30. September. Die Umlage für das nächste Jahr wird am 15. Oktober veröffentlicht. „Wir haben zwei Jahre lang sehr niedrige Kontostände und ein hohes Defizit gehabt. Das jetzige hohe Plus ist der große Unterschied und hauptverantwortlich für das Sinken der Umlage“, betonte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Die Berechnungen preisen bereits die geplante Neuregelung bei den Industrie-Rabatten und der Ökostrom-Vergütung ein, sowie Annahmen zur Ökostromproduktion und zur Entwicklung an der Strombörse. Die Verbraucher zahlen die Differenz zwischen dem für den Strom erzielten Preis und dem auf 20 Jahre garantierten Fördersatz.

Im Bundestag finden kommende Woche Anhörungen zu den Reformplänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) statt. Besonders umstritten ist, dass weiterhin Hunderte energieintensive Unternehmen umfassende Rabatte bei den Förderkosten für Wind- und Solarstrom bekommen. Zwar wird das System umgestellt, aber laut Gabriel wird das Rabattvolumen weiterhin rund fünf Milliarden Euro betragen. Der Zubau neuer Anlagen würde dank stetig gesunkener Vergütungssätze hingegen nur noch mit 0,2 bis 0,3 Cent pro Jahr zu Buche schlagen.

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erstellt am 27.Mai.2014 | 16:49 Uhr

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