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Mittelstand meidet die Banken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holsteins Betriebe wollen für Investitionen kein Fremdgeld

„Kreditklemme“ – das war einmal. Inzwischen hat sich das Blatt um 180 Grad gewendet: Heute preisen Banken und Sparkassen ihr Geld wie Sauerbier an, doch die Unternehmen wollen nicht zugreifen. Bei einer Umfrage der Commerzbank bei mittelständischen Unternehmen im Norden antworteten 75 Prozent der Befragen: „Wir versuchen Investitionen möglichst ohne Fremdkapital von Banken und Sparkassen zu tätigen“. Im Bundesschnitt gaben diese Antwort nur 66 Prozent. Das Verhalten sei symptomatisch für die schleswig-holsteinischen Firmen, erklärte gestern Uwe Borges, verantwortlich für das Mittelstandsgeschäft der Commerzbank in Schleswig-Holstein und Hamburg: Die Eigenkapitalquote vieler Unternehmen sei inzwischen recht ordentlich und der Mittelstand „insgesamt in guter Verfassung“. Allerdings drücke sich in dem Bestreben, möglichst wenig Kredite aufzunehmen, auch „eine gewissen Investitionszurückhaltung“ aus. „Es ist zwar sehr erfreulich, dass sich immer mehr Betriebe von reinem ‚Fahren auf Sicht‘ verabschiedet haben und die Krisenjahre hinter sich lassen“, so Boges. Es stelle sich jedoch die Frage, wann und wie sich dies in konkretem Handeln niederschlägt. Bedauerlich sei, dass die meisten Nord-Unternehmen nicht auf globale Megatrends aufspringen. So versprechen sich nur 12 Prozent der hiesigen Unternehmen von der Energiewende ein positives Geschäftspotenzial, bundesweit waren es 20 Prozent. „Der heimische Mittelstand ist mehr auf Substanzerhalt denn auf Wachstum und Innovation aus“, so Borges Analyse. Er fordert mehr Mut: „Der Norden muss aufpassen, wichtige Innovationsthemen nicht zu verpassen“, so sein Ratschlag. Vor allem gelte es, die Kooperation zwischen Firmen und Hochschulen zu intensivieren.

Ungenutzten Spielraum sieht Borges auch bei der Vertiefung der Wertschöpfungsketten. „Da steckt noch viel Musik drin, und da ist Profilbildung möglich.“ Als Investitionsbarrieren nannten die befragten Mittelständler an erster Stelle und deutlich häufiger als ihre Kollegen in anderen Bundesländern den Mangel an geeigneten Fachkräften. Komplizierte Genehmigungsprozesse wurden hingegen seltener genannt als im Rest der Republik.

Und auch durch unsichere gesetzliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sehen sich die Nordlichter weniger gestört als andere. Selbst die Unruhen in der Ukraine haben sich bislang noch nicht wirtschaftlich niedergeschlagen, versicherte die Commerzbank. Interessant auch: Investieren wollen die meisten Unternehmen (75 Prozent) in ihre Computertechnik. Das Interesse an Beteiligungen an anderen Unternehmen ist hingegen mit 17 Prozent gering. Logisch, dass angesichts der Arbeitskräftemangels auch die Personalentwicklung einen hohen Stellenwert hat.

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erstellt am 16.Mai.2014 | 13:50 Uhr

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