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Immobilien-Investor René Benko : Millionär übernimmt Karstadt – Zukunft bleibt unklar

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der bisherige Eigner Berggruen ist ohne einen Cent raus. Die Zukunft der 17.000 Karstadt-Mitarbeiter ist völlig offen.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 18:58 Uhr

Essen | Die österreichische Signa-Gruppe des Immobilien-Investors René Benko übernimmt die Warenhäuser von Karstadt. Das bestätigte am Freitagmorgen die Holding des Österreichers. Danach wird Benko noch im August neuer Eigentümer der Karstadt Warenhaus GmbH, in der 83 Karstadt-Filialen gebündelt sind. Laut „welt-online“ wurden die Verhandlungen bereits abgeschlossen. Unterzeichnet sei jedoch noch nichts.

Grundlage für die Übernahme sei eine neu ausgehandelte Vereinbarung, die die Übernahme von 100 Prozent vorsieht. Zusätzlich zieht sich der bisherige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen vollständig aus den Premium- und Sport-Bereichen zurück, an denen er über seine Berggruen Holding noch Minderheitsanteile besaß. Gleiches gilt für seine Immobilienbeteiligungen an einzelnen Karstadt-Häusern. In einem zweiten Schritt, so die „Welt“, will Berggruen auch die Markenrechte auf den Namen Karstadt an Signa abgeben. Für all das, so schreibt der Spiegel, fließt kein Geld – Berggruen sei raus.

Der deutsch-amerikanische Milliardär hatte den Konzern im Jahr 2010 nach der Insolvenz für einen Euro übernommen. Gleichzeitig versprach er der Politik, den Gewerkschaften und der Öffentlichkeit vollmundig Investitionen in Millionenhöhe und eine Modernisierung der traditionellen Kaufhäuser.

Zunächst als Retter gefeiert, geriet Berggruens Engagement zunehmend in die Kritik. Seine Versprechen konnte er nicht einlösen. Über die Jahre sah sich das Unternehmen mit Sparprogrammen, Stellenabbau und einer völlig verfehlten Sortimentspolitik konfrontiert. Statt zu investieren, bestand Berggruen darauf, Karstadt müsse sich aus eigenen Mitteln sanieren. Selbst zog er jedoch über die Markenrechte jedes Jahr Millionen aus dem Konzern ab. Obwohl er damit unmittelbar für die derzeitige desaströse finanzielle Lage des Konzerns verantwortlich war, ließ er am Mittwoch noch erklären, mit der Übernahme „den Weg für einen Neuanfang bei Karstadt freizumachen“. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt den bei Karstadt aufgelaufenen Investitionsstau auf „bestimmt 1,5 Milliarden Euro“.

Dass Benko Interesse an Karstadt hat, war ein offenes Geheimnis – zumal das Unternehmen ohne den Immobilieninvestor längst hätte Insolvenz anmelden müssen: Im vergangenen Herbst hatte Benko 75,1 Prozent des operativen Geschäfts der Premium- und Sport-Gruppe übernommen – darunter das Hamburger Alsterhaus –, und nur durch die erste Tranche des Kaufpreises von 300 Millionen hatte man bei Karstadt die notwendige Liquidität, um das Geschäft am Laufen zu halten. Außerdem erklärten sich die Warenkreditversicherer vor wenigen Wochen nur deshalb bereit, die Einkäufe für ein weiteres Jahr zu gleichen Konditionen abzusichern, weil Benko ihnen garantierte, im Herbst die zweite Tranche des Kaufpreises zu überweisen.

Unklar bleibt, was Benko mit der Übernahme des Warenhausgeschäftes langfristig plant. Bislang hatte sich die Signa-Gruppe hauptsächlich auf Immobilien-Investments konzentriert, mit der Karstadt-Übernahme will der Österreicher jetzt offenbar ins Handelsgeschäft einsteigen. An einer Sanierung des Unternehmens kommt kein Eigentümer vorbei, die Mitarbeiter werden sich auf weitere Sparrunden einstellen müssen. Erst kürzlich hatte Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl von „berechtigten Sorgen um die Profitabilität“ für ein Viertel der noch 83 Häuser gesprochen. Bei nötigen Einschnitten werde es keine Tabus geben, so Fanderl. Für die 17.000 Beschäftigten ist daher die Zitterpartie um ihre Jobs noch nicht zu Ende.

In Norddeutschland, so eine Studie des Warenhausexperten Gerhard Hessert, gelten die Standorte Neumünster, Flensburg, Norderstedt und Hamburg-Billstedt als „sehr stark gefährdet“. Hamburg-Bergedorf ist als „gefährdet“ eingestuft. Nicht auf der Liste der gefährdeten Filialen stehen die in Kiel und Lübeck.


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