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Migrantenfirmen: Mehr als Döner- und Gemüsebude

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jede fünfte Existenzgründung in Deutschland entfällt inzwischen auf einen Migranten. Dass es dabei vorwiegend um die Eröffnung von Dönerbuden und Gemüseläden geht, ist ein Vorurteil , so das Fazit einer aktuellen Studie der Friedrich Ebert Stiftung. Unternehmen ausländischer Gründer seien längst nicht mehr nur aus der Not geboren, vielmehr steige der volkswirtschaftliche Nutzen von Migrantenunternehmen stetig an. Rund eine dreiviertel Million Selbstständige mit ausländischen Wurzeln schaffen demnach rund 2,2 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland. Seit Anfang der 90er Jahre hat sich die Zahl selbstständiger Migranten fast verdreifacht. Die Entwicklung geht laut Studie mit einem steigenden Bildungsniveau der Gründer einher. Dadurch nehme der Anteil einfacher Dienstleistungen ab: Jede vierte Migrantenfirma erziele ihren Umsatz inzwischen mit wissensintensiver und moderner Leistung. Ingenieure, Architekten, Dolmetscher und Kulturschaffende, aber auch Medienschaffende spielen dabei eine bedeutende Rolle. Die Bereiche Gastgewerbe und Handel machten „nur (noch) ein Drittel aus“, heißt es in der Studie. Zu ähnlichen Ergebnissen kam kürzlich auch die KFW-Bank. Demnach beschäftigen Migranten häufiger von Anfang an Mitarbeiter und leisten einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Doch es gibt auch Schwierigkeiten: Nach drei Jahren haben 39 Prozent der Unternehmen aufgegeben (Durchschnitt 30 Prozent). Das höhere Abbruchrisiko ist laut KFW-Bank vor allem darauf zurückzuführen, dass Migranten tendenziell eher jung sind, aus der Arbeitslosigkeit kommen und mit Handelsunternehmen starten.

Laut Statistikamt hatten im vergangenen Jahr die Polen in Schleswig-Holstein mit 1537 Gewerbeanmeldungen die Nase mit Abstand vorn, gefolgt von den Rumänen (746) und Bulgaren, die 661 Einzelunternehmen anmeldeten. Erst an vierter Stelle folgten die Türken, die „nur“ 396 Gewerbeanmeldungen vornahmen, obwohl sie mit Abstand die größte Migrantengruppe im Norden darstellen. Bezogen auf die Gesamtzahl von gut 21 000 neu registrierten Einzelunternehmern im Norden liegt der Anteil der Migranten hierzulande aber deutlich unter 20 Prozent.

Laut Handwerkskammer Flensburg zieht es vor allem Zuwanderer aus den ehemaligen GUS-Staaten und Polen in traditionelle Handwerksberufe. Sie machen sich laut Vize-Chef Dirk Belau meist sehr erfolgreich im Bau-, Metall- und im Kfz-Gewerbe selbstständig und bilden engagiert junge Leute aus. Türken hingegen zöge es ins Friseurhandwerk und ins Kfz-Gewerbe, traditionell vor allem in kaufmännische Sparten wie den Handel. „Ohne migrantische Unternehmen geht mancherorts bei der Nahversorgung nichts mehr“, hieß es gestern aus dem Bundeswirtschaftsministerium.


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erstellt am 24.Sep.2014 | 12:59 Uhr

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