Sterbende Innenstädte : Miete zum Nulltarif: Wie eine dänische Kleinstadt gegen Leerstände kämpft

Bevor der Moder kommt: Nakskov Kaufleute wollen ihre Innenstadt über Verzicht beleben.

Bevor der Moder kommt: Nakskov Kaufleute wollen ihre Innenstadt über Verzicht beleben.

Wie können Kleinstädte ihren Fußgängerzonen Leben einhauchen? Nakskov versucht es mit Miet-Anreizen.

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18. September 2017, 14:55 Uhr

Nakskov | Nakskov auf Lolland ist eine idyllische Küstenstadt unweit des geplanten Fehmarnbelttunnels. Eine Zuckerfabrik und die Rotorenblätterproduktion von Vestas geben der Partnerstadt von Eckernförde auch nach dem Wegfall der Schiffbauindustrie ein tragfähiges wirtschaftliches Gerüst. Doch um den Handel in der Innenstadt des 13.000-Einwohner-Ortes ist es gar nicht gut bestellt: Wie in vielen Städten Schleswig-Holsteins macht auch dort der Strukturwandel  im Einzelhandel den Kaufleuten in der Fußgängerzone zu schaffen. Die Konsequenz sind geisterhafte anmutende Leerstände, schlechte Stimmung und eine schlechter werdende Versorgung für die Konsumenten.

Im Angesicht eines sich fortsetzenden Ablebens des geschäftlichen Treibens in der Fußgängerzone haben Gewerbeverein und Ladenvermieter nun reagiert: Wer ein neues Ladenlokal mietet, muss ein Jahr lang keine einzige Krone Miete zahlen. Erst dann wird der Neu-Kaufmann zur Kasse gebeten. So erhofft sich die Stadt wichtige Impulse. Denn eine attraktive Handelsader sei nicht nur wichtig für die Wirtschaft, sondern auch für Zusammenhalt und Nachbarschaft, sagen die Befürworter des Projektes. Und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, vorausgesetzt es gibt sie. Mit der Maßnahme sollen nun Anreize geschaffen werden, dass sich wieder mehr Bürger den Traum von einem eigenen Laden verwirklichen – vielleicht wird sich ja auch jemand mit einer noch unerprobenden Idee im Handelsgewerbe festsetzen.

Hier wie dort sind insbesondere im unabhängigen Einzelhandel die oft horrenden Mieten der Refrain des Klageliedes. Die Mieten in der Kleinstadt liegen bei bis zu 2000 Euro für ein Ladenlokal – die müssen sich Neu-Kaufleute ohne Kundestamm in Konkurrenz zum Internet erstmal verdienen. Zu dem Hauptkostenpunkt kommen noch Betriebskosten, die im mietfreien Jahr allerdings auch zulasten des Unternehmensgründers gehen.

Die Ladenlokale werden von den Eigentümern zur Verfügung gestellt, denen viel daran liegt, die Innenstadt lebendig zu halten. Morten Andersen, Unternehmer und Eigner von vier zum Teil leerstehenden Butiken in Nakskov erklärt gegenüber „Danmarks Radio“ seine kaufmännische Überlegung dahinter. Es sei besser, für ein Jahr auf Miete zu verzichten, in der Aussicht auf mehrere Jahre Mieteinkünfte in der Zukunft. Als Eigentümer habe man eine Verantwortung für das Ganze zu tragen und von leeren Räumen profitiere niemand, erklärte der Mit-Initiator. „Es ist unglaublich wichtig, dass wir eine attraktive Fußgängerzone in Nakskov haben. Wir haben zu viele leere Räume, und ich denke, wir sollten etwas dagegen tun“, sagt Andersen zu „TV ØST“.

Die befragten Anwohner erfreuen sich des Projektes, auch weil sich hoffen, dass es unter anderem wieder einen Laden für Kinderkleidung und Spielwaren geben könnte. Ein älterer Herr freut sich im dänischen Fernsehen, denn nun kann er endlich einen Weinhandel ohne größeres finanzielles Risiko aufmachen. Falls das Pilotprojekt Früchte trägt, wollen sich auch andere, kleinere Städte auf Lolland wie Maribo und Sakskøbing ins Nullmietenprogramm einklinken.

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