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Mineralölfirmen wittern schwarzes Gold im Norden

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An mehreren Standorten in Schleswig-Holstein und Dänemark soll wieder gebohrt werden

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Kiel/Hamburg | Der Kampf um das letzte Öl im Norden hat begonnen: Ölförderer suchen entlang von Nord- und Ostseeküste nach neue Ölfeldern und wollen auch Altfelder wieder in Betrieb nehmen. Allein das Hamburger Unternehmen RWE Dea prüft sowohl im Bereich Plön als auch im Feld Schwedeneck-See in der Kieler Bucht die Wiederaufnahme von Bohrarbeiten. Daneben hat der Betreiber der Plattform Mittelplate schon früher angekündigt, verstärkt auch Explorationen im Nationalpark Wattenmeer voranzutreiben. Im Süden Dänemarks will sich wiederum die Heidelberger Firma Jutland Petroleum auf die Suche nach Ölvorkommen machen, Anträge dafür wurden bei den dänischen Behörden gestellt. Auf deutscher Seite liegen dem Landesamt für Bergbau gegenwärtig 23 Suchanträge vor. Vier wurden genehmigt, sieben abgelehnt. Bei zwölf Anträgen steht die Entscheidung noch aus.

Neue Techniken und ein immer weiter ansteigender Ölpreis lassen Schleswig-Holstein als Ölförderstandort für RWE Dea und andere Firmen wieder attraktiv erscheinen. Seit dem Rückzug der Hamburger aus Schwedeneck-See im Jahr 2000 hat sich der Ölpreis mehr als vervierfacht. Kostete ein Barrel der Nordsee-Öl-Sorte Brent damals gerade einmal 23,88 US-Dollar, müssen dafür gegenwärtig etwa 108 US-Dollar bezahlt werden.

Im Umwelt- und Energiewendeministerium in Kiel ist man skeptisch. Pauschal ablehnen kann Schleswig-Holsteins Regierung die Anträge zur Suche nach Öl im Land derzeit nicht. Umweltminister Robert Habeck (Bündnis 90/Grüne) betont jedoch: "Energiewende heißt, die klimaschädlichen konventionellen Energieträger abzulösen - bei Strom, Wärme und Mobilität." Die Zukunft von Schleswig-Holstein, so sagt er weiter, liege "in den Erneuerbaren, nicht in Kohle, Öl und Gas".

Mit Anträgen für Bohrungen rechnet sein Ministerium frühstens 2015. Sollte dies der Fall sein, würden das Landesamt für Bergbau als Bergbehörde und das Energiewendeministerium als Fachaufsicht sie nach Recht und Gesetz prüfen und Belange wie die des Naturschutzes streng berücksichtigen, betont Habeck. Heute will er einen Landtagsausschuss vom gegenwärtigen Sachstand unterrichten.

Seitens der Wirtschaft wurde die Haltung des Ministers gestern scharf kritisiert. Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel forderte eine ideologiefreie Diskussion über eine mögliche Wiederaufnahme der Ölförderung. "Deutschland wird auch weiterhin auf einen Energiemix angewiesen sein", kritisiert Jörn Biel, Hauptgeschäftsführer. "Dazu gehören neben erneuerbaren Energien auch fossile Energieträger."

Dass ausgerechnet die neuen Projekte im Norden etwas dazu beitragen können, bezweifelt Jörg Feddern , Öl-Experte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, jedoch: "Die Reserven, die dort vermutet werden, sind so gering, dass die bei der Versorgungssicherheit gar keine Rolle spielen." Feddern kritisiert die mögliche Förderung zudem mit Blick auf die Nähe zu Schutzgebieten.

Tatsächlich nehmen sich auch die Zahlen, die RWE Dea selbst angibt, bescheiden aus. In Preetz vermutet das Unternehmen noch 140 000 Tonnen Öl im Boden, in Plön-Ost sind 120 000 Tonnen, in Schwedeneck-See 400 000 Tonnen. Zusammengenommen geht es somit um rund 660 00 Tonnen, angesichts eines Tagesverbrauchs, der in Deutschland 2012 bei rund 297 000 Tonnen lag, würden die Reserven keine drei Tage reichen.

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