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Nie gekanntes Chaos am Flughafen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Streik trifft Fuhlsbüttel: Erstmals musste der Airport wegen Überfüllung geschlossen werden / Von 203 Abflügen wurden 160 gestrichen

Streik-Routine haben Mitarbeiter und Kunden des Hamburger Flughafens wahrlich genug. Doch was der 24-Stunden-Ausstand des Sicherheitspersonals gestern in Fuhlsbüttel auslöste, hat selbst die Profis mit dem ganz dicken Fell überrascht. „Das ist katastrophal. So voll habe ich die Terminals noch nie gesehen“, gestand die langjährige Airport-Sprecherin Stefanie Harder. Das war gegen 9 Uhr, auf dem ersten Höhepunkt des Warnstreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi die 400 Bediensteten der Personen- und Handgepäckkontrolle aufgerufen hatte. Verdi-Verhandlungsleiter Peter Bremme war schon am Morgen hoch zufrieden: „Die Streikbeteiligung ist grandios. Auch die Bodenverkehrsdienste haben sich solidarisch gezeigt und mitgemacht.“ Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne.

Vor den Terminals herrschte derweil das nackte Chaos. Trotz der Verdi-Ankündigung 24 Stunden vor Beginn der Aktion waren Tausende Reisende schon zu nachtschlafender Zeit nach Fuhlsbüttel gekommen: Solche, die von der Streikwarnung offenbar nichts mitbekommen hatten. Aber auch solche, die hofften, durch rechtzeitiges Erscheinen ihre Maschine doch zu erwischen. Für die allermeisten Reisenden blieb das ein fataler Irrtum. Weil der Großteil der Mitarbeiter des zentralen Sicherheitsbereichs bereits um 0 Uhr die Arbeit niedergelegt hatte, ging selbst für Frühaufsteher kaum etwas. Nur drei der 24 Kontrolllinien waren am Morgen geöffnet. Schnell bildeten sich quer durch beide Terminals lange Schlangen vor dem Checkpoint und den Info-Schaltern der Airlines. Schon um 5 Uhr twitterte der Flughafen: „Wartezeit: zwei Stunden.“ Wenig später waren es vier bis fünf.

Wer es doch durch das Nadelöhr geschafft hatte, dessen Maschine war zumeist schon weg. Stefanie Harder: „Die Fluggesellschaften können mit dem Abflug nicht lange warten.“ Den größten Teil der Starts hatten die Airlines angesichts der aussichtslosen Lage ohnehin aus dem Flugplan genommen. Am späten Nachmittag waren etwa 160 von 203 geplanten Abflügen gestrichen.

Gegen 7.30 Uhr erreichte das Chaos ein für Fuhlsbüttel beispielloses Ausmaß. Erstmals in seiner Geschichte musste Deutschlands viertgrößter Flughafen wegen Überfüllung geschlossen werden. Polizeibeamte postierten sich vor den gläsernen Drehtüren und versperrten den Zutritt – für mehr als zwei Stunden. Ein Polizeisprecher: „Aus Sicherheitsgründen war das unumgänglich.“ Vor den Terminals stauten sich Passagiere mit ihrem Gepäck in Regen und Kälte. Drinnen war es warm und trocken, sonst aber kaum angenehmer. Endlosschlangen, dazwischen Kofferstapel. Airport-Mitarbeiter brachten Getränke und Stühle, die Kinder trösteten sich mit Lollies. Die Feuerwehr rückte mit einem Rettungscontainer an und versorgte Menschen mit gesundheitlichen Problemen wie einige Fällen von Kreislaufschwäche.

Die vage Hoffnung auf eine Entspannung der Lage zerschlug sich am Mittag. Nach dem Schichtwechsel an den Kontrollstellen waren sogar noch weniger Mitarbeiter als zuvor im Einsatz. Den Nachmittag über mussten sich die Passagiere durch eine einzige Kontrolllinie quälen. Die Folge: Gegen 16 Uhr wand sich eine Warteschlange von einem halben Kilometer durch die Abflughallen. Der Warnstreik endete um Mitternacht. Für heute erwartet der Airport eine Rückkehr zur Normalität, rät aber: „Bitte früher kommen, weil mit erhöhtem Passagieraufkommen zu rechnen ist.“

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