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Beschäftigungssituation in Deutschland : Neue Zahlen: Weniger Vollzeit, mehr Teilzeit und prekäre Beschäftigung

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Die Zahl der Vollzeit-Stellen ist seit der Jahrtausendwende auch in Schleswig-Holstein deutlich zurückgegangen.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 07:00 Uhr

Berlin/Kiel | Kommende Woche wird die Bundesagentur für Arbeit die neuesten Zahlen zur Beschäftigungssituation in Deutschland vorlegen. In den vergangenen Jahren folgte Rekord auf Rekord, die offizielle Arbeitslosenzahl ging immer weiter zurück, die Zahl der Beschäftigten stieg. So haben heute mehr Menschen in Deutschland einen Job als jemals zuvor. Allerdings geht die Zahl der Vollzeitstellen offenbar immer weiter zurück – stattdessen legen Teilzeit-Jobs und prekäre Beschäftigung stark zu.

So geht es zumindest aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die dem sh:z vorliegt. Demnach liegt die Zahl der Vollzeitstellen heute bereits wieder niedriger als noch zur Jahrtausendwende. So ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten unter den abhängig Beschäftigten um 3,2 Prozent zurück. Ihr Anteil an den sogenannten Kernerwerbstätigen (zwischen 15 und 64 Jahre alt und nicht in Ausbildung oder Wehr- oder Freiwilligendienst) ging von 66 Prozent auf 59,3 Prozent zurück.

Die Entwicklung in Schleswig-Holstein war in dieser Zeit ähnlich. So gab es nach den Zahlen der Bundesregierung 2015 rund 10.000 Vollzeitbeschäftigte in Schleswig-Holstein weniger als noch 15 Jahre zuvor. In derselben Zeit stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten im Land, die mehr als 20 Stunden arbeiten, um 58.000. Gab es zur Jahrtausendwende noch 71.000 Menschen, die in Teilzeit beschäftigt waren, so galt dies zuletzt für mehr als 129.000.

Die Linke sieht in den Zahlen vor allem das Ergebnis einer verfehlten Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik. Nach ihrer Einschätzung habe die Agenda 2010 „vor allem die Exporte gesteigert – zu Lasten der anderen Partner der europäischen Union“. Zu einer Stimulierung der Konjunktur insgesamt sei es ihm zufolge aber nicht gekommen; und auch nicht zu den von der Bundesregierung oft betonten Effekten am Arbeitsmarkt. „Das angebliche Beschäftigungswunder entpuppt sich als reine Umschichtung auf dem Arbeitsmarkt: weniger Vollzeit, mehr Teilzeit, Minijobs und Leiharbeit“, sagte der Linken-Abgeordnete Klaus Ernst.

Dabei trifft die Teilzeit-, aber auch die atypische Beschäftigung dem Zahlenwerk zufolge vor allem Frauen. Mit einem Anstieg von 1,6 auf drei Millionen hat sich die Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen, die mehr als 20 Wochenstunden arbeiten, in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Auch bei den Frauen mit einer Teilzeitbeschäftigung, in der weniger als 20 Stunden pro Woche gearbeitet wird, ist deutlich gestiegen. Bei der Vollzeitbeschäftigung hat sich indes nur wenig getan. Sie ging leicht von 7,47 auf 7,34 Millionen zurück.

In Schleswig-Holstein arbeiten so heute 6000 Frauen mehr in Vollzeit als noch zur Jahrtausendwende. Doch dafür gehen 48.000 Frauen mehr zwischen Nord- und Ostsee einer Teilzeitbeschäftigung nach.

Eine andere Zahl aus der Antwort der Bundesregierung verdeutlich besonders drastisch, welchen Bedeutungszuwachs die Teilzeit erlebt hat – der Anteil der Teilzeit am gesamten Arbeitsvolumen. Er ist bundesweit von 13,4 Prozent auf 21,7 Prozent gestiegen. 

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