Ökonom: Europa behutsam weiterentwickeln

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18. Juni 2014, 13:40 Uhr

Der Hamburger Ökonom Thomas Straubhaar (Foto) warnt davor, die Europäische Union schlecht zu reden. Das heutige gemeinsame Europa sei zwar weit davon entfernt, perfekt zu sein, sagte der gebürtige Schweizer gestern in Dortmund. „Aber es ist besser als alles, was Europa jemals hatte.“ Anders als von Kritikern behauptet sei der Euro auch nicht am Ende, sondern eine starke Währung: „Ganz offensichtlich kämpft die europäische Wirtschaft gegen die Folgen eines zu starken und nicht eines zu schwachen Euro.“ Straubhaar ist Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg und noch bis zum Herbst Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Straubhaar kritisierte, dass es nach der Europawahl eine Reihe radikaler Ideen zur Zukunft der EU gebe. Es werde wieder ideologisch gestritten über mehr oder weniger Nationalstaat oder ob es mehr Staat oder mehr Markt geben solle, sagte er vor der Generalversammlung der Bank für Kirche und Diakonie. Statt um „große neue Würfe“ müsse es aber „um kleine Schritte auf einem in vielen Jahren geschaffenen Wege gehen.“ Gefragt seien Realismus und Pragmatismus, so der 56-Jährige: „Die heutige Realität und nicht eine zwar schöne, aber illusionäre Wunschvorstellung muss den Kompass für europapolitische Entscheidungen liefern.“ Dabei müssten auch Kompromisse gefunden werden: „Ein Durchregieren von oben ist in Europa nicht möglich und mit Blick auf historische Erfahrungen auch nicht gewünscht.“

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