Bericht über Einflussnahme auf Wissenschaftler : Monsanto will ein Glyphosat-Verbot verhindern

Meistverkauft und hochumstritten: Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup.
Foto:

Meistverkauft und hochumstritten: Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem Inhaltsstoff Glyphosat.

Die Initiative „Stoppt Glyphosat“ hat analysiert, wie Saatguthersteller Monsanto ein Glyphosat-Verbot verhindern will.

shz.de von
22. März 2017, 11:08 Uhr

Wien | Am Donnerstag veröffentlicht die europäische Bürgerinitiative „Stoppt Glyphosat“ einen rund hundert Seiten umfassenden Report mit dem Titel „Glyphosat und Krebs – Gekaufte Wissenschaft“. Die Analyse soll unter anderem aufzeigen, wie der US-Saatgutkonzern Monsanto aktiv daran beteiligt war, dass das Unkrauftvernichtungsmittel weiter verwendet werden darf. Wie die „Süddeutsche“ online berichtet, soll Monsanto gezielt Mittel und Strategien einsetzen, um ein mögliches Verbot in Europa zu verhindern.

Monsanto, der von Bayer übernommen werden soll, fürchtet um seinen Unkrautvernichter. Denn obwohl die Patente für Glyphosat ausgelaufen sind, sind viele gentechnisch veränderte Pflanzen, die der Saatgutriese verkauft, auf das Mittel abgestimmt. Die europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat will ein Verbot erwirken. Die Zulassung für Glyphosat in der EU läuft Ende des Jahres aus. Bis dahin müssen die EU-Staaten in einem Expertengremium entscheiden, ob das Pestizid in die Verlängerung geht, oder nicht.

Ein Mittel ist die Expertise von Fachleuten. Diese sollen unabhängig und auf wissenschaftlicher Basis prüfen, ob Glyphosat etwa Krebs auslösen oder das Erbgut schädigen kann. Das Problem: Viele vorherige Studien, die das Herbizid als unbedenklich deklarierten, stammen von Forschern, die laut Report Interessenskonflikte haben. Einige stehen dabei in enger Verbindung zu Monsanto. Sie sind daher womöglich nicht unabhängig in ihrem Urteil.

Für Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei Global 2000, ist Glyphosat weiterhin krebserregend und gehört daher verboten. Der gemeinsam mit Peter Clausing und Claire Robinson verfasste Report enthält zum Teil bekannte Argumente der Glyphosat-Gegner. Die Thematik hat aber an Brisanz gewonnen – nicht zuletzt, weil die Zulassung in Europa in diesem Jahr ausläuft.

Auch in den USA publik gewordene Emails von Monsanto sorgen für Aufregung. Denn diese „legen den Verdacht nahe, dass Monsanto offenbar versucht hat, auf Studien einzelner Forscher Einfluss zu nehmen“, schreibt die „Süddeutsche“. Dass die Studien von den EU-Behörden Efsa und Echa unter anderem für eine neue Risikobewertung herangezogen wurden, erhöht die Brisanz. Beide Behörden geben Entwarnung und schließen sich damit dem Urteil der Industrie an. Monsanto wäre am Ziel.

Die Europäische Chemikalien Agentur ECHA hatte das Mittel im März in einem neuen Gutachten als nicht krebserregend eingestuft. Die Echa-Experten stuften das umstrittene Mittel weiter allerdings als eine Substanz ein, die die Augen ernsthaft schädige und giftig für Organismen im Wasser sei.

Was allerdings auch auffällt ist, dass die Krebsforscher (IARC) der Weltgesundheitsorganisation vor zwei Jahren genau das Gegenteil feststellten. Dort hieß es 2015, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“. Dagegen hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei einer Untersuchung 2014 nach eigenen Angaben keine solchen Hinweise gefunden. Auch Monsanto betont: „Toxikologische Langzeitstudien an Ratten und Mäusen haben gezeigt, dass auch eine dauerhafte Verabreichung von Glyphosat das Krebsrisiko nicht erhöht.“

Monsanto will das IARC-Urteil seither entkräften. So haben Mitglieder eines vom Konzern zusammengestellten Experten-Panels gleich in mehreren Artikeln Kritik an dem Report geäußert. Laut Monsanto alles profillierte Experten ihres Fachgebiets. Zwölf von 16 Mitgliedern haben laut Global-2000-Bericht allerdings zuvor bei Monsanto als Berater gearbeitet oder waren sogar im Konzern angestellt. Interessenskonflikte gebe es auch bei anderen Autoren. Laut „Süddeutsche“-Bericht ist die Diskrepanz zwischen unabhängigen Studien und denen der Industrie im Fall Glyphosat besonders auffällig.

Die Autoren von „Glyphosat und Krebs – Gekaufte Wissenschaft“ sehen in den Publikationen der Industrie schwere Mängel. So sollen unter anderem relevante Daten weggelassen worden sein und irrelevante wurden präsentiert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen