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Finanzen der Kreise in SH : Mittelschicht rutscht in die Schuldenfalle

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Trotz guter Konjunktur können immer mehr Menschen in Deutschland ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Bei 6,9 Millionen Deutschen übersteigen die Ausgaben die Einnahmen.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 06:22 Uhr

Düsseldorf/Kiel | Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosenzahl ist auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken – und dennoch können immer mehr Menschen in Deutschland ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Nach dem gestern  veröffentlichten „Schuldneratlas Deutschland“ der Wirtschaftsauskunftei Creditreform stieg die Zahl der überschuldeten Personen in der Bundesrepublik in diesem Jahr um rund 65.000 auf über 6,9 Millionen.

Überschuldungsquote in den Kreisen und ihr Platz im Bundesweiten Vergleich:

Rang Kreis/kreisfreie Stadt Quote
92 Stormarn 7,63
171 Plön 8,95
202 Rendsburg-Eckernförde 9,41
214 Pinneberg 9,60
222 Nordfriesland 9,82
225 Segeberg 9,86
244 Herzogtum Lauenburg 10,17
276 Ostholstein 10,62
278 Schleswig-Flensburg 10,64
342 Kiel 12,16
344 Steinburg 12,18
359 Dithmarschen 12,78
380 Lübeck 15,04
390 Flensburg 16,21
397 Neumünster 17,80

Eine Übersicht bis auf Gemeindeebene finden Sie hier.

Bei gut jedem zehnten Erwachsen sind demnach die Gesamtausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen. Dass die Überschuldungsquote leicht gefallen ist – von 10,06 auf 10,04 Prozent –, erklären die Forscher mit einer wachsenden Bevölkerung. Dabei ist Überschuldung längst nicht mehr allein ein Problem der Bundesbürger mit geringem Einkommen. Im Gegenteil: In diesem Jahr stammten laut Creditreform praktisch alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht. Die Zahl der Fälle aus den „gehobeneren Schichten“ und den „unteren Schichten“ habe dagegen leicht abgenommen, so die Forscher. 

Gerade für die Betroffenen aus der Mittelschicht ist es aber sehr schwer, mit den persönlichen und sozialen Auswirkungen der Überschuldung umzugehen, so das Ergebnis einer Studie der Universität Duisburg-Essen. Denn Überschuldung gelte in der Mittelschicht als Stigma.

Arbeitslosigkeit ist oft Grund für Schulden

Die Folge sei häufig eine – oft aufgrund von Scham –  selbst gewählte soziale Isolation der Betroffenen. Die Gründe für den Sturz in die Überschuldung haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Konjunktur spürbar verändert. Zwar ist nach wie vor Arbeitslosigkeit der Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, wie das Statistische Bundesamt herausfand.

Doch ganz so dominierend wie noch vor einigen Jahren ist das Thema Arbeitsplatzverlust in Zeiten des Fachkräftemangels nicht mehr. Stattdessen gewannen in den letzen Jahren Erkrankungen, Suchtprobleme und Unfälle, aber auch unwirtschaftliche Haushaltsführung immer größere Bedeutung als Auslöser für Überschuldungsfälle.

Überdurchschnittlich stark zugenommen hat  erneut die Altersüberschuldung. Vier von fünf neuen überschuldeten Personen seien in diesem Jahr älter als 50.  Das Gesamtvolumen der Schulden bezifferten Creditreform auf rund 209 Milliarden Euro. 

Der Kreis  mit der geringsten Überschuldungsquote  in Schleswig-Holstein ist Stormarn (7,63). Das ist Platz 92 bei 401 untersuchten Kreisen und kreisfreien Städten. Neumünster weist die höchste Überschuldungsquote im Land auf – mit 17,80 Prozent. In dem bundesweiten Ranking ist das Platz 397. Kreis Pinneberg liegt mit einer Überschuldungsquote von 9,6 Prozent im Mittelfeld auf Platz 214.

mit dpa

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