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Börse in Frankfurt : Nach den Terroranschlägen: Dax dreht nach Anfangsverlusten ins Plus

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Die Anschläge in Paris haben die Börsen nur kurz belastet.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2015 | 11:29 Uhr

Frankfurt am Main | Die Terroranschläge in Paris haben den deutschen Aktienmarkt am Montag kaum belastet. Der Dax schüttelte seine Startverluste schnell ab und drehte nach etwas mehr als einer Handelsstunde wieder ins Plus. „Auch wenn die schrecklichen Anschläge in Paris politisch ihre Fußabdrücke hinterlassen könnten, dürfte der Fokus an den Börsen schnell wieder zur Geldpolitik übergehen“, sagte Analyst Andreas Paciorek vom Wertpapierhändler CMC Markets. Zuletzt gewann der deutsche Leitindex 0,20 Prozent auf 10 730,06 Punkte.

Bei der beispiellosen Anschlagsserie der drei Terrorkommandos in Paris waren am Freitag mindestens 132 Menschen getötet worden, gut 350 wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten der minutiös geplanten Terrorserie ist mindestens ein Deutscher. Die Massaker waren nach Ermittlungen eine Aktion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Der MDax mittelgroßer Werte stieg um 0,38 Prozent auf 20.596,82 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax legte um 0,23 Prozent auf 1788,04 Punkte zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schaffte es ebenfalls ins Plus.

Volkswirtschaftlich sollten die Auswirkungen der Terrorattacken in der französischen Hauptstadt begrenzt und kurzfristig bleiben, sagte Analyst Malcolm Barr von der US-Bank JPMorgan voraus. Unter Druck gerieten vor allem Branchen, die direkte Folgen des Terrors zu spüren bekommen - etwa Flug- und Touristikunternehmen oder Versicherungen. Besonders schwer traf es die Aktien der Lufthansa. Sie waren mit einem Minus von gut 3 Prozent Schlusslicht im deutschen Leitindex.

Allianz-Anteile und Munich-Re-Papiere verloren ein Dreiviertel Prozent. Die Aktien des Versicherers Talanx waren mit einem Verlust von fast 1,5 Prozent weit unten im MDax zu finden. Die Anteilsscheine des Billigfliegers Air Berlin sackten um gut 2 Prozent ab.

Die Aktien von Rheinmetall setzten sich indes mit einem Plus von fast 3 Prozent an die MDax-Spitze. Nach den Ereignissen vom vergangenen Freitag in Paris müsse auch mit einem stärkeren militärischen Einsatz im Nahen Osten gerechnet werden, sagte Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Alle europäischen Staaten hätten ihre Solidarität mit Frankreich bekundet. Dies könne dann auch eine Ausweitung auf dem militärischen Gebiet und weitere Investitionen in neue Waffen nach sich ziehen.

Dax-Spitzenreiter war ThyssenKrupp mit einem Plus von fast 3 Prozent. Ein positiver Analystenkommentar beflügelte auch die Titel des Maschinenbauers Aixtron, die um gut 3 Prozent zulegten.

Die Börse in Paris hat am Montag ohne größere Einbußen auf die Terrorangriffe reagiert. Zwar starteten die Aktien im französischen Leitindex Cac 40 schwach, bereits im frühen Handel schmolzen die Verluste aber auf 0,11 Prozent zusammen. Der Index stand am Vormittag bei 4802,67 Punkten, zu Beginn war er noch um 1,18 Prozent abgesackt.

Größter Verlierer im Cac 40 waren die Papiere der Hotelkette Accor, die um 5,88 Prozent absackten. Ein Hotel des Konzerns musste Berichten zufolge am Samstag nach einem Bombenalarm kurz evakuiert werden. Dieser hatte sich als Fehlalarm erwiesen. Nach den Attentaten mieden Anleger auch Aktien von Luxuskonzernen: Die Titel des Puma-Mehrheitseigners Kering büßten 1,57 Prozent ein, für LVMH (Louis Vuitton, Bulgari, TAG Heuer, Hennessy) ging es um 1,79 Prozent nach unten.

Die Antwort des französischen Staates auf die Terroranschläge werde wohl in zusätzlichen Ausgaben für die Polizei und das Militär bestehen, schrieb Volkswirt Holger Schmieding von der Privatbank Berenberg. Kurzfristig jedoch dürfte sich dies wohl kaum auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auswirken. Derweil könnte die Notwendigkeit, auf diese ernste Herausforderung zu reagieren, zu einem etwas höheren Haushaltsdefizit führen.

Auch Volkswirt Malcolm Barr von der US-Bank JPMorgan sieht keine großen wirtschaftlichen Auswirkungen, falls die Anschläge nicht der Auftakt zu einer ganzen Terrorserie seien. Umsatzrückgänge im Einzelhandel, im Tourismus oder in der Reisebranche könnten zumindest teilweise durch steigende Ausgaben in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

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