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Anlageobjekt Windkraft : Millionen Miese statt Rendite bei Prokon

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Böse Nachricht für die Anleger: Die Stiftung Warentest spricht von verheerend schlechten Zwischenbilanzen und Riesenverlusten bei der Itzehoer Prokon-Gesellschaft. Die Neuanlegerzahlen sind sehr niedrig.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Itzehoe | Seit 2003 emittiert die Itzehoer Prokon Unternehmensgruppe Genussrechte als Kapitalanlage. Traumzinsen werden in Fernsehspots und Postwurfsendungen versprochen. Die Unternehmenstochter „Prokon Regenerative Energien“ garantiert laut Werbung als Windparkbetreiberin mindestens sechs Prozent Rendite. Doch seit 2003 gibt es auch Verbraucherschützer, die vor unkalkulierbaren Risiken warnen. Offenbar zu Recht. „Nach neuesten Zahlen hat die Gesellschaft Riesenverluste angehäuft. Ihr Stammkapital war Ende August aufgezehrt“, heißt es in einer Analyse, die gestern die Stiftung Warentest verbreitete. Für 74.000 Anleger, die mehr als eine Milliarde Euro investiert haben, eine böse Nachricht. Prokon ist zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Die Zwischenbilanzen seien „verheerend schlecht“, so die Verbraucherschützer. Bis Ende August 2013 wurden 194,4 Millionen Euro Verlust angehäuft. Prokon-Anleger müssen sich womöglich auf verringerte Rückzahlungen einstellen und im schlimmsten Fall auf den Verlust des angelegten Geldes. Defizite des Windkraftunternehmens werden zwar zuerst durch stille Reserven abgefedert. Reichen die Rücklagen aber nicht aus, wird das Stammkapital herangezogen, und danach muss das Genussrechtskapital dran glauben. Bereits in der Vergangenheit, so die Warentester, reichte oft der Jahresüberschuss nicht für die Grundverzinsung und Überschussbeteiligung der Genussrechte. Ob noch stille Reserven vorhanden sind, ist unklar, denn die werden mit Jahresabschluss 2012 erstmals nicht mehr ausgewiesen. Prokon scheint somit angewiesen zu sein, neue Anleger mit neuem Kapital anzuwerben, um alte Genussrechte zu bedienen. Doch das frische Geld fließt wesentlich langsamer als zuvor. Die „Welt am Sonntag“ berichtete über einen dramatischen Einbruch bei den Anlegergeldern. Demnach wurden seit September monatlich nur 3,7 Millionen Euro an neuem Genussrechtskapital eingesammelt, zuvor waren es im Schnitt 40 Millionen pro Monat.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Experten, die vermuteten, dass Prokon Zinsen nicht aus tatsächlichen Gewinnen, sondern aus neu eingeworbenen Anlegergeldern finanziert. Wenn die jetzt ausbleiben, wird es eng. Laut Warentest weist „Prokon Regenerative Energien“ ein operatives Ergebnis von 13 Millionen Euro vor Abschreibungen und Steuern bis 31. August aus. Allein für die Grundverzinsung von sechs Prozent sind bei mehr als einer Milliarde Euro Genussrechtskapital aber über 60 Millionen Euro nötig.

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