Hoffnung auf Regen : Niedrigwasser im Rhein lässt auch Tankstellen leerlaufen

Ein Tankschiff fährt an einem Schiffsfestmacher vor der Schleuse Friedrichsfeld vorbei.
Ein Tankschiff fährt an einem Schiffsfestmacher vor der Schleuse Friedrichsfeld vorbei.

Eine Tankstelle ohne Benzin? Für manchen Autofahrer ist das momentan Realität. Weil im Rhein kaum noch Wasser ist, gerät die Transportkette durcheinander. Da bleibt nur die Hoffnung auf Regen.

shz.de von
07. November 2018, 15:20 Uhr

Die Fahrt zur Tankstelle wird in diesen Tagen für viele Autofahrer zum Ärgernis - nicht nur wegen der hohen Spritpreise. Einzelne Tankstellen mussten den Verkauf von Benzin oder Diesel zeitweise sogar ganz einstellen.

Ihnen war der Sprit ausgegangen, wie Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT) in Bonn, sagte. Meist bekomme die Tankstelle aber nach einigen Stunden oder am nächsten Tag Nachschub. Grund für die Lieferengpässe sei vor allem der niedrige Rheinpegel, sagte ein Sprecher des Tankstellen-Branchenführers Aral in Bochum.

«In den Tanklagern entlang des Rheins kommt nicht genug Treibstoff an, weil die Tankschiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin und Diesel transportieren können», sagte er. Die Transportkapazität der Schiffe sei nur zu einem Teil durch Lastwagen zu ersetzen.

Welche Tankstelle es treffe, sei nicht vorhersehbar, sagte BFT-Geschäftsführer Zieger. «Das ist wie bei einem Gewitter. Da weiß man auch nicht, wo der Blitz einschlägt.» In Deutschland werden pro Monat etwa 3 Millionen Tonnen Diesel abgesetzt.

Der Reformationstag und Allerheiligen in der vergangenen Woche hätten die Situation zusätzlich erschwert, weil Feiertagsfahrverbote für Lastwagen gegolten hätten, sagte der Aral-Sprecher weiter. Das Unternehmen arbeite mit Hochdruck an der Lösung der Logistik-Probleme.

Das Wirtschaftsministerium hatte am 24. Oktober Teile der nationalen Ölreserve entlang der Rheinschiene freigegeben - und zwar 70.000 Tonnen Benzin, 150.000 Tonnen Diesel und 56.000 Tonnen Kerosin. Die Bestände werden nach der Freigabe den Mitgliedsunternehmen des Erdölbevorratungsverbandes (EBV) angedient, einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft mit Sitz in Hamburg. Die Mitglieder - das sind Unternehmen der Mineralölwirtschaft - entscheiden selbst, ob sie die Mengen abnehmen wollen oder nicht.

Der EBV war in den Zeiten der Ölkrisen in den 1970er Jahren eingerichtet worden, um eine mögliche Unterbrechung der Ölversorgung abzufedern. Er hält Rohöl und Ölprodukte vor, die ausreichend sind, um Deutschland 90 Tage lang zu versorgen, insgesamt rund 24 Millionen Tonnen. Bislang wurde nur sehr selten auf die Reserven zurückgegriffen, zuletzt während der Libyen-Krise 2011. Noch nie wurden die Bestände genutzt, um logistische Versorgungsprobleme in einer einzelnen Region zu überbrücken.

Auch das Tankverhalten der Autofahrer spielt nach Angaben von BFT-Geschäftsführer Zieger eine Rolle beim Spritmangel. «Sie tanken aus Furcht vor einem leeren Tank früher als üblich.» Dadurch würden auch die Tanks der Tankstellen schneller leer. «Das löst dann oft einen Dominoeffekt aus», sagte Zieger. «Wer an der ersten Tankstelle kein Benzin bekommt, fährt zu nächsten weiter. Und die kann dann auch leerlaufen.»

Der Mineralölwirtschaftsverband nennt einen weiteren Grund für die Versorgungslücken: die Explosion in einer Raffinerie im bayerischen Vohburg an der Donau im September. Der dortige Produktionsausfall verschärfe die Situation in Süddeutschland, sagte ein Sprecher. Die Freigabe von Kraftstoff aus der deutschen Erdölreserve habe zu keiner durchgreifenden Verbesserung der Lage geführt.

Eine durchgreifende Entspannung bei der Versorgung der Tankstellen mit Benzin und Diesel werde es nur bei steigenden Wasserständen geben. Vorher sei auch wegen der derzeit deutlich höheren Transportkosten kaum mit einem Rückgang der Preise zu rechnen.

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