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Strompreis : Netzentgelte sollen gerechter auf Stromverbraucher verteilt werden

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Aus der Onlineredaktion

Der Bundestag stimmte dafür, die Netzentgelte gleichmäßiger auf Kunden und Unternehmen zu verteilen.

Berlin/Kiel | Stromkunden in Ost- und Norddeutschland können mittelfristig mit niedrigeren Preisen rechnen, im Gegenzug könnte es im Westen und Süden teurer werden. Der Bundestag hat am Freitag ein Gesetz verabschiedet, um die Netzentgelte für Kunden und Unternehmen bundesweit gleichmäßiger und gerechter zu verteilen. Die schrittweise Anpassung soll 2019 in Kraft treten und dann in Jahres-Schritten erfolgen, so dass Anfang 2023 bundesweit ein einheitliches Niveau erreicht wird.

Schleswig-Holstein hatte sich zusammen anderen Bundesländern mit einer Bundesratsinitiative für die Reform eingesetzt. So zahlen bislang Stromkunden in Lübeck oder Erfurt deutlich mehr Übertragungsnetzentgelte pro Kilowattstunden als Stromkunden in Tübingen oder Wuppertal. Für das Kieler Energiewendeministerium ist das ungerecht und nicht vermittelbar.

Die große Koalition hatte die Neuregelung vor allem den neuen Ländern zugesagt. Union und SPD verständigten sich dann am Dienstag praktisch in letzter Minute noch auf einen Zeitplan für die Angleichung der Netzentgelte. Diese machen rund ein Viertel der Stromkosten aus. Vor allem in Ost- und Norddeutschland sind sie hoch – dort wird viel Ökostrom produziert, die Netze sind aber unzureichend ausgebaut und teurer als anderswo. Die Netzkosten fallen pro Kunde umso höher aus, je dünner ein Versorgungsgebiet besiedelt ist.

Auch Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck hatte sich für das neue Gesetz in Berlin stark gemacht. Er begrüßte die Reform am Freitag als Erfolg für Schleswig-Holstein: „Es ist schlicht ein Gebot der Fairness. Die Menschen und die Unternehmen in Schleswig-Holstein werden davon profitieren“, sagte Habeck in Kiel. Dem Energiewendeminister geht die Umsetzung allerdings zu langsam. „Es ist unsinnig, dass Stromkunden vor allem im Norden und Osten der Republik noch bis 2022 warten müssen, bis es endlich gleiche Übertragungsnetzentgelte gibt. Wir hätten uns da deutlich mehr Tempo gewünscht.“

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) bedauerte, das Netzentgeltmodernisierungsgesetz greife nur Ausschnitte einer gänzlich zu modernisierenden Systematik auf. Die Reform schaffe nun aber immerhin „auch für die Anlagenbetreiber in der Industrie Investitions- und Planungssicherheit“, hieß es.

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erstellt am 30.Jun.2017 | 16:05 Uhr

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