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Eröffnung einer Biomeierei in Mühlenrade : Öko-Schnecke: Das schwierige Geschäft der Bio-Bauern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der vielzitierte Öko-Boom ist relativ. Die Gründung einer Biomolkerei ist aber ein Zeichen, kommentiert Frank Albrecht.

„Der Öko-Landbau ist eine wichtige Säule der Land- und Ernährungswirtschaft.“ Das erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), als er im Juli den Startschuss für seine „Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau“ gab. Die ist auch dringend notwendig. Denn die „wichtige Säule“ sieht doch etwas klapprig aus, wenn man sie aus der Nähe betrachtet: Zwar meldet die Bio-Branche Wachstum, Discounter setzen auf Bio-Produkte, und die Nachfrage übersteigt zuweilen das Angebot. Und wenn ein Molkereikonzern wie Arla händeringend nach Bio-Milchbauern sucht, ist das ein deutliches Zeichen. Rosige Aussichten also für eine Agrarwende?

Nein, der vielzitierte Öko-Boom ist relativ. Inzwischen werden rund eine Million Hektar Agrarfläche von Bio-Bauern bewirtschaftet. Das aber entspricht lediglich 6,3 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. In Schleswig-Holstein sind es nicht einmal vier Prozent – Schneckentempo statt Boom. Da ist es noch ein weiter Weg bis zur 20-Prozent-Marke, die sich die Bundesregierung für 2020 zum Ziel gesetzt hat.

Das wirtschaftliche Risiko für einen Landwirt, der auf Bio umschalten will, ist sehr hoch. In den letzten drei Jahren haben Ökobetriebe erstmals seit der Jahrtausendwende weniger verdient als die konventionelle Konkurrenz. Und selbst bei einem Jahresumsatz von sieben Milliarden Euro ist der Biomarkt kein Massengeschäft. Längst nicht alle Supermarktkunden können für ihre Milch das Doppelte zahlen.

Es wird noch lange, sehr lange dauern, bis aus der wichtigen Säule eine wirklich tragende wird. Doch das sollte niemanden entmutigen. Wenn jetzt Bauern in Mühlenrade eine Molkerei gründen, um ihre Bio-Milch zu vermarkten, ist auch das ein deutliches Zeichen: weg von Massentierhaltung, weg von Hochleistungs-Turbo-Kühen. Projekte dieser Art sind unbedingt notwendig, um das Schneckentempo bei der Agrarwende zu forcieren.

Ob der Öko-Landbau allerdings jemals die knallharten Regeln des internationalen Lebensmittelmarktes, die von Großkonzernen und Spekulanten diktiert werden, durchbrechen kann, ist mehr als fraglich. Aber irgendwann und irgendwo muss der Anfang gemacht werden. Und sei es in Mühlenrade.

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erstellt am 24.Aug.2015 | 20:19 Uhr

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