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„Papst-Airline“ : Mitarbeiter-Referendum zur Rettung von Alitalia scheitert

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Das Rettungsprogramm sah drastische Sparmaßnahmen vor. Die Airline steht jetzt vor dem Aus.

Rom | Die italienische Krisen-Airline Alitalia steht vor der Pleite. In einem Referendum stimmte eine große Mehrheit der Mitarbeiter gegen einen mit der Regierung und Gewerkschaften ausgehandelten Rettungsplan der ehemaligen Staatsairline. Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni hatte gewarnt, falls der Plan scheitere, könne Alitalia nicht überleben. Das Unternehmen mit rund 12.500 Mitarbeitern steckt seit mehr als 20 Jahren in der Krise. Die Mitarbeiter wollten den drastischen Sparmaßnahmen aber nicht zustimmen.

Die Fluggesellschaft hat vor allem mit Billigfliegern zu kämpfen, die auf den italienischen Markt gedrängt sind und mit der Konkurrenz von Schnellzügen innerhalb Italiens. Die Übernahme von 49 Prozent der Anteile durch die arabische Fluggesellschaft Etihad sollte den Neustart bringen. Doch die Beteiligung erwies sich für die Araber bislang als teures Zuschussgeschäft - ähnlich wie ihre Beteiligung an Air Berlin.

Mitte März hatte das Management einen Rettungsplan vorgestellt. Er sieht ein drastisches Sparprogramm vor, der die Fluglinie binnen zwei Jahren wieder in die Gewinnzone bringen soll. Die Gewerkschaften riefen angesichts der vorgesehenen Stellenstreichungen und Kürzungen der Gehälter des Flugpersonals mehrfach zu Streiks auf.

Der Verwaltungsrat werde nun über die Zukunft der Airline beraten, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Großaktionär bei Alitalia ist wie bei Air Berlin die arabische Gesellschaft Etihad. Erwartet wird, dass nun ein Insolvenzverwalter berufen wird.

Der Kompromiss, der durch die italienische Regierung vermittelt wurde und den auch die Gewerkschaften unterstützt hatten, sah vor, dass die Gehälter um durchschnittlich acht statt 30 Prozent gekürzt und 980 statt fast 1400 der 12.500 Beschäftigten entlassen werden.

Mit „Bedauern und Bestürzung“ habe man den negativen Ausgang des Referendums wahrgenommen, teilten Wirtschafts-, Arbeits- und Verkehrsministerium in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das Ziel der Regierung sei es, die Kosten „für die italienischen Bürger und die Reisenden“ zu minimieren.

Alitalias Anteilseigner, darunter die Banken UniCredit und Intesa Sanpaolo, hatten damit gedroht, die Umschuldung von Verbindlichkeiten der Fluglinie zu blockieren, sollte es keinen Sanierungsplan geben.

Die Airline, mit der traditionell auch der Papst aus Rom fliegt, hat eine Flotte von mehr als 120 Maschinen. Im Jahr 2015 hatte Alitalia fast 200 Millionen Euro Verlust gemacht.

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erstellt am 25.Apr.2017 | 15:27 Uhr

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