Trotz Trockenheit : Obstbauern im Alten Land profitieren vom warmen Sommer

Zahlreiche Birnen hängen in einer Plantage an einem Birnenbaum.

Zahlreiche Birnen hängen in einer Plantage an einem Birnenbaum.

Die Ernte an der Niederelbe ist gut, aber früh – wer noch Sommerobst essen will, sollte sich beeilen.

shz.de von
17. Juli 2018, 13:10 Uhr

Jork | Während Getreidebauern wegen des trockenen Sommerwetters über Ernteausfälle klagen, ist die Stimmung bei den Obstbauern im Alten Land vor den Toren Hamburgs deutlich entspannter. „Wir hier im Alten Land haben den Riesenvorteil, dass wir den schweren Marschboden haben, der kann das Wasser sehr gut speichern“, sagte Dirk Köpcke von der Obstbauversuchsanstalt Jork. „Wenn man Wasser hat und Sonne, ist es fantastisch.“ Daneben gebe es aber auch Standorte in Norddeutschland, die unter dem trockenen Wetter leiden.

Grundsätzlich seien die Früchte in diesem Jahr rund zwei Wochen früher reif als üblich. Wer zum Beispiel noch frische Kirschen wolle, müsse sich beeilen. Die Qualität des Obstes sei gut, sagte auch Helwig Schwartau von der Agrar Informations-Gesellschaft (AMI) in Hamburg. „Wir haben im Norden seit Anfang Mai hochsommerliches Wetter. Da hat es durch Regen keinerlei Produktionseinbußen gegeben und auch keine Qualitätseinbußen.“ Normalerweise werden die letzten Kirschen Ende Juli und Anfang August geerntet – das verschiebt sich in diesem Jahr nach vorne.

Bei Erdbeeren bewegt sich der Preis derzeit zwischen 2 Euro und 4,50 Euro pro Kilo.
dpa

Bei Erdbeeren bewegt sich der Preis derzeit zwischen 2 Euro und 4,50 Euro pro Kilo.

 

Normalerweise seien die Obstanbaugebiete in Norddeutschland vom Reifegrad her immer die letzten in Europa. „Aber wegen der hochsommerlichen Temperaturen sind wir genauso früh dran wie in Süddeutschland, teilweise hatte man auch eine Überschneidung mit den Ländern im Mittelmeerraum.“ Preismäßig rangieren Kirschen derzeit zwischen 5 und 8 Euro pro Kilo, je nach Qualität.

Wasservorräte zur Beregnung fast aufgebraucht

Eine Superernte bestätigt auch Obstbauer Dirk Zabel aus Bennigsen in der Region Hannover. Am Dienstag endet bei ihm die Sauerkirschenernte, die einen Monat früher als gewöhnlich gestartet war. Allerdings muss er seine Plantagen beregnen und die Wasservorräte sind inzwischen fast aufgebraucht. Vergangene Woche habe es an zwei Tagen 30 Liter pro Quadratmeter geregnet, aber das reiche für die anstehende Apfelernte nicht aus – er brauche dringend noch mehr Niederschlag.

Auch Erdbeeren gebe es noch mit guter Qualität, sagt Schwartau. Je nach Qualität bewege sich der Preis derzeit zwischen 2 Euro und 4,50 Euro pro Kilo. Bei den Äpfeln rechnen Experten in diesem Jahr mit einer guten Ernte, allerdings nicht mit Rekordwerten. Die Blütezeit sei in diesem Jahr recht kurz gewesen, so dass nicht so viele Blüten bestäubt werden konnten. Prognosen sprächen von einer guten Erntemenge in ganz Europa.

Obstbauexperte Köpcke rechnet bei der Apfel-Ernte mit einer durchschnittlichen Ernte, aber einer sehr guten Qualität. „Bei allen Kulturen ist die Qualität eigentlich perfekt“, sagte er. Die Sonne führe dazu, dass die Früchte sehr viel Zucker bilden können.

Abseits des Alten Landes gebe es auch Regionen, wo die Böden sandiger und trockener seien. In der Regel hätten aber zum Beispiel Erdbeerbauern die Möglichkeit, zu bewässern. „Wenn man das gar nicht hat, kann man eigentlich keine Erdbeeren machen“, sagte Köpcke.

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