Neuer Chef für die Flensburger Werft

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03. Juni 2014, 15:31 Uhr

Die Feuerwehr ist da! Mit der Ablieferung der letzten „klassischen“ RoRo-Fähre „Istanbul“ im April vergangenen Jahres beendete die Flensburger Schiffbau Gesellschaft als Weltmarktführer ihren erfolgreichen Großserienbau in der RollOnRollOff-Nische und begann das nächste Kapitel – den Bau von Spezialschiffen. Die erste Bilanz ist selbstkritisch. „Wir haben reichlich Lehrgeld bezahlt“, sagt Frank Bywater. „Aber wir haben für das Geld auch viel gelernt.“ Zum Beispiel, dass zwei Kapitäne auf der Unternehmensbrücke manchmal besser sind als einer. Bywater verantwortet seit 1. Mai den technischen Bereich des Unternehmens: Planung, Fertigung, Konstruktion, Qualitätskontrolle und Projektmanagement. Peter Sierk, bis dahin alleiniger Geschäftsführer, kümmert sich um die kaufmännische Seite.

Die FSG kennt der gebürtige Brite aus dem Effeff. Bywater verantwortete als Planungsleiter zwischen 1992 und 2005 den Aufstieg der Werft zum RoRo-Weltmarktführer. Davor hatte der Mann aus Birmingham in Newcastle Schiffbau studiert und in Kopenhagen bei Burmeister & Wain in verantwortlicher Position gearbeitet; nach seinem ersten FSG-Engagement war er weltweit als freiberuflicher Berater unterwegs. Als FSG-Chef Peter Sierk anrief, brauchte Bywater nicht lange überlegen. „Ich bin in den letzten Jahren so viel in der ganzen Welt herumgeflogen, das war schon eine angenehme Aussicht, in Flensburg zu arbeiten.“ Zumal Bywater und Familie seit über 20 Jahren in Harrislee zu Hause sind.

Bywaters Aufgabe wird sein, die FSG neu zu justieren. „Wir hatten einen sehr harten Winter“, sagt er. „Vier Prototypen in einem Jahr bei vollem Durchsatz, das war ein extremes Bauprogramm. Dann kam Sturm ‚Christian‘, und schließlich hat Murphys Law auch noch mitgespielt“, so Bywater.

Die hohen technischen Anforderungen der ungleich komplexeren, parallel entstehenden Neubauten – u.a. zwei Dockschiffe für schwimmend aufgenommene Fracht, ein Forschungsschiff, ein kombiniertes Frachtschiff für rollende und Container-Ladung (ConRo) – brachten das Projektmanagement über die Grenzen des Machbaren hinaus. „Da waren wir dann nicht mehr stark genug“, räumt Bywater ein. Und auch die Zulieferer nicht. Die Folgen waren teuer: Alle vier Neubauten kämpften mit technischen Problemen, die in Boston und Odense im Dock nachgebessert werden mussten. All das lässt sich noch im Bilanzposten Lehrgeld unterbringen. „Wir haben keine Strafen gezahlt. Aber wir haben auch nicht viel verdient.“

Für den technischen Direktor ist das jetzt Vergangenheit. Bywater blickt nach vorn. „Es war zwischenzeitlich wirklich sehr dunkel, aber jetzt sieht es gut aus.“ Der jüngste Neuauftrag aus Melbourne – ein innovatives Gas-betriebenes RoRo–Schiff der zweiten Generation – ist nur ein Aspekt. Wichtig ist vor allem, dass die FSG offenbar trotz aller Widrigkeiten Qualität abgeliefert hat. „Alle Schiffe sind technisch sehr gut, die Kunden sehr zufrieden.“ Gestern wurde das Forschungsschiff „Amazon Warrior“ abgenommen und zur Endausrüstung abgeliefert, nächste Woche folgt die „Rolldock Storm“, am 12. Juni ist der Stapellauf des zweiten Forschungsschiffes.

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