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Mindestlohn treibt Taxipreise im Norden hoch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Hamburg wurden Preiserhöhungen zum 1. Oktober beschlossen / Schleswig-Holstein wird nachziehen

Der Mindestlohn wird die Preise in die Höhe treiben. Davor hatten vor allem die Taxiunternehmen vor der Verabschiedung des Gesetzes im Juni laut gewarnt. Aus diesen Warnungen wird jetzt Realität. Gestern kündigte der Hamburger Senat an, dass die Preise an der Elbe ab Oktober um rund 7,8 Prozent steigen werden. Eine Strecke über fünf Kilometer kostet in der Elbmetropole dann 14,99 Euro. Bislang waren es 13,89 Euro. Die Grundgebühr wird von bisher 2,90 Euro auf 3,20 Euro angehoben. Für Taxis, die aus dem Umland in die Metropole pendeln, gelten die Hamburger Preise nicht.

Im Nachbarland Schleswig-Holstein wird die Anhebung sogar „in zahlreichen Kreisen und Kreisfreien Städten im zweistelligen Prozentbereich ausfallen“, erklärte gestern der Chef des Taxenverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Krotz, in Kiel. Auch hier werden in den kommenden Tagen bei den Kreisverwaltungen die Anträge für die Anhebung der Beförderungsentgelte eingereicht. „Die Lohnsteigerungen können wir nicht auffangen“, erklärt Krotz. Zumal für eine Fünf-Kilometer-Fahrt hierzulande aktuell rund 40 Prozent weniger bezahlt werden müssen als in der Hansestadt. „Wir haben vom Verband schon einige Versammlungen auf Kreisebene hinter uns, viele Mitglieder sind hochgradig verunsichert“, fasst Krotz die Stimmung vor Ort zusammen. Glücklich sei niemand in der Branche über den Mindestlohn, „am wenigsten die Fahrer. Die bekommen nämlich statt der gesetzliche vorgeschrieben 8,50 Euro in vielen Fällen die Kündigung“. Laut Bundesverband kommen Taxifahrer momentan im Schnitt auf einen Stundenlohn in Höhe von 6 bis 6,50 Euro. Ein Anpassung auf Mindestlohnniveau käme einer Lohnerhöhung von fast 30 Prozent gleich.

Weil solche Forderungen am Markt kaum durchsetzbar sind, wird laut Krotz mit großer Wahrscheinlichkeit in einigen Regionen Schleswig-Holsteins „das Angebot ausgedünnt werden“. Wer nachts am Wochenende in einem Dorf ein Auto bestellen will, werde künftig ganz schlechte Karten haben. Die Alternative sei die Genehmigung eines speziellen Schwachlasttarifs, um nachts die nötige Lohnanpassung um rund 40 Prozent bis zum Mindestlohn aufzufangen.

Was viele nicht einkalkulieren sind Spritkosten, Steuern, Reparaturen sowie die Kosten für Vermittlung und Verwaltung. „Wenn ich in der Stunde einen Umsatz von 8,50 Euro mache, kann ich nicht 8,50 Euro Stundenlohn zahlen“, erklärt Krotz.

Sorge um ihre Jobs haben die Fahrer nicht von ungefähr: Der Taxiruf in Bremen rechnet damit, dass jedes dritte Unternehmen aufgibt und der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen befürchtet, dass von den 20 000 Taxifahrern 5000 ihren Job verlieren Das wäre jeder vierte.

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erstellt am 16.Sep.2014 | 14:31 Uhr

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