Nur jeder Zweite nutzt seine volle Pausenzeit aus

shz.de von
02. Juni 2014, 16:39 Uhr

Früher schellte in der Fabrik die Pausenglocke – und die Arbeiter ließen alles fallen. Inzwischen gibt es kaum Pausenglocken mehr – und oft auch keine festen Pausen. Nur jeder zweite Arbeitnehmer schöpft seine Auszeiten voll aus, jeder zehnte dagegen selten oder nie. Z u diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage für die Gewerkschaft Verdi.

Viele arbeiten durch – weil es zu viel zu tun gibt oder die Pause nicht in den Tag passt. Doch Hochleistungen seien so nicht zu erwarten, warnen Arbeitspsychologen. Das Image der Pause ist schlecht: Wer häufig zur Kaffeemaschine oder um den Block läuft, gilt nicht selten als faul. Doch das sei genau falsch gedacht, warnt Verdi-Chef Frank Bsirske: „Pausen bedeuten keineswegs fehlendes Engagement oder mangelnde Belastbarkeit“, sagt er. Ohne Pausen keine Leistung. Doch gerade Führungskräfte und Arbeitnehmer mit viel Leistungsdruck und Multitasking gönnen sich einer Erhebung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) zufolge nur selten die ihnen zustehende Auszeit. „Diejenigen, die die Pause am nötigsten haben, lassen sie am ehesten ausfallen“, schließt die Baua aus einer Umfrage unter 17 000 Beschäftigten. Regelmäßigere Auszeiten gibt es in Fertigungsberufen, in der Metall- oder Elektroindustrie. Hier geht häufiger noch das gesamte Team zugleich in die Pause. In anderen Berufen dagegen, das ergibt die Verdi-Erhebung – brechen viele ihre Pausen vorzeitig ab, um im Vergleich zu Kollegen nicht schlechter dazustehen. Jeder fünfte schöpft die ihm zustehende Zeit nicht aus – auch, weil ständig das Telefon klingelt oder E-Mails aufs Diensthandy flattern. Immerhin 13 Prozent haben das Gefühl, dass der Arbeitgeber Ruhepausen nicht zulässt. Mehr als jeder Dritte gibt dagegen an, selbst lieber durchzuarbeiten.

Doch Erholungsphasen, so Experten, lassen sich nicht aufschieben. Je länger die Erholung aufgeschoben werde, desto größer sei die Erschöpfung, warnen Arbeitsschützer. Der Tipp: „Kürzer, dafür öfter Pause machen.“

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